Fachspezifischer Teil - E-Bass/Jazz-Kontrabass
1. Repertoire – inhaltliche Breite
Jazz/Pop/Rock (im Folgenden kurz JPR genannt) und seine verwandten Gattungen
sind relativ junge Musikstile mit schnell fortschreitender Entwicklung in verschiedene
Richtungen. Es gilt daher bei der Auswahl des Repertoires sowohl die
entwicklungsgeschichtliche Relevanz als auch aktuelle Tendenzen zu berücksichtigen.
Das Vermitteln eines möglichst weiten musikalischen Horizonts – eines breiten
Angebots an Stilen und Spieltechniken historischer und zeitgemäßer Musik für EBass/
Jazz-Kontrabass – ist das zentrale Grundanliegen. Sowohl Literaturwünsche der
SchülerInnen als auch Vorlieben und stilistische Schwerpunktsetzungen der
LehrerInnen sollten Berücksichtigung finden.
Eine große Herausforderung für die LehrerInnen stellt die Beschäftigung mit dem
Bereich der Jugendkultur dar:
- Flexible Repertoireauswahl mit Zeitbezug
- Vermittlung von neuen Lehrinhalten eingebettet in vertraute Klänge
- Jugendliche SchülerInnen „dort abholen, wo sie gerade stehen“
- Vermeiden starrer pädagogischer Haltungen
Die wichtigsten Stile des E-Basses/Jazz-Kontrabasses sollten vermittelt werden:
- Blues, R&B, Funk, Soul etc.
- Popmusik der verschiedenen Epochen
- Jazz der verschiedenen Epochen
- Lateinamerikanische Musik
- Ethno
Im Bereich JPR gilt: "Das Repertoire von Morgen wird Heute geschrieben."
Das Standard-Repertoire, welches primär durch Aufnahmen führender InterpretInnen
und KomponistInnen dokumentiert und teilweise in Form von Leadsheets, Fakebooks,
Songbooks etc. zugänglich ist, nimmt den zentralen Schwerpunkt bei der
Literaturauswahl ein. Ziel des Unterrichts ist, ausgehend von Basslinien stilbildender
BassistInnen mithilfe verschiedener Techniken und Stimmführungsregeln
selbstständig Basslinien zu Stücken zu entwickeln, bzw. ausnotierte Basslinien
stilsicher zu interpretieren. Die Bass-SchülerInnen sollen zu selbstständig agierenden
musikalischen Persönlichkeiten mit hohen Teamqualitäten und klarem
Rollenverständnis herangebildet werden.
Die kompositorischen Fähigkeiten der SchülerInnen – das Finden der „eigenen
Stimme“ in der Musik – sollen forciert werden.
2. Musizierformen
Der Bass ist primär ein Begleitinstrument, welches erst in der Rhythmusgruppe oder
mit einem Duopartner in seiner fundamentalen und vielschichtigen Rolle erfahren
werden kann. Daher sollte möglichst früh – nach einer technischen Grundausbildung –
mit der praxisorientierten Ensemblearbeit begonnen werden. Bereits mit geringem
technischem Können lassen sich einfache Begleitfunktionen erfüllen.
Jazzkontrabassisten sollten schon früh lernen, in den unteren Lagen einen Blues und
einfache Standards „in time“ zu begleiten, E-Bassisten einen Rock-Blues und einfache
Rock- und Popsongs.
Die Improvisation ist in den unterschiedlichsten Spielformen ein zentrales
Gestaltungselement.
Eine wichtige Rolle spielt das Musizieren mit Computer und elektronischen Devices
(wie z.B. Groove Box, Loops) zur Entwicklung eigener Arrangementideen und die
Begleitung auf einem Harmonieinstrument durch die LehrerInnen.
- Solospiel
- Ensemblespiel (Big-Band, Musical etc.)
- Der Schwerpunkt liegt auf kleineren Band-Besetzungen
3. Eignung, Lernvoraussetzungen
Abgesehen von allgemeinen musikalischen Voraussetzungen erfordert der E-Bass
gewisse körperliche Voraussetzungen, die im Allgemeinen ab einem Alter von ca. 10
bis 13 Jahren gegeben sind. Das entspricht auch dem Einstiegsalter der meisten
E-BassistInnen. Ein früherer Beginn ab ca. 7 Jahren ist mit einem entsprechenden
Instrument möglich. (siehe auch Punkt 5)
Das empfohlene Einstiegsalter für Jazzkontrabass ist ca. 14 Jahre. Bei Vorbildung ist mit
einem entsprechenden Instrument (Kinderkontrabass) auch ein früherer Beginn möglich.
(siehe auch Punkt 5)
Die kognitiven, kreativen, motorischen und musikalischen Fähigkeiten der SchülerInnen
sollten in einem Beratungsgespräch geklärt werden. Musikalische Vorkenntnisse sind
erwünscht.
- Form- und Rhythmusgefühl
- Kreativität und Bereitschaft zu Improvisation (spontane Basslinien, solistisch)
Bei der Auswahl des geeigneten Equipments berät die Lehrkraft.
4. Ganzheitliche Pädagogik
Im Mittelpunkt stehen die SchülerInnen, die in ihrem Wachstum von der Lehrkraft
begleitet werden. Diese bietet immer wieder Elemente aus verschiedenen
Musikbereichen an und legt so einen breiten Grundstock, der den SchülerInnen ein
Leben lang als schöpferische Quelle dienen kann.
Einen Song in verschiedenen Tonarten zu spielen und über seine Form zu
improvisieren fördert das Denken in harmonischen Stufen. Das Experimentieren
anhand von Songs mit verschiedenen Grooves und Tempi verbessert die rhythmische
Wachsamkeit und Beweglichkeit.
Notensatz- und multifunktionale Musikprogramme können wesentlich zu Effizienz im
modernen Unterricht beitragen und ermöglichen eine flexible, den SchülerInnen
individuell angepasste Unterrichtsgestaltung und mehr Unabhängigkeit von im
Handel angebotener Literatur.
Jede Schule sollte über eine gut sortierte Auswahl an Play along-CDs verfügen.
Ganzheitliche Pädagogik bedeutet im JRP-Bereich das Einbeziehen von nicht
unmittelbar instrumentenbezogenen Elementen in den Unterricht wie:
- Ear-Training
- Einbindung der Stimme in den Instrumentalunterricht
- Angewandte Theorie (Hören – Benennen – Anwenden) als Basis für Improvisation und Spontaneität
- Körperbezogenes Rhythmustraining
- Arrangement/Songwriting/Komposition
- Transkribieren
- Leadsheet Notation
- Computerunterstützte Arbeit
- Einsatz von Play along-CDs
- Arbeit mit Metronom
Diese nicht auf die instrumentenspezifische Ebene reduzierten Elemente ermöglichen
die individuelle Förderung der Persönlichkeitsentwicklung der SchülerInnen mit ihren
unterschiedlichen Bedürfnissen auf dem Weg zur Eigenständigkeit. Sie geben
behutsam Hilfestellungen bei der Entwicklung eines ausgeprägten musikalischen
Differenzierungsvermögens – vor allem auch in Bezug auf Modeströmungen und
Fragen wie:
- Was macht die besondere Qualität eines Songs aus?
- Welche Stilmittel wurden verwendet?
- Worin besteht die Originalität einer Komposition?
- Hat der Text eine starke Aussage und wie wird diese kompositorisch und/oder arrangementtechnisch unterstützt?
- Gibt es eine politische/gesellschaftskritische Aussage?
- Pure Kommerzialität versus Eigenständigkeit
Die musikalischen Sprachen und „Codes“ der Popularmusik tradieren sich primär
auditiv über Aufnahmen und Livekonzerte und erst in zweiter Linie durch Notation.
Ein nachhaltiger, von gutem Stilverständnis getragener Lernerfolg am Instrument lässt
sich daher nur in Verbindung mit aktivem Anhören, Analysieren, Imitieren und
bestenfalls Transkribieren von Stücken stilbildender InstrumentalistInnen erzielen.
Eine positive Ergänzung bietet die Anleitung zur spontanen Erstellung eines einfachen
Bassarrangements (z.B. kurzes Solo, Intro, Outro) ausgehend von einem Song oder
einem Instrumentalstück.
Für BassistInnen gilt vor allem auch:
- Ein Rhythmus besteht aus Tönen und Pausen!
- Das Selbstverständnis der BassistInnen als „missing link“ zwischen Rhythmus und Harmonik/Melodik ist besonders wichtig:
- „Phrasing geht vor Voicing“
- Banddienliches Spielen unter dem Motto „weniger ist mehr!“
- Der Groove ist das Entscheidende und nicht die Anzahl der Töne pro Takt – die
gezielte Auswahl der Töne und wo/wie sie rhythmisch gesetzt werden, entscheiden
über die Qualität einer guten Basslinie.
- „Think Bass!“ (Zielführende Strategien: Bass&Drum-Ensembles, Rhythmsection Coaching)
5. Körper und Instrument, Technik
E-Bass
Der Körpergröße angepasste Instrumente:
- Standardbass für SchülerInnen ab einer Körpergröße von ca. 160 cm
- Kleinere Instrumente (short scale – 30 Zoll) für SchülerInnen ab ca. 7 Jahren
- Der Verstärker ist Bestandteil des Instruments
Technik:
- Schaffung einer Basis für alle Stilrichtungen
- Instrumentengerechte Technik
- Vorstellen aller wichtigen Spieltechniken (Fingerstyle, Plektrum, Tapping, Slap- Technik, Muffle-Technik, Akkordspiel etc.) und Muting-Techniken (left hand muting, right hand muting)
- Rechte Hand:
Vorerst Spezialisierung auf Fingerstyle- oder Plektrum-Technik, später alle
weiteren Techniken (Slapping, One- und Twohand-Tapping, Funky Fingers etc.)
- Linke Hand:
- Gitarren-oder Kontrabassfingersatz
- Standardfingersätze oder gestreckte Fingersätze
- Mischformen je nach anatomischer Eignung
- Untersetzter Fingersatz
Es sind neben der Notwendigkeit eines gut eingestellten und leicht zu spielenden
Instruments vor allem das Ausbalancieren und die Armhaltung während des Spiels zu
beachten. Die Länge des Tragegurtes soll so gewählt werden, dass der Bass immer in
gleicher Höhe hängt, unabhängig davon, ob die SchülerInnen sitzen oder stehen.
Ob in der linken Hand von Beginn an die 4-Fingertechnik oder anfangs die 3-
Fingertechnik verwendet werden soll, hängt von der Physiognomie der SchülerInnen
ab. Wichtig ist jedoch, dass die Anschlagstärke in der rechten Hand so gewählt wird,
dass ein „grooviges“ und definiertes Spiel gewährleistet ist, wobei auch die
Klangunterschiede der einzelnen Spielpositionen vom Ende des Griffbretts bis zur
Brücke zu beachten sind.
Jazz-Kontrabass
Aufgrund der hohen physiologischen Anforderungen, die der Jazz-Kontrabass als
größtes Bassinstrument den Lernenden abverlangt (Aufbau von Kraft und Ausdauer,
einwandfreie entspannte Körperhaltung und -kontrolle, Erlangen von Technik und
Flexibilität, tragender Sound, ruhiges entspanntes Atmen bei jedem Tempo etc.), ergibt
sich bei der Vermittlung der Lehrinhalte methodisch eine andere Situation als beim EBass.
Obwohl sich der Kontrabass im Jazz völlig eigenständig entwickelt hat und
beispielsweise das klassische Pizzicato nichts mit der Anschlagstechnik der rechten
Hand im Jazz zu tun hat, ist zum Erlernen des Instruments eine klassische
Grundausbildung/Vorbildung von Vorteil, bzw. klassischer Kontrabassunterricht als
Ergänzung zu empfehlen.
Die Technik der linken Hand stimmt im Grundansatz mit der klassischen überein. Bei
der Wahl von Fingersätzen geht man im Jazz aber von anderen Prioritäten aus:
- Ökonomie beim Lagenwechsel
- Einbeziehen von Leersaiten
- Harmonisch logische Fingersätze
- Strukturiertes Spiel über alle 4 Saiten in allen Lagen
- Sequentielles Denken
Die improvisierte, innerlich gehörte Phrase diktiert den Fingersatz. Angehende
JazzbassistInnen lernen beim Üben, sich Strukturen zu erarbeiten, um beim Spielen
„frei“ für ihre Ideen und die Musik zu werden.
Über die normale Begleitfunktion hinaus muss langfristig auf eine hohe technische
Flexibilität und Wendigkeit hingearbeitet werden. Die Technik der rechten Hand (1-
Finger Jazz-Pizzicato, 2- oder 3-Finger Wechselschlag) muss mit verschiedenen
Übungen (von Leersaitenübungen über rhythmisierte Skalen/Akkord- und
Phrasierungsübungen bis hin zu Themen, Basslinien, Solospiel etc.) gezielt trainiert
werden. Die Saite sollte dabei locker angeschlagen werden, parallel zur Griffbrettfläche
schwingen und nicht am Griffbrett anschlagen.
Über die Saitenhöhe muss man je nach Instrument, physischen Voraussetzung der
SchülerInnen und Saitenart (Stahl- oder Darmsaite) eine Entscheidung treffen und
nötigenfalls den Rat erfahrener GeigenbauerInnen einholen. Der Obersattel ist bei
klassisch eingestellten Kontrabässen oft zu hoch, was zu unnötiger Ermüdung der
linken Hand führt. Ebenso sollte man die Wölbung des Griffbretts reduzieren, bzw.
anpassen.
Grundlegende pädagogische Ziele (wie saubere Intonation und Treffsicherheit,
Kräftigung der linken Hand und Erlangen eines tragfähigen Tones, Vibrato, sicheres
und kontrolliertes Lagenspiel, Sustainkontrolle, technische Beweglichkeit etc.) sind
ohne Studium mit dem Bogen nur schwer zu erreichen. Bogenspiel ist eine wesentliche
Vorbedingung für ein flexibles und ideenreiches Solospiel. Ungenügende
bogentechnische Vorbildung bedeutet einen zeitlichen Mehraufwand zugunsten
„klassischer“ Inhalte im Rahmen des Jazzbass-Unterrichts.
Was die Frage betrifft, ob man im Stehen oder Sitzen spielen sollte, hat sich in den
letzten Jahren eindeutig ein Trend zum Spielen im Stehen abgezeichnet. Der Grund
liegt in der Bewegungsfreiheit und im freien und geerdeten Körper- und Spielgefühl.
Der Energie- und Bewegungsfluss wird im Stehen nicht durch ein abgenicktes Becken
und abgewinkelte Knie unterbrochen. Dies kommt der Sensibilisierung des
körperlichen Rhythmusempfindens zugute. Bei langen Übezeiten ist jedoch ein Hocker
zu empfehlen.
Generell muss man auf einen geraden Rücken achten und auf die Nachteile und Folgen
schlechter Haltung hinweisen. Ein zentrierter Stand mit gleichmäßiger, jedoch flexibler
Schwerpunktverteilung ist essentiell. Der Gleichstand (mit individuellen
Angleichungen) von Obersattel und Augenhöhe soll beachtet und das Herunterhängen
des Ellbogens der linken Hand verhindert werden.
Der Übergang in Bruch- und Daumenlage birgt oft ein Risiko für Haltungsschäden.
Wenn das Instrument zu weit vom Körper weggehalten wird, können Arm, Schulter
und Rückenmuskulatur überbelastet werden. Auf die Stellung des Daumens beim
Greifen in den Grundlagen sollte man vor allem bei AnfängerInnen genauestens
achten. Die Daumenglieder dürfen auf keinen Fall durchgeknickt sein.
Die gleichmäßige Atmung ist für ein ruhiges fließendes Spiel immer wieder zu
beobachten und gegebenenfalls mit geeigneten Übungen zu korrigieren.
Generell wird man von Anfang an bis zur Oberstufe auf die Vermittlung einer
sozusagen „wertneutralen Basis-Technik“ setzen, welche die SchülerInnen im Laufe
E-Bass/Jazz-Kotrabass 2007-06 Seite 7 von 17
des kreativen Lernprozesses an ihre individuellen Bedürfnisse angleichen und weiter
ausbauen können.
Man sollte auch mit Pickup und Verstärker üben, um mit den technischen
Möglichkeiten vertraut zu werden. Allerdings wird kein noch so teures und
hochwertiges System einen schlecht gespielten Ton kaschieren können. Die primäre
Tonproduktion beim Jazzkontrabass erfolgt akustisch.
Die Qualitäten einer sehr gut ausgebildeten linken Hand kombiniert mit koordinierter
Anschlagsgenauigkeit der rechten Hand entscheiden über Projektionsfähigkeit und
Durchsetzungskraft eines gespielten Tons: „The sound is in your hands.“
6. Kultur-, musikhistorisches und musikkundliches Wissen
- Die Vermittlung von musikhistorischen Inhaltenist aufgrund des reichhaltigen
Angebotes an qualitativ hochwertigen Dokumentationen JPR-geschichtlicher
Ereignisse (international gültige Referenzaufnahmen und Meisterwerke
stilbildender MusikerInnen) sehr gut möglich. Dies bezieht sich auch auf die
Spezifika der verschiedenen Stile in unterschiedlichen kulturellen und regionalen
Kontexten zu verschiedenen Zeiten.
- Musikkundliches Wissen
Es wird ein begleitender Theorieunterricht empfohlen, der möglichst breit
gefächert und praxisnah sein soll. Gleichzeitig sollte den SchülerInnen ein Einblick
in das gesamte musikalische Universum jenseits aller stilistischen Grenzen eröffnet
und sie ermuntert werden, musikalisch offen zu denken und möglichst viel
unterschiedliche Musik zu hören. Ziel sollte die Bildung eines Bewusstseins für
Ästhetik, Geschmacksbildung und Horizonterweiterung sein.
- Musik-Empfehlungen (CD, DVD)
- Gemeinsame DVD-Stunden in größeren Gruppen mit Diskussion
7. Lebendiger Unterricht und vielfältige Unterrichtsformen
Einzel-, Partner-, Gruppen-, Ensemble- und Klassenunterricht
Methodische Flexibilität bezieht sich auch auf die Unterrichtsformen – diese sind
weder grundsätzlich gut noch schlecht, sondern lediglich danach zu beurteilen, ob sie
in Bezug auf die definierten Intentionen und die anstehenden Inhalte zielführend sind.
Auch wenn zunehmend neue Unterrichtsformen den traditionellen Einzelunterricht
ergänzen: Eine wichtige Quelle positiver persönlicher und musikalischer
Entwicklungen der SchülerInnen an einer Musikschule ist eine persönliche,
vertrauensvolle und beständige Beziehung zu ihren LehrerInnen.
Prinzipiell stellt der Einzelunterricht am Instrument die effizienteste
Unterrichtsform für die Vielfalt der zu vermittelnden instrumentaltechnischen Inhalte
dar, wobei die SchülerInnen so bald wie möglich – schon ab der Elementar- und
Unterstufe – in Ensembles eingebunden werden sollten, um ihnen eine Band-
Erfahrung und die damit verbundene soziale Komponente des Musizierens zu
vermitteln. Ensembles für AnfängerInnen können als Kleingruppenunterricht mit 2 bis
3 SchülerInnen stattfinden und sind immer Ansporn und Motivation für alle
Beteiligten. Durch die starke interaktive Prägung der Weitergabe von musikalischen
Inhalten im JPR-Bereich muss ein intensives Angebot an Ensembles, Bands und Big-
Bands auf allen Ausbildungsniveaus angeboten werden. Als wesentliches Element der
JPR-Entwicklung sei die Beeinflussung durch MitmusikerInnen im Bereich „instantcomposing“/
Improvisation bzw. das Erstellen von „head arrangements“ genannt.
In der Ensemblearbeit werden Qualitäten wie „Zuhören lernen“, „den Blick auf das
musikalische Ganze richten“ und Kritikfähigkeit entwickelt.
Spezifika der einzelnen Unterrichtsformen:
Einzelunterricht:
- Individuelle Förderung
- Arbeit im Detail
Partnerunterricht:
- Aufgaben- bzw. Rollenverteilung
- Die individuelle Förderung ist noch möglich
Gruppenunterricht:
Dieser kann eine hilfreiche Bereicherungen darstellen und die SchülerInnen
gegenseitig anspornen. Gewisse Themenfelder (Guideline-Übungen, Trading
Eights/Fours, Thema am Bass mit Begleitung der anderen BassistInnen,
klangspezifische Übungen, Experimente mit dem gesamten Klangkörper Kontrabass,
über Groovepatterns jammen, verschiedene Rhythmen und Metren probieren etc.)
können gut gemeinsam erarbeitet werden.
- Individualförderung nur mehr eingeschränkt möglich
- Verstärkt Rollenverteilung wie z.B. Aufteilung von Basslinie, Begleitung (rhythmisch mit Patterns, Riffs oder auch Akkorde ausgesetzt für Melodieinstrumente) und Melodie
- Gruppendynamik: Pädagogische Spiele als Vermittlungshilfe
- Soziale Komponente bekommt eine bindende Qualität der SchülerInnen zur Musik
Ensemble (als Ergänzung zu den anderen Unterrichtsformen):
- Erarbeiten von Repertoire
- Bandcoaching
- Improvisation
- Vermittlung von musikalischen Details bis hin zu aufführungstechnischen Themen
- Vorbereitung auf öffentliche Auftritte
- Zielgerichtetes Arbeiten
Workshops mit Inhalten, die in den anderen Unterrichtsformen nicht bzw. nur
begrenzt vermittelbar sind:
- Studiopraxis
- Exkursionen zu Tonstudios
- Besuch von Konzerten (möglichst inklusive Soundcheck)
- Bühnentraining
- Theorie
- Komposition
- Eartraining
- Improvisation
- etc.
Diese Workshops eignen sich auch für die schulübergreifende Zusammenarbeit und
den Einsatz von GastdozentInnen.
Kombinierter Unterricht ist vor allem bei Improvisation oder Harmonielehre
zielführend.
8. Übeformen/Übepraxis
Es gilt, die SchülerInnen zu einem effizienten, spannenden und motivierenden Üben
hinzuführen.
Das regelmäßige Üben sollte durch Zielvorgaben (schriftliche Aufgabenstellung), die
im Unterricht durch individuell abgestimmte Übeformen und -sequenzen erläutert
und erarbeitet werden, möglich sein. Das gemeinsame Erstellen eines individuellen
Übeplanes stellt einen wesentlichen Unterrichtsinhalt dar. Zeitaufzeichnungen
("Übetagebuch") der SchülerInnen über ihre Übegewohnheiten werden empfohlen und
dienen den LehrerInnen und SchülerInnen als wichtige Informationsquelle über das
Überverhalten.
In der Übepraxis gelten als wichtige technische Hilfsmittel, um zu einem inneren Puls
und zu einem inneren Erleben von musikalischen Formen und Perioden hinzuführen:
- Drumcomputer
- Metronom
- Loopmachines
- Play along-CDs
- Midifiles
- Sequenzing
- etc.
Über die Verwendung des Metronoms gibt es in der Fachwelt unterschiedliche
Ansichten. Ziel sollte sein, die SchülerInnen zum Erfühlen des inneren Pulses
hinzuführen. Nach und nach sollte dann das Metronom hinzugezogen werden.
Auswendiglernen und Auswendigspiel (Songformen, Themen, Basslines, Soli, Etüden
etc.) sind ein unverzichtbarer Weg zur Aneignung des musikalischen Vokabulars.
Vor allem technische Übungen wie Skalen und Arppegios, aber auch Grooves kann
man teilweise auch in der Gruppe gut üben (Nachahmungseffekte, lernen von den
„Besseren“ etc.).
Durch Imitation der Lehrkraft und wichtiger musikalischer Vorbilder, durch Vor- und
Nachspiel, „call-response“, Transkription, Transposition sowie die Beschäftigung mit
Texten (auch bei Instrumentalmusik) werden auf der nonverbalen Ebene zentrale, für
die JPR-Musik wichtige Fähigkeiten der SchülerInnen ausgebildet. Mit Hilfe von
mentalem Training können bestimmte Aufgabenstellungen ökonomischer bewältigt
werden.
Eine besondere Problematik stellt das Üben mit der Band dar (Proberaumproblematik).
- Virtuell Classroom mit Downloads für Noten, Übeplaybacks
- Video-Workshops
9. Einbeziehung und Mitarbeit der Eltern
Die Anteilnahme der Eltern am Lernprozess der SchülerInnen ist von großer
Bedeutung. Eltern sollten in einem regelmäßigen persönlichen Kontakt zur
Musikschule über deren Aktivitäten informiert werden. Bereits im Elternhaus kann
durch das regelmäßige Hören von Musik aus dem JPR-Bereich ein wichtiges
Fundament für angehende E-BassistInnen geschaffen werden. In den Hilfestellungen
für die Eltern, die sich Zuhause mit ihren Kindern mit Musik beschäftigen können,
steckt ein großes Potential, um den Unterricht effizienter zu gestalten.
Eltern sollten:
- den SchülerInnen das Gefühl geben, dass sie ihre Ambitionen wertschätzen und unterstützen, auch wenn ihnen die gewählte Musik nicht gefällt (Heavy Metal etc.)
- Schulkonzerte besuchen
- den SchülerInnen Konzertbesuche ermöglichen
- Freiraum zum Üben lassen
- musikbezogene Ambitionen der SchülerInnen unterstützen
10. Vorbereitung und Nachbereitung des Unterrichts
In der langfristigen Planung setzen sich die LehrerInnen mit den grundsätzlichen
Lernzielen auseinander, die sich im Detail auf die Vereinbarung mit den SchülerInnen
gründen. In der kurzfristigen Unterrichtsplanung wird die Lehrkraft auf aktuelle
Bedürfnisse und Erfordernisse Rücksicht nehmen und situationsbezogen auf die
SchülerInnen reagieren. Durch die Nachbereitung hat die Lehrkraft die Möglichkeit,
den Entwicklungsverlauf zu verfolgen. Eine gute Dokumentation (auch mit
Aufnahmen) wirkt sich positiv auf die weitere Planung des Unterrichts aus.
Vorbereitung:
- Da ein großer Teil der Literatur nicht in gedruckter Form vorliegt (vor allem
Original-Basslinien), stellt die Transkription einen Bestandteil der
Unterrichtsvorbereitung und des Unterrichts dar. Beim Kauf verlegter
Transkriptionen sollte die Lehrkraft beraten.
- Gegebenenfalls sind Basslinien und Findersätze der Handspanne und dem Entwicklungsstand der SchülerInnen anzupassen, um diese nicht zu überfordern.
- Erstellung von Play along-CDs
- Literaturauswahl
Nachbereitung:
- Klassenkatalog
- Evaluierung
Es gibt eine Vielzahl von Schulen, Methoden und Etüdenheften mit unterschiedlichen
musikalisch-technisch-inhaltlichen Schwerpunktsetzungen. Die meisten Lehrwerke
spiegeln jedoch – abgesehen von neutralen Inhalten wie Arpeggios, Skalen, Patterns
etc. – vor allem Persönlichkeit und Stil der jeweiligen VerfasserInnen wider. Die
LehrerInnen müssen daher methodische Lücken in den bestehenden Lehrwerken
füllen, Handouts erstellen und Übungen verfassen, die den musikalischen und
technischen Fortschritt der SchülerInnen fördern.
11. Lernziele/Bildungsziele (nach Entwicklungsstufen/Leistungsstufen)
Die SchülerInnen sollen durch ein stilistisch und historisch breit gefächertes
Bildungsangebot mit der Musik des JPR umfassend vertraut gemacht werden. Oberstes
Ziel ist die Erlangung von Eigenständigkeit in der Erarbeitung von ausgewählten
Stücken und Programmen unterschiedlicher Stile. Dies setzt umfassende Kenntnisse
der angewandten Musiktheorie in Verbindung mit einem persönlich ausgeprägten
ästhetischen Sinn und die Fähigkeit zur stilistischen Differenzierung ebenso voraus
wie die Aneignung der entsprechenden basstechnischen Fertigkeiten. Um diesem
Anspruch in einem größtmöglichen Maß gerecht zu werden, sollte den SchülerInnen
genügend Zeit in ihrer Ausbildung eingeräumt werden.
Beim Entwickeln von Fähigkeiten in der Improvisation in den unterschiedlichen Stilen
des JPR bedient man sich einer gemeinsamen Sprache über das musikalische Material.
Die Angewandte Theorie ist ein Anspruch an die Hauptfachlehrkräfte, die diese Inhalte
in die instrumental-pädagogische Arbeit integrieren sollten. Im Ergänzungsfach JPRTheorie
kann durch ein im Instrumentalunterricht herangebildetes Wissen effizienter
gearbeitet werden. Zusammenhänge von Theorie und Musik können deutlicher
aufgezeigt und erkannt werden.
Im Besonderen soll erreicht werden:
- Stilsichere und technisch kompetente Phrasierung
- Sicheres Timing und rhythmische Unabhängigkeit, Groove
- Richtiges Rollenverständnis, Funktion und Ästhetik in jeder Spielsituation
- Entwickeltes Formgefühl und Bewusstsein für musikalische Abläufe
- Standardrepertoire
- Instrumententypische Patterns und Linien
- Am Instrument verinnerlichte theoretische Grundlagen
- Stilvielfalt und Stilsicherheit, Improvisation, Blattlesen, interaktives Spiel
- Förderung eines eigenständigen „Sounds“
- Hohe Anpassungsfähigkeit und Teamgeist
Die Lern- und Bildungsziele sind in den Bundesländern unterschiedlich definiert. Dies
ist auch bedingt durch die unterschiedlichen Strukturen der Landesmusikschulwerke
und wie JPR-Unterricht bis jetzt positioniert wurde. Auch in den Schülerstrukturen
unterscheiden sich die Bundesländer teilweise sehr deutlich.
Elementarstufe
Beginnend – eventuell nach der Elementaren Musikpädagogik (MFE, MGA) – mit dem
Hauptfachunterricht und einem ergänzendem Ensembleunterricht bis zum ca. 11. oder
12. Lebensjahr. Die Elementarstufe spielt aus den in Punkt 3 genannten Gründen eine
untergeordnete Rolle.
Unterstufe
Eignung für Pop- und Rockbands
- Wechselschlag – Vermittlung der grundlegenden Spieltechnik
- Notenlesen in den ersten 2 Lagen
- Spielen nach Akkordsymbolen
- Dur- und Moll-Tonleitern
- Dur- und Moll-Pentatonik
- Rhythmische Grundlagen (binär und ternär)
- Bass-Schlagzeug-Beziehung
Mittelstufe
Es sollte ein Niveau erreicht werden können, welches den Aufnahmekriterien für
Musikuniversitäten oder Konservatorien entspricht:
- Entwicklung von Stilsicherheit
- Notenlesen bis in hohe Lagen
- Artikulation
- Kirchentonarten
- Melodisch Moll
- Kennenlernen der symmetrischen Skalen
- 4-Klänge und Erweiterungen
- Erweiterte Spieltechniken (slapping, tapping etc.)
- Odd-Meters
- Improvisation
Oberstufe
Spezialisierung, fortgeschrittene Techniken
- Wahl eines Spezialgebiets durch die SchülerInnen
- Vertiefung der harmonischen, rhythmischen und stilistischen Kenntnisse
12. Empfehlungen für Übertrittsprüfungen
Es gibt in den Bundesländern bereist bewährte Modelle zum Lernerfolgsnachweis, die
sich an den landestypischen Strukturen orientieren. Zur Orientierung ist hier Modell
angeführt.
Für alle Lernerfolgsnachweise gilt:
- Die Prüfungsprogramme orientieren sich nicht an vorgeschriebener Literatur (Prüfungsstücken), sondern an Inhalten (Stücke unter Verwendung der Hauptstufen, offene Griffe, Barré-Griffe etc.).
- Eigene Kompositionen der SchülerInnen werden akzeptiert und sind erwünscht.
- Projektarbeiten (z.B. gemeinsame CD, Live-DVD) können Teil der Prüfung sein.
- Übertrittsprüfungen in Form von Konzerten werden bevorzugt.
1. Übertrittsprüfung
- Dur- und Moll-Tonleitern in allen Tonarten
- Pentatonik (Dur und Moll)
- Bluesskalen
- Zwei verschiedene Stücke in beliebigen Stilen mit Ensemble
- Lead sheet vom Blatt lesen und spielen
2. Übertrittsprüfung
- Spielen der Kirchentonarten
- Kenntnis der Modes von melodisch Moll und der symmetrischen Skalen
- Vierklänge mit Erweiterungen
- Erkennen der verschiedenen Klangflächen und Improvisation über dieselben
- Zwei verschiedene Stücke in unterschiedlichen Stilen inklusive Improvisation mit Ensemble
Abschlussprüfung
- Die Abschlussprüfung sollte in Form eines Konzerts, das von den SchülerInnen selbst organisiert wird, stattfinden mit einem thematischen Schwerpunkt (Latin, Jazz, Afro, Funk, Soul etc.)
Siehe auch den Text JPR allgemein zur Theorie im Bereich Jazz/Pop/Rock.
13. Besondere Hinweise zum „frühinstrumentalen Unterricht“ und zum Unterricht mit
„jugendlichen und erwachsenen AnfängerInnen“
Kinder sind auf der intellektuellen Ebene oft schwer erreichbar. Die Arbeit hin zur
Erlangung einer Vorstellung von Musik ist im frühinstrumentalen Unterricht ein
wichtiges Kriterium. Der Unterricht sollte inhaltlich breit, möglichst praxisorientiert –
durch das Tun – und abwechslungsreich gestaltet werden. Die Vorzüge der
Gruppenarbeit sind in der Arbeit mit Kindern verstärkt zu nutzen.
Die Eltern sollten auf das Angebot an Kinderinstrumenten hingewiesen werden. In der
Unterrichtspraxis sind körperliche Gegebenheiten der Kinder im Bezug auf Haltung
und Technik zu beachten.
Jugendliche brauchen oft Orientierungshilfen für die Positionierung der Musik in
ihrem Leben. Sie kommen oft mit einer stark von augenblicklichen, kurzlebigen Trends
geprägten Vorstellung über Musik in die Musikschule und fühlen sich vom JPRAngebot
angezogen. Unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Vorlieben sollten sie
dort eine Betreuung vorfinden, mit derer Hilfe sie ihren musikalischen Horizont
erweitern können.
Erwachsene haben meist eine sehr konkrete Vorstellung von dem, was die
Musikschule für sie leisten soll. In der Vermittlung der Musik kommt bei Erwachsenen
die intellektuelle Ebene stärker zum Tragen. Ab einem gewissen Alter sind die
motorisch-musikalischen Reflexe und Bewegungsabläufe meist langwieriger und
E-Bass/Jazz-Kotrabass 2007-06 Seite 15 von 17
schwerer zu schulen. Mit viel Geduld und Fleiß können aber beachtliche Erfolge erzielt
werden.
14. Hinweise zum Unterricht mit „Menschen mit Behinderungen“
In diesem Bereich sollten Lehrkräfte miteinbezogen werden, die bereits im Bereich der
Musikpädagogik mit Menschen mit Behinderungen Erfahrung haben bzw. solche mit
einer entsprechenden Ausbildung.
15. Instrumentenkundliches (Sonderformen, Pflege, Kauf, ...)
Eine Beratung durch die Lehrkraft beim Instrumentenkauf (Qualitätskriterien, Größe,
und Preislage) ist wünschenswert.
E-Bass
- Die Anschaffung eines „Long-scale“-Instruments (Mensurlänge 34 Zoll) wird empfohlen.
- In den meisten gängigen Musikstilen ist ein zumindest 5-saitiges Instrument
erforderlich, wobei auch 3-saitige oder bis zu 11-saitige Bässe zu finden sind. In
vielen Rocksongs findet man 4- oder 5-saitige Bässe mit je einer oder zwei
Oktavsaiten, die einen besonders vollen Klang erzeugen, aber in ihrer Spielbarkeit
etwas begrenzt sind.
- Weiters ist zu entscheiden, ob ein aktives (mit integriertem Vorverstärker) oder passives Instrument, eines mit Bünden oder ein bundloses, angeschafft werden soll.
- E-Bässe gibt es in so gut wie jeder Preiskategorie, wobei von sogenannten „Einsteigersets“ abzuraten ist, da die Qualität meistens nicht den Ansprüchen genügt.
- Bei den Hinweisen zur Pflege gelten sinngemäß die gleichen Empfehlungen wie beim Jazz-Kontrabass.
Jazz-Kontrabass
Die Wahl der Saiten ist je nach Klangeigenschaften des Instruments, den physischen
Voraussetzungen der SchülerInnen und nach der Frage, ob der Kontrabass auch
klassisch (Arco) gespielt werden sollte, zu entscheiden.
Darmsaiten sind für AnfängerInnen nicht unbedingt zu empfehlen (Halten der
Stimmung, Flageoletts, Intonationsprobleme etc.).
Hinweise zur Pflege:
- Wie pflege ich das Holz und die Saiten?
- Wie gut gepolstert muss die Hülle sein?
- Luftfeuchtigkeit
- Reinigung des Griffbrettes
- Abziehen des Griffbrettes von Zeit zu Zeit
- Qualität von Bogens und Behaarung, Kolophonium
- Hilfestellung bei der Wahl von Tonabnehmer, Micro, Kabel, Verstärker, Effektgeräten etc.
16. Fachspezifische Besonderheiten
Beide Instrumente können aufgrund der korrelierenden Inhalte von derselben
Lehrkraft unterrichtet werden. Problematisch ist allerdings, wenn GitarristInnen mit
geringen E-Bass-Kenntnissen E-Bass unterrichten.
Bedingt durch die Improvisation ist die Positionierung der Angewandten Theorie eine
Besonderheit. Die Musiktheorie des JPR steht für die improvisierenden MusikerInnen
stets im Zentrum der Beschäftigung mit ihrem Instrument. Sie müssen theoretisch
erklärtes Material praktisch auf ihrem Instrument umsetzen und mit Hilfe des
Gestaltungswerkzeuges Theorie schlüssige Strukturen unmittelbar formen. Sie bedienen
sich der musiktheoretischen Kenntnisse bei der Analyse des musikalischen Materials,
welche eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Begabungen in der
Improvisation ist.
Warum eine melodische, harmonische oder rhythmische Wendung besser klingt oder
gefällt, unterliegt rein ästhetischen Kriterien. Man bedient sich jedoch bei ästhetischen
Entscheidungen meist musiktheoretischer Begriffe. Die Theorie ist unabhängig vom
Stil der gespielten Musik eine nicht wegdenkbare Gestaltungsvoraussetzung im JPR.
Sie ist somit fixer Bestandteil der allgemeinen Sprache über die Musik. Der
musikalische Prozessablauf in der Spielsituation ist ein permanentes Nehmen und
Geben.
1. Hören – Ein aktives Aufnehmen von Information, die relative Tonhöhenerkennung
sowie die Erfassung von Form, Rhythmen und Akkordqualitäten.
2. Reflexion – Dieser Schritt stützt sich bereits auf musiktheoretische Erfahrungen, die
mit dem Gehörten in Verbindung bzw. Beziehung gesetzt werden.
3. Reaktion – Dieser dritte Schritt ist die aktive Gestaltung. Die MusikerInnen
reagieren auf das Gehörte in Form einer musikalischen Aussage. Hier ist die Theorie
ein unmittelbares Gestaltungswerkzeug für die Umsetzung von spontanen Ideen.
Musikalische Praxis
Auftrittsmöglichkeiten einer Klasse sollten gemeinsam mit den SchülerInnen
erarbeitet werden. Audio- und Videomaterial kann zu Aufarbeitung der eigenen
Probenarbeit und Konzerttätigkeit herangezogen werden. In Feedbackrunden können
die SchülerInnen – im Beisein (unter Moderation) der Lehrkraft – einander
Rückmeldungen geben.
Gemeinsame Konzertbesuche fördern die Kritikfähigkeit.
Auftrittscoaching
Die musikalische Kommunikation und Interaktion mit MitmusikerInnen und
Publikum, Wachsamkeit, Bühnenpräsenz und positive Einstellung beim Auftritt und
die psychologische Einstimmung auf das einmalige Erlebnis des Auftritts sollten geübt
werden.
Technisches Umfeld, Studiotechnik
Der sichere Umgang mit dem Equipment auf der Bühne, im Studio und Zuhause sollte
gelernt werden.
Kritikfähigkeit
Die (verbale) Kommunikation mit MitmusikerInnen ist für das gemeinsame
musikalische Erarbeiten von Inhalten in Bands unumgänglich. Fragen wie: „Wie kann
Kritik formuliert werden?“ bzw. „Wie kann Kritik verarbeitet werden?“ sind für das
selbstständige Arbeiten in Ensembles von großer Wichtigkeit.
Körpersprache
Die Wirkung auf der Bühne (das Zeigen der Freude am Spielen, das Ausstrahlen
innerer Offenheit, ein kreativer Umgang mit „Fehlern“ etc.) kann durch
Videoaufnahmen und Feedbackgespräche erlernt und verbessert werden.
Musik- und Selbstmanagement
Die folgenden Fragen (Grundlagen des Musikmanagements) können auch im
Unterricht beantwortet werden:
- „Wie und wo finde ich passende Mitmusiker für eine Band?“
- „Was mache ich, wenn in der Band etwas musikalisch oder persönlich nicht klappt?“
- „Wie mache ich eine eigene CD oder Demo-CD?“
- „Wie bewerbe ich einen Auftritt?“
Verlockenden Werbestrategien, die großen Erfolg innerhalb kürzester Zeit
versprechen, muss mit didaktischer Behutsamkeit gegenübergetreten werden.