Fachspezifischer Teil - Blockflöte
1. Repertoire – inhaltliche Breite
Das Repertoire für Blockflöte reicht vom Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert. Der
Schwerpunkt der Literatur liegt in der Renaissance, im Barock und im 20. und 21.
Jahrhundert. Es gibt zahlreiche Originalliteratur, Bearbeitungen und Arrangements für
Blockflöte.
- Mittelalter
- Renaissance
- Frühbarock
- Hochbarock
- Spätbarock
- Klassik, Romantik (Arrangements, Musik für Csakan)
- Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, Zeitgenössische Musik
- Volksmusik und Musik anderer Kulturen
- Jazz und Popularmusik
- Improvisation und Eigenkompositionen
- Blockflöten mit elektronischen, audiovisuellen Medien
2. Musizierformen
Blockflöte wird in verschiedenen Besetzungen gespielt:
- Solo
- Duo
- Blockflötenensemble (Blockflötentrio, Blockflötenquartett usw.)
- Blockflötenkammermusik (Blockflöte mit anderen Instrumenten oder Gesang/Chor), eine oder mehrere Blockflöten mit B.C. (Akkord- und/oder Bassinstrument) etc.
- Blockflötenkonzerte (eine oder mehrere Blockflöten mit Orchesterbegleitung)
- Blockflötenorchester, Blockflötenchor
- Blockflöte mit elektronischen, audiovisuellen Medien
- Blockflöte mit Begleit-CD (Play along-CD)
3. Eignung, Lernvoraussetzungen
Mit dem Blockflötenunterricht kann ab der 1. Schulstufe begonnen werden. In
Ausnahmefällen ist ein früherer Beginn möglich, wobei über die Eignung für das
Instrument Blockflöte in einem Gespräch der Lehrkraft mit Eltern und SchülerInnen
entscheiden werden sollte.
- Die SchülerInnen sollten Interesse am Instrument haben und die Bereitschaft für
tägliches und regelmäßiges Üben sowie die nötige Konzentration aufbringen
können. Eine gute Beratung der SchülerInnen und Eltern durch die
Blockflötenlehrkräfte sollte hier eine gute Ausgangssituation schaffen und helfen,
falsche Erwartungshaltungen auf beiden Seiten zu vermeiden.
- Grundlegende feinmotorische Fähigkeiten sollten vorhanden sein.
- Eine musikalische „Vorbildung“ in Form von Musikalischer Früherziehung oder
Musikalischer Grundausbildung wäre wünschenswert (Sensibilisierung in
Rhythmik, Wahrnehmung).
4. Ganzheitliche Pädagogik
Die Förderung der Gesamtpersönlichkeit der SchülerInnen, der emotionalen
Ausdrucksfähigkeit und der Wahrnehmung sowie die Einbeziehung der persönlichen,
individuellen und sozialen Situation der SchülerInnen sind wichtige Ansatzpunkte für
den Unterricht.
Auf die Vermittlung von sozialen und kommunikativen Kompetenzen ist im
Unterricht Rücksicht zu nehmen. Die SchülerInnen sollten in Richtung
Selbstständigkeit und Selbstreflexion unterstützt werden.
Lernen mit allen Sinnen – Körper, Geist und Seele
- Rhythmische Schulung mittels Percussion, Bodypercussion, Vocalpercussion etc.
- Elemente aus der Elementaren Musikpädagogik (EMP)
- Tanz und Bewegung: Umsetzen von Musik in Bewegung, Volkstänze, Kennenlernen von historischen Tänzen
- Malen – Klangbilder erstellen und danach spielen
- Klanggeschichten
- Singen
- Vorspielen – Nachspielen
- Feinmotorische Übungen (Fingerspiele)
- Koordinationsübungen
- Musikkunde und Gehörbildung: Notenlehre, Musikgeschichte, Instrumentenkunde, Intonation, Dynamik, Tonsatz, Akustik
- Erziehung zum aktiven Hören – nicht nur im Unterricht, sondern auch durch Konzertbesuche, Aufnahmen anhören etc.
5. Körper und Instrument, Technik
Ein bewusster Umgang mit dem Körper in Verbindung mit dem Instrument trägt zur
Unterstützung der musikalischen Präsenz und der Bühnenpräsenz bei.
- Ausbalancierte Körperhaltung im Sitzen und Stehen
- Optimale Handhaltung (Ausgleichsübungen, verschiedene Spielpositionen, Achten auf Haltungsschäden, z.B. beim Spiel von tiefen Tönen oder bei Fehlsichtigkeit)
- Fingertechnik (Finden einer ökonomischen Fingergrundhaltung, Reaktionsfähigkeit und Koordination der Finger)
- Atemtechnik und Tonbildung (vom natürlichen Atemrhythmus zur bewussten Steuerung der Atmung)
- Tonqualität, flexible Klanggestaltung (Intonation, Dynamik, Vibrato, Klangfarbe)
- Zungentechnik, Artikulation, Koordination von Finger und Zunge
- Vielfältiges Erproben und bewusste Anwendung unterschiedlicher Artikulationsweisen im jeweiligen musikalischen Kontext
- Historische und moderne Spieltechniken
6. Kultur-, musikhistorisches und musikkundliches Wissen
Musikgeschichtliches und historischesWissen sowie kulturelle Querverbindungen
sind mit der Blockflöte und der gespielten Literatur in Zusammenhang zu bringen.
Einerseits sollte das Wissen aus der Musikkunde am eigenen Instrument umgesetzt
werden und andererseits die Musikkunde an Hand der gespielten Literatur erfahrbar
gemacht werden.
Die SchülerInnen sollten dazu ermutigt werden, etwas über ihr Instrument in
Erfahrung zu bringen, z.B. über das Internet oder mittels Lexika.
Die Geschichte, der Bau der Blockflötenfamilie und die Entwicklung des Instrumentes
sowie der historische Hintergrund sollten erklärt und anhand der spezifischen
Literatur vermittelt werden.
Hilfreich bei der praktischen Umsetzung können sein:
- Arrangements aus blockflötenfremder Literatur
- Öffentlichkeitsarbeit – z.B. eine ansprechende Präsentation der Blockflötenfamilie und ihrer Literatur
7. Lebendiger Unterricht und vielfältige Unterrichtsformen
Einzel-, Partner-, Gruppen-, Ensemble- und Klassenunterricht
Methodische Flexibilität bezieht sich auch auf Unterrichtsformen – diese sind weder
grundsätzlich gut noch schlecht, sondern lediglich danach zu beurteilen, ob sie in
Bezug auf die definierten Intentionen und die anstehenden Inhalte zielführend sind.
Auch wenn zunehmend neue Unterrichtsformen den traditionellen Einzelunterricht
ergänzen: Eine wichtige Quelle positiver persönlicher und musikalischer Entwicklung
der SchülerInnen an einer Musikschule ist eine persönliche, vertrauensvolle und
beständige Beziehung zu ihren LehrerInnen.
Der Blockflötenunterricht findet in Einzel-, Partner- und Kleingruppenunterricht (3 bis
4 Schüler) statt. Die Entscheidung über Gruppengröße und Zusammenstellung sollte
von der Lehrkraft nach pädagogischen Gesichtspunkten erfolgen. Die angestrebten
Bildungsziele sind ab der Mittelstufe am besten im Einzelunterricht zu erreichen.
Das Ensemblespiel ist in allen Leistungsstufen ein wesentlicher Bestandteil des
Unterrichts und der Ausbildung. Ab der Mittelstufe sollte der Einzelunterricht
möglichst wöchentlich durch das Fach Ensemblespiel oder Kammermusik ergänzt
werden.
Ein Großgruppenunterricht (Kursunterricht, Klassenunterricht) sollte nur äußerst
eingeschränkt und unter besonderen Voraussetzungen durchgeführt werden: z.B.
Musikalische Grundausbildung oder ganzheitliches Musizieren mit Schwerpunkt
Blockflöte. Beim Großgruppenunterricht ist die entsprechende Ausbildung und die
Bereitschaft der Lehrkraft wichtig.
Projektunterricht und Workshops mit thematischen Schwerpunkten, Exkursionen,
Austauschprogramme, Werkstattkonzerte und Konzertbesuche können eine
Bereicherung des wöchentlichen Unterrichts darstellen.
Es gibt viele Möglichkeiten, sich den Unterrichtsthemen von unterschiedlichen Seiten
anzunähern und so den Unterricht lebendig zu gestalten:
- Die Kenntnis und Anwendung vieler unterschiedlicher methodischer und didaktischer Lösungsansätze
- Eine bildhafte Sprache
- Ein Rollentausch LehrerIn – SchülerIn
- Ein humorvoller, einfühlsamer Umgang mit den SchülerInnen, der Platz bietet für Selbstkritik und Selbstreflexion
- Das gemeinsame Musizieren von SchülerInnen und LehrerInnen
- Abwechslungsreiche Unterrichtsliteratur
- Verschiedene Musizierformen
- Simultanunterricht
- Teamteaching
8. Übeformen/Übepraxis
- Es sollte ein geeigneter Platz zum Üben geschaffen werden:
- Notenständer
- Licht
- Aufbewahrungsort für das Instrument
- Utensilien sollen griffbereit sein
- Ruhe beim Üben
- Motivation zum täglichen Üben geben, z.B. durch aktives Musik hören, gemeinsames Prima vista-Spiel, Play alongs
- Anregung zum Miteinander Üben geben
- Das Erstellen eines Übeplans bzw. das Führen eines Übetagebuchs ist von Vorteil.
- Die Hausübung sollte vor allem am Anfang im Umfang gering sowie klar und übersichtlich sein. (Kurze Sequenzen)
- Vermittlung von verschiedenen Übetechniken im Unterricht, Übevarianten zeigen, schwierige Stellen im Unterricht mit den SchülerInnen durcharbeiten
- Kurzzeitziele (was passiert in den nächsten Minuten bzw. in dieser Unterrichtsstunde), mittelfristige Ziele (was passiert bis zum nächsten Vorspiel) und Langzeitziele (was will man überhaupt mit dem Instrument) definieren
- Mentales Üben
9. Einbeziehung und Mitarbeit der Eltern
Eine finanzielle Ermöglichung des Unterrichts, des Ankaufs von Instrument(en),
Notenmaterial und Zubehör durch die Eltern ist bei Kindern und jugendlichen
AnfängerInnen notwendig. Eine Information und Beratung durch die LehrerInnen
über Instrumentenkauf und Instrumentenpflege sollte dem Unterricht vorangehen.
- Wichtig ist die positive Einstellung, Aufmerksamkeit und Wertschätzung der Eltern und ein aktives Interesse an den Lernfortschritten der Kinder.
- Die allgemeine persönlichkeitsfördernde Wirkung des Musizierens soll den Eltern vermittelt werden. (siehe auch allgemein pädagogisch-didaktisch-psychologischer Teil)
- Die Lehr- und Lernziele des Blockflötenunterrichts sollten mit den Eltern besprochen werden.
- Bei jungen AnfängerInnen ist die Unterstützung der Eltern zu Hause wichtig. Die
Eltern sollen von der Lehrkraft über das Üben informiert werden (wie, wann, wo,
warum) und ihren Kindern Hilfestellungen beim Üben geben (Erinnerung ans
Üben, eventuell miteinander musizieren, Zuhören beim Üben oder ein „Konzert zu
Hause“).
- Die Eltern sollten die Veranstaltungen der Musikschule und andere kulturelle Veranstaltungen im Umfeld besuchen.
- Eine Unterstützung seitens der Eltern ist außerdem auch bei zusätzlichen Terminen und Sonderveranstaltungen notwendig. (z.B. Ensemblespiel, Konzerte, Wettbewerbe)
Möglichkeiten für das Vermitteln dieser Informationen bieten:
- Elternabende
- Elterngespräche
- Konzerte
- Anwesenheit der Eltern im Unterricht
- Mitlernen der Eltern
- Gemeinsames Musizieren (z.B. Familienmusik, Lieder begleiten, Volksmusik)
10. Vorbereitung und Nachbereitung des Unterrichts
Vor- und Nachbereitung des Unterrichts durch die LehrerInnen:
- Unterricht/Stundenablauf planen
- Noten/Literatur auswählen, arrangieren
- Literaturkenntnisse erweitern, eigenes Üben und Weiterbildung
- Spezifische/Individuelle Lernziele für die SchülerInnen erstellen und dabei deren Wünsche berücksichtigen
- Übungen (technische, Atemübungen etc.) für die SchülerInnen speziell/individuell auswählen, ausdenken, aufschreiben
- Ganzheitliches Konzept – Spiele für verschiedene Lernziele entwickeln
- Konzerte, Themenkonzerte/Projekte planen
- Ensemblespiel und Kammermusik organisieren (LehrerInnen, SchülerInnen, Termine, Noten, Raum etc.)
- Elternkontakte pflegen
- Reflexion
11. Lernziele/Bildungsziele (nach Entwicklungsstufen/Leistungsstufen)
Das Vermitteln von Freude an der Musik und am Musizieren als Bereicherung des
Lebens zu erfahren sollten vorrangige Ziele jeder Ausbildung an einer Musikschule
sein.
Die Rahmenbedingungen für den Unterricht sind in den einzelnen Bundesländern
unterschiedlich und variieren auch innerhalb eines Bundeslandes von Musikschule zu
Musikschule. Das betrifft z.B. das Einstiegsalter, die Unterrichtsformen (Einzel -,
Partner- oder Gruppenunterricht), die Länge der Unterrichtseinheiten, die Anzahl der
Unterrichtsstunden pro Woche sowie Ergänzungsfächer und das Vorhandensein von
musikschuleigenen Blockflöten unterschiedlicher Größen. Es gibt daher Österreichweit
unterschiedliche Curricula, was sich sowohl im Aufbau der Leistungsstufen (Anzahl,
Länge) als auch in den dabei vorgesehenen Lern- und Lehrzielen sowie in den
Prüfungsordnungen zeigt.
Der folgende exemplarische Lehrplan kann zur Orientierung dienen.
Elementarstufe
In der Elementarstufe sollen musikalische Grundfertigkeiten und Basiswissen
erworben werden. Sie kann auch unterschiedliche Voraussetzungen und ein
unterschiedliches Einstiegsalter ausgleichen.
- Anknüpfung an die Elementare Musikpädagogik (Musikalische Früherziehung, Musikalische Grundausbildung etc.)
- Richtige Körperhaltung im Sitzen und Stehen als Voraussetzung für gute Atemführung
- Finger- und Zungentechnik in kindgerechter Form
- Elementare Spieltechniken und Basis für Rhythmik, Melodik und Klang
- Atmung und Tonbildung, Artikulation
- Notenlesen
- Spiel nach Gehör, Frage-Antwort-Spiele, Geschichten spielen, freies Spiel und Improvisation
- Spiel in der Gruppe und gemeinsames Musizieren
Unterstufe
Die Unterstufe dauert in der Regel 4 Jahre. Aufgrund der gewählten Unterrichtsform
und bei fehlender Elementarstufe kann sich die Lernzeit in der Unterstufe auf circa 6
Jahre ausdehnen.
Die erste Übertrittsprüfung sollte nicht vor dem 12. Lebensjahr stattfinden. Zur
entsprechenden Vorbereitung der 1. Übertrittsprüfung sollte nach Möglichkeit
Einzelunterricht angeboten werden. In den ersten Jahren werden die instrumentalen
Grundlagen für eine technische und musikalische Wiedergabe von einfacher Literatur
gelegt.
Technische Anforderungen:
- Richtige Körperhaltung im Sitzen und Stehen als Voraussetzung für gute Atemführung, Finger- und Zungentechnik
- Atmung und Tonbildung:
Die Blockflöte ist – nur mit Ausnahme des Singens – das Instrument mit der
direktesten Fortführung des Atems und daher „intim“ und „persönlich“ wie kein
anderes. Mit dem körperlichen und geistigen Wachsen und Reifen der SchülerInnen
muss auch dem Atem immer wieder neu nachgespürt werden.
- Natürliche Atemführung (langer Atemstrom, Bauchatmung)
- Erreichen eines geraden Tones
- Einhaltung der zunächst von der Lehrkraft vorgegebenen Atemzeichen
- In weiterer Folge das Erkennen musikalischer Phrasen und selbstständiges Setzen von Atemzeichen
- Anstreben einer sauberen Intonation von Beginn an
- Artikulation:
- Kennenlernen der grundlegenden Artikulationsarten (t, d) und deren Anwendung
- Staccato, portato, Zungenlegato, legato
- Fingertechnik:
- Anstreben einer ausgewogenen, den SchülerInnen und dem Instrument gerecht werdenden,
entspannten Haltung der Blockflöte, um eine gute Fingertechnik zu gewährleisten
- Bewusstmachen von Bewegungsabläufen
- Auf saubere Griffverbindungen und Koordination von Fingern und Zunge ist zu achten
- Daumentechnik (Überblasen)
- Erlernen einfacher Hilfsgriffe (z.B. bei Trillern)
- Tonraum:
- Sopranblockflöte c2 bis a3 (klingend)
- Altblockflöte f1 bis d3
- Tonleiter und Dreiklangszerlegungen in Dur und Moll bis drei Vorzeichen.
Wichtig wäre es, Tonleitern nicht nur trocken abzuspielen, sondern diese in
kleine Bildgeschichten zu verpacken und andere technische Aspekte wie
Artikulation etc. einzubeziehen.
- Moderne Spieltechniken:
- Schon in der ersten Unterrichtsstunde kann mit modernen Spieltechniken (z.B.
Flatterzunge, einfache Glissandi, Sputato, Geräusche etc.) – auch in Verbindung
mit grafischer Notation – begonnen werden.
Musikalische Anforderungen und Gestaltung:
- Entwicklung von Rhythmus- und Taktgefühl
- Phrasierung und elementare Agogik
- Schulung der musikalischen Ausdrucksfähigkeit
- Die Entwicklung von Tongestaltung und Klangfarbe mittels bewussten Einsatzes von Bildern unter Verwendung der eigenen Körperspannung (wie ein Mäuschen oder Elefant spielen etc.)
- Spiel einfacher Verzierungen (Vorschläge, Vorhalte, einfache Triller etc.) unter Verwendung von einfachen Hilfsgriffen
- Förderung des Auswendigspiels und einfacher Improvisation mit Anleitung durch die Lehrkraft
- Einfaches Blattspiel und Schulung des Gehörs
- Erfinden und Aufschreiben einfacher Melodien
Mittelstufe
Die Lerndauer in der Mittelstufe beträgt in der Regel 4 Jahre. Ergänzend zum
Unterricht sollte Blockflötenensemble angeboten werden. Fachübergreifendes
Musizieren ist zu fördern.
Alle SchülerInnen sollen spätestens ab der Mittelstufe die Möglichkeit haben,
Korrepetitionsstunden in Anspruch zu nehmen – wenn möglich dem jeweiligen Stil
entsprechend (z.B. Generalbassinstrumente wie Cembalo für Musik des Barock).
In der Mittelstufe sollen die SchülerInnen Tenor- und/oder Bassblockflöte spielen
lernen – eventuell auf Leihinstrumenten der Musikschule.
Technische Anforderungen:
- Atmung und Tonbildung:
- Anwendung bewusster und kontrollierter Zwerchfellatmung
- Gerader und gestaltungsfähiger Ton
- Artikulation:
- Bewusstmachen der Zungenfunktion
- Problemlose Anwendung der Grundartikulationsarten
- Training von Ausdauer und Gleichmäßigkeit der sogenannten einfachen Zunge
- Gleichzeitig Erarbeiten bzw. Kennenlernen verschiedener Doppelzungentechniken (t-k, d-g, t-r, d-dl etc.)
- Fingertechnik:
- Kontrollierte Bewegungsabläufe der Finger
- Koordination von Finger und Zunge auch in schnellen Passagen
- Perfektionierung der Daumentechnik
- Halblochtechnik für das 6. und 7. Loch
- Schwierigere Hilfsgriffe und Trillergriffe
- Tonraum:
- Sopranblockflöte c2 bis d4
- Altblockflöte f1 bis g3
- Tonarten: Dur- und Moll-Tonleiter und Dreiklangszerlegungen, chromatische Tonleiter
- Erlernen des Bassschlüssels
- Kenntnis und Anwendung von modernen Spieltechniken und Umsetzen der (grafischen) Notation
Musikalische Anforderungen und Gestaltung:
- Vorbereitung der SchülerInnen zum selbstständigen Erarbeiten und Interpretieren der Literatur
- Weitgehende Anregungen zum Ausdruck eigener Emotionen und zum ausdrucksvollen Spiel durch die Lehrkraft
- Weiterführen von Improvisationen, auch unter Vorgabe bestimmter Aufgabenstellungen
- Blattspiel und Auswendigspiel sind weiterhin Bestandteile des Unterrichts
- Verzierungen:
- Perfektionierung der bereits bekannter Verzierungen
- Einführung freier Verzierungen
- Erlernen schwieriger Hilfsgriffe
- Trillergriffe, Triller mit Nachschlägen etc.
- Die Charakteristik der verschiedenen Stile kennenlernen und erarbeiten. (z.B.
französische Stilmerkmale, italienischer Frühbarock, Mittelalter- und
Renaissancemusik, Jazz und Popularmusik)
Oberstufe
Die Lerndauer in der Oberstufe beträgt in der Regel 4 Jahre. Das Beherrschen von
Blockflöten verschiedener Größe (Tenor-, Bassblockflöte etc.) wird vorausgesetzt.
Die unterschiedlichen Bauweisen, Stimmungen und Klangfarben von Blockflöten sind
bestimmend für die stilistische Verwendung in der jeweiligen Epoche (z.B.
Renaissance-Flöten, tiefe Stimmung). Die SchülerInnen sollten darüber Bescheid
wissen und die Gelegenheit haben, unterschiedlich gebaute Blockflöten zu spielen. An
Blockflöte 2007-06 Seite 10 von 15
den Musikschulen sollten daher zusätzlich Renaissanceflöten für das Ensemblespiel
zur Verfügung stehen.
Technische Anforderungen:
- Atmung und Tonbildung:
Flexible und variable Tongestaltung mittels verschiedener Anblasarten, Vibrato
(Zwerchfell-Vibrato, Finger-Vibrato), Hilfsgriffe, Piano/Forte-Griffe etc.
- Artikulation:
Stilsicheres Anwenden der verschiedenen Zungentechniken (italienische
Artikulationssilben, französische Doppelzunge, Trippelzunge etc.)
- Tonraum:
Erweiterung des Tonumfanges auf der Blockflöte (gedackte Spieltechnik)
Musikalische Anforderungen und Gestaltung:
- Stilgerechtes Musizieren hinsichtlich Tongebung, Klangfarbe, Verzierungen etc. (Renaissance, Frühbarock, Hochbarock, französischer Hochbarock, zeitgenössische Musik etc.)
- Perfektionierung des Französischen Stils (Inégalité, Flattement, Verzierungen)
- Künstlerische Gestaltung: Selbstständiges Erfassen und Erarbeiten eines Werkes
- Förderung von Selbstorganisation und Management
- Kammermusik, Ensemblespiel
- Nach Möglichkeit Spiel eines Konzerts mit Orchester
12. Empfehlungen für Übertrittsprüfungen
Das positive Erlebnis für die SchülerInnen muss oberste Priorität haben, deshalb muss
unbedingt für eine gute Atmosphäre gesorgt werden. Die Prüfungen können auch im
Rahmen eines Konzertes abgehalten werden. Das Programm sollte zeitlich so
zusammengestellt werden, dass es vollständig vorgespielt werden kann.
Die Prüfungsordnungen sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich. (siehe
Einleitung zu Punkt 11)
Elemantarprüfung
Am Ende der Elementarstufe kann eine kleine Prüfung, eventuell im Rahmen eines
Vorspielabends oder Konzerts, stehen.
1. Übertrittsprüfung
(von der Unter- in die Mittelstufe)
Allgemeine Anforderungen und Bewertungskriterien:
- Prüfungszeit 15 Minuten, davon circa 10 Minuten Vorspielzeit
- Empfohlenes Mindestalter: 6. Schulstufe
- Rücksichtnahme auf die Unterrichtsform: Der Unterrichtsform entsprechend können einige der Stücke im Ensemble (auch Duo) gespielt werden.
- Die SchülerInnen sollten in der Lage sein, das Programm ihrer Entwicklung und Persönlichkeit gemäß musikalisch zu gestalten.
- Kreative Leistungen wie Eigenkompositionen und Improvisationen werden besonders bewertet, ebenso das Auswendigspiel.
Das Prüfungsprogramm, in dem sowohl Sopran- als auch Altblockflöte (oder auch
Sopranino) zum Einsatz kommen müssen, soll enthalten:
- Mindestens ein Solostück (dieses kann auch eine Etüde sein)
- Mindestens ein Stück mit Begleitung (z.B. mit Cembalo, Gitarre oder Klavier,
vorzugsweise von Schülern begleitet) oder ein Ensemblestück (auch Duobesetzung)
Dabei soll berücksichtigt werden, dass drei verschiedene Stile zu spielen sind, wobei
ein zeitgenössisches Stück Pflicht ist (vorzugsweise mit moderner Spieltechnik).
Weiters soll das Programm einen langsamen Satz für den musikalischen Ausdruck und
einen schnellen Satz für den motorischen Aspekt beinhalten.
2. Übertrittsprüfung
(von der Mittel- in die Oberstufe)
Allgemeine Anforderungen und Bewertungskriterien:
- Prüfungszeit 20 Minuten, davon circa 15 Minuten Vorspielzeit
- Rücksichtnahme auf die Unterrichtsform: Der Unterrichtsform entsprechend können einige der vorzutragenden Stücke im Ensemble (auch Duo) gespielt werden.
- Die SchülerInnen sollten in der Lage sein, das Programm ihrer Entwicklung und Persönlichkeit gemäß musikalisch zu gestalten und zeigen, dass sie die verschiedenen Stile der Blockflötenliteratur unterscheiden können.
- Kreative Leistungen wie Eigenkompositionen und Improvisationen werden besonders bewertet, ebenso das Auswendigspiel.
Das Prüfungsprogramm soll enthalten:
- Ein umfangreicheres Solostück (Solokomposition aus der alten Musik, ein zeitgenössisches Werk oder eine Konzertetüde)
- Mindestens eine Komposition mit Begleitung (z.B. mit Cembalo, Gitarre oder Klavier)
- Ein Ensemblestück
Dabei soll berücksichtigt werden, dass mindestens drei verschiedene Stile zu spielen
sind, wobei eine zeitgenössische Komposition (vorzugsweise mit modernen
Spieltechniken) und ein Werk aus der Barockzeit Pflicht sind.
Weiters soll das Programm zumindest einen langsamen Satz für den musikalischen
Ausdruck und einen schnellen Satz für den motorischen Aspekt beinhalten.
Abschlussprüfung
(am Ende der Oberstufe)
Allgemeine Anforderungen und Bewertungskriterien:
- Prüfungszeit 30 Minuten, davon circa 25 Minuten Vorspielzeit
- Eigenständigkeit im Auftreten und entsprechende Bühnenpräsenz sind Voraussetzung.
- Die verschiedenen Stile der Blockflötenliteratur müssen beherrscht werden.
- Auf eine Vielfalt der Programmgestaltung unter Berücksichtigung der persönlichen Stärken und Vorlieben der SchülerInnen ist zu achten.
- Kreative Leistungen wie Eigenkompositionen und Improvisationen werden besonders bewertet, ebenso das Auswendigspiel.
Das Prüfungsprogramm soll enthalten:
- Eine Solokomposition
- Ein Solostück mit Begleitung (B.C., Klavier, Gitarre etc.)
- Ein Ensemblestück und/oder kammermusikalisches Werk
- Ein Satz aus einem Solokonzert oder ein Stück mit Konzertcharakter
Dabei soll berücksichtigt werden, dass mindestens vier verschiedene Stile zu spielen
sind, wobei eine Komposition vor 1650, ein Werk aus dem Hochbarock, ein Stück im
französischen Stil und eine zeitgenössische Komposition (vorzugsweise mit modernen
Spieltechniken) Pflicht sind.
13. Besondere Hinweise zum „frühinstrumentalen Unterricht“ und zum Unterricht mit
„jugendlichen und erwachsenen AnfängerInnen“
Frühinstrumentaler Unterricht
Kindern im Vorschulalter wird Elementare Musikpädagogik empfohlen. In diesem
Alter sollte der Blockflötenunterricht nur in Ausnahmefällen und nach Rücksprache
mit der Lehrkraft und den Eltern erfolgen. Frühinstrumentaler Unterricht sollte
lebendig und altersgemäß sein und die Unterrichtsinhalte mittels Geschichten
vermitteln.
Unterricht mit jugendlichen AnfängerInnen
Die Auswahl der Literatur, die Unterrichtsform und die Anforderungen an die
SchülerInnen müssen altersgemäß sein. Ein Beginn mit Altblockflöte – eventuell auch
Tenorblockflöte – ist sinnvoll.
Jazz- und Popularmusik kann für diese Altersgruppe ein möglicher Anreiz und ein
Lernziel sein. In diesem Fall sollen die SchülerInnen zusätzlich Jazztheorie bzw.
Improvisationsklassen besuchen oder ähnliche Angebote der JPR-KollegInnen nutzen.
Unterricht mit Erwachsenen
Die Aufnahme von Erwachsenen wird bundesweit unterschiedlich gehandhabt, ist
aber grundsätzlich zu begrüßen. Die Auswahl der Literatur, die Unterrichtsform und
die Anforderungen sollen gemäß den Vorstellungen und Wünschen der Erwachsenen
im gegenseitigen Einverständnis festgelegt werden. Ein Beginn mit Altblockflöte –
eventuell auch Tenorblockflöte – ist sinnvoll.
Auch für Erwachsene ist das Spielen von Volksliedern und Volksmusik im
Allgemeinen ein guter Einstieg. Jazz- und Popularmusik können ein möglicher Anreiz
und ein Lernziel sein.
Die Schulung vom Rhythmus und Takt kann z.B. mittels Bodypercussion oder
Vocalpercussion erfolgen.
14. Hinweise zum Unterricht mit „Menschen mit Behinderungen“
Es muss im Ermessen der Lehrkraft liegen, ob sie sich in der Lage fühlt „Menschen mit
Behinderungen“ zu unterrichten. Die LehrerInnen müssen entsprechend geschult sein
und beraten werden (Fortbildungskurse in Behindertenpädagogik). Der Unterricht
bietet als möglichen Therapie-Effekt den positiven Einfluss auf Lernschwächen und
Teilleistungsstörungen.
Folgende Kriterien sind zu berücksichtigen:
- Individuell abgestimmtes Jahresziel festlegen
- Keine oder nur abgestimmte Übertrittsprüfungen
- Entsprechendes Instrumentarium bzw. Sonderanfertigungen
15. Instrumentenkundliches (Sonderformen, Pflege, Kauf, ...)
Eine Ausbildung ist nur auf Instrumenten mit barocker Griffweise möglich.
Der Instrumentenankauf sollte nur in Absprache und nach Beratung mit der Lehrkraft
erfolgen. Ein gutes Instrument ist zur Entwicklung einer genauen Klangvorstellung
absolut wichtig.
Die selbstverständliche Ausstattung für die SchülerInnen besteht aus Sopran- und
Altblockflöte. Spätestens ab der Mittelstufe wird die Anschaffung von hochwertigeren
Instrumenten, eventuell Tenor- und/oder Bassblockflöte, sowie Renaissanceflöten
empfohlen, nicht zuletzt um eine stilgenaue Klangvorstellung zu entwickeln.
Selbstverständliche Schulausstattung: Tenöre und Bässe (mehrere Leihinstrumente für
Schüler), Großbass, Subbass.
Empfohlene Schullausstattung: Renaissance Blockflötenconsort (Grundausstattung:
SATB, diese kann man wenn möglich noch mit einem g-Alt, einer zweiten Tenorflöte
und einem Großbass ergänzen) und Instrumente in tiefer Stimmung.
Die Anleitung zu Umgang und Pflege der Instrumente erfolgt durch die LehrerInnen.
Kleine Wartungsaufgaben (ölen etc.) können die LehrerInnen selbst übernehmen, für
größere muss eine Fachwerkstatt herangezogen werden.
Die technischen Aspekte des Instruments (wie Haltung, Atmung, Koordination) und
die sehr große Bandbreite der Literatur vom Mittelalter bis zur Moderne mit einem
Schwerpunkt in der Renaissance und im Barock sowie das dazugehörende stilistische
Wissen und die pädagogischen Fähigkeiten vor allem mit sehr jungen SchülerInnen
umzugehen, stellen an die LehrerInnen hohe Anforderungen, ebenso die
Gleichzeitigkeit von Anfänger- und Konzertinstrument.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es vermehrt zu einer Sichtweise, die das
Bild der Blockflöte zu sehr in Richtung Anfängerinstrument verschoben hat. Aufgrund
dieser immer noch weit verbreiteten Fehlmeinung und Geringschätzung wechseln
auch heute noch viele SchülerInnen – trotz einer unglaublichen Entwicklung, die das
Instrument gleichzeitig erlebt hat – nach wenigen Jahren zu einem anderen Instrument.
Das verständliche Bedürfnis der SchülerInnen, ein Akkord- oder Orchesterinstrument
zu spielen, könnte durch ein vermehrtes Angebot an Ensemble- und Kammermusikstunden
(oder z.B. auch durch die Gründung eines Blockflötenorchesters) aufgefangen
werden. Auch das Erlernen eines zweiten Hauptinstrumentes wäre für gute und
interessierte SchülerInnen entwicklungsfördernd und sollte daher unterstützt werden.
Die umfangreiche Blockflötenfamilie und die Grundausstattung der
BlockflötenspielerInnen widersprechen dem Image vom billigen Einstiegsinstrument.
Nur die Anschaffung der ersten Schulflöte kommt billig. Bei der Fortsetzung des
Unterrichts ist die Anschaffung von mehreren verschiedenen Blockflöten eine
Notwendigkeit. Die technischen und musikalischen Fähigkeiten der SchülerInnen
erfordern spätestens ab der Mittelstufe hochwertigere Instrumente und eventuell eine
Erweiterung der Grundausstattung mit Tenor- und Bassblockflöte, Sopranino und
Renaissanceinstrumenten.
Der Umstand, dass Blockflöten keine transponierende Instrumente sind, was eine
Umstellung bei der Griffweise von c-, f-, g-, .... Instrumenten in verschiedenen
Schlüsseln erfordert, stellt eine weitere spezifische, geistige Anforderung an die
SchülerInnen dar.
Die Tatsache, dass die Blockflöte ein 4-Fuß-Instrument ist und z.B. die
Sopranblockflöte eine Oktave höher klingt, bzw. die Alt- und Bassblockflöten sowohl
klingend als auch chorisch notiert werden, erfordert große Flexibilität in der
Umsetzung der Notation (Oktavieren bzw. Wechsel von f- und c-Flöten).
Um den Lernzielen und Prüfungsanforderungen gerecht zu werden, wäre eine
Cembalobegleitung für jede Musikschule wünschenswert (Die Stimmtonhöhe für die
Cembali soll 440 Hz bzw. 415 Hz bei einem Cembalo mit Transponiervorrichtung sein).
Beim Begleitinstrument Klavier sollte darauf geachtet werden, dass die Stimmtonhöhe
im Idealfall a’ 440 Hz ist und 442 Hz nicht überschreitet, da diese Stimmung durch
Anwärmen gerade noch von den üblichen Blockflöten erreicht werden kann.