Fachspezifischer Teil - Harfe
1. Repertoire – inhaltliche Breite
„SchülerInnen abholen, wo sie sich jeweils befinden und zu neuen Horizonten führen“
ist ein pädagogisch-musikalischer Leitsatz.
Die SchülerInnen sollen durch eine große Auswahl an Repertoire die Möglichkeit
bekommen, die ganze Bandbreite des Instruments zumindest in Ansätzen kennen zu
lernen. Die Beschränkung auf nur eine Musikrichtung soll vermieden werden, wobei
erwachsene SchülerInnen mit klaren Zielvorstellungen davon ausgenommen sein
können.
Bei der Auswahl des Repertoires sollen besonders beachtet werden:
- Originalkompositionen und Bearbeitungen für Harfe aus allen Epochen (Mittelalter,
Renaissance, Barock, Klassik, Romantik, Impressionismus, Moderne,
Zeitgenössisch)
- Verschiedene Stile
- Volksmusik verschiedener Kulturkreise (z.B. alpenländisch, lateinamerikanisch,
irisch, bretonisch)
- Jazz- und Popularmusik-Arrangements
- Improvisation
- Unterschiedliche Besetzungen
- Solo
- Harfe als Begleitinstrument
- Ensemble (z.B. Harfenduo, Harfentrio, mehr als 3 Harfen)
- Kammermusik (z.B. Harfe und Flöte, Harfe und Violine, Harfe und Gesang,
Harfe und ein oder mehrere andere Instrumente und Orchester
- Solokonzerte (Harfe und Orchester)
- Orchesterstellen
- Literatur zum Aufbau der Technik
- Fingerübungen
- Schulen
- Etüden
- Anfängerliteratur
2. Musizierformen
- Solospiel
- Ensemblespiel
- Kammermusik
- Orchester
- Improvisation
- Spiel mit Play along-CDs
3. Eignung, Lernvoraussetzungen
Ein Beginn des Harfenspiels im frühen Kindesalter ist bei körperlicher Eignung
möglich. Wichtig dabei ist die Auswahl eines für die SchülerInnen passenden
Instruments: Hakenharfe, Einfachpedalharfe, Doppelpedalharfe sowie der zeitgerechte
Umstieg auf das nächst größere Instrument je nach Entwicklungsstand.
Der Besuch einer Musikalischen Früherziehung bzw. Grundausbildung wäre vor dem
Erlernen des Instruments von Vorteil. Wichtig ist weiters ein positives Lernumfeld und
die Offenheit und Unterstützung der Eltern.
Als wesentliche Voraussetzungen sind zu nennen: Lernbereitschaft, Interesse,
Neugierde, Ausdauer.
4. Ganzheitliche Pädagogik
Folgende pädagogisch-didaktische Grundsätze gelten für alle Stufen:
- Allgemeine Musiklehre und Gehörbildung sind zu integrierende Bestandteile (z.B.
Harmonielehre, Intervalle, enharmonische Verwechslung)
- Musizieren und Lernen mit allen Sinnen (z.B. Einbeziehen von Stimme und Körper,
Rhythmussprache, Singen, Tanzen, Body- und Vocalpercussion, Verbindung zu
anderen Kunstformen wie etwa zur Malerei)
- Einbeziehen verschiedener Unterrichtsmaterialien (z.B. Rhythmuskarten,
Notenkarten, Neue Medien)
- Musikalische Spiele
- Fachübergreifender Unterricht, Musikschulprojekte
- Soziales Lernen (z.B. in Ensembles teamfähig werden, frühes gemeinsames
Musizieren ermöglichen, von Anbeginn Auftrittsmöglichkeiten schaffen)
- Entspannungsübungen, Konzentrationsübungen (z.B. Braingym, Kinesiologie)
Elementarstufe
Allgemein
- Noten lernen im Violin- und Bassschlüssel
- Lesen und Erfassen einfacher Taktarten
- Unterscheidung von Tonhöhen (hoch – tief)
- Kindgerechte Aufbereitung des Notenmaterials (gut lesbar, farbig etc.)
- Kennenlernen und Benennen der Bauteile der Harfe
Technisch
- Erste Orientierung am Instrument
- Erarbeitung der grundlegenden Anschlagstechniken
- Erlernen elementarer Grundspielformen (Zweiklänge, Dreiklänge)
- Vermitteln des elementaren Haken- oder Pedalgebrauchs
- Elementare Bindetechnik (gleichzeitiges Einsetzen von mehreren Fingern)
- Wecken des Bewusstseins für eine gute Haltung – von Anfang an
Musikalisch
- Erarbeiten einfacher Liedformen in Verbindung mit Singen und elementaren
Begleitformen
- Anwenden elementarer Dynamik
- Elementare Improvisation und Komposition (Gestalten von Klanggeschichten,
Einsatz graphischer Notation etc.)
- Musizieren in der Gruppe (aufeinander hören)
- Spielen nach Gehör
Unterstufe
Allgemein
- Kennenlernen elementarer Musiklehre (z.B. Rhythmus, Gehörbildung, Notation,
einfache freie Begleitung von Volks- und Kinderliedern)
- Stimmen des Instrumentes (mit Unterstützung der Eltern)
- Anleitung zum selbstständigen Üben
Technisch
- Spielen mit allen acht Fingern
- Grundspielformen (Dreiklänge, Vierklänge und Tonleitern mit Unter- und
Übersetzen)
- Harfentechnisches Binden und Einlegen der Finger
- Befolgen von Fingersätzen
- „Grundsätzliche“ (beginnende) Unabhängigkeit zwischen rechter und linker Hand
- Gleichberechtigung der Hände
- Arpeggierte Akkorde (in beiden Händen)
- Spezielle Techniken wie Flageolett, Glissando, près de la table (die Saite nahe an
der Resonanzdecke anschlagen), étouffé (abgedämpft)
- Ausbau der Pedal- bzw. Klappentechnik
- Haltung
- Weiterführung der grundlegenden Anschlagstechniken
- Tonbildung und -gestaltung
- Melodieführung in beiden Händen
- Ausbau der Dämpftechnik
Musikalisch
- Entwicklung des Bewusstseins für:
— Rhythmus und Takt
— Tempowahl
— Phrasierung und elementare Agogik
— Elementare Artikulation
— Klangfarben
— Tonbildung
— Harmonische Zusammenhänge
— Elementares Stilempfinden bei der Interpretation
— Unterschiedliche Klangvorstellungen
— Dynamische und klangliche Differenzierung
- Zusammenspiel mit gleichen oder anderen Instrumenten
- Improvisieren über elementare Begleitmodelle
- Spielen nach Gehör – Begleitung anhand der Grundstufen I-IV-V
Mittelstufe
Allgemein
- Stimmen des Instruments
- Selbstständiges Erarbeiten eines Werkes
- Entwicklung einer individuellen, werkbezogenen Übetechnik
- Auswendigspiel
- Regelmäßiges Blattspiel
- Erarbeiten mehrsätziger Formen wie Suiten, Sonatinen, Variationen
- Kammermusik- und Ensemblespiel
- Ansporn zu eigenständigen Kompositionen und Improvisationen
Technisch
- Entwicklung einer differenzierten Melodieführung in beiden Händen
- Ausbau der Geläufigkeit in beiden Händen
- Ausgewogenheit bzw. Regelmäßigkeit im Ton (Bewusstsein für Tonkontrolle)
- Ausbau der Pedaltechnik
- Erweiterung der Dämpftechnik
- Elementare Verzierungstechnik (z.B. Pralltriller, Mordent, kurzer und langer
Vorschlag)
- Verschiedene Artikulationsarten bewältigen (legato, staccato, bas dans les cordes,
près de la table)
- Unabhängigkeit zwischen rechter und linker Hand ausbauen
- Treffsicherheit bei Sprüngen und Akkorden erhöhen
- 2-stimmiges Spiel in einer Hand (Polyphonie)
Musikalisch
- Deutliche Differenzierung hinsichtlich der Dynamik (crescendo – decrescendo,
Dynamikabstufungen)
- Ritardando und Accelerando
- Phrasierung und Agogik
- Vermehrtes Augenmerk auf richtiges Atmen
- Stilgerechte Interpretation
- Kennenlernen stilistischer Vielfalt
- Entwicklung eines musikalischen Vorstellungsvermögens
- Zusammenspiel mit gleichen oder anderen Instrumenten
- Improvisieren über Begleitmodelle
- Spielen nach Gehör – Begleitung anhand der Haupt- und Nebenstufen und
Einbeziehung verschiedener Skalen (Dur, Moll, Kirchentonarten, Pentatonik, Blues)
Oberstufe
Allgemein
- Stimmen des Instruments
- Differenzierung der Klangvorstellung
- Stilgerechte Interpretation
- Lesen und Realisieren neuer Notationsformen
- Lernen, sich auf einen konkreten Auftrittstermin vorzubereiten
- Hinführen zum Orchesterspiel
- Kritische Auseinandersetzung mit Bearbeitungen
- Förderung und Ausbildung einer individuellen künstlerischen Persönlichkeit
- Selbstständiges Erfassen des formalen Aufbaus eines Werkes (Strukturen, Formen
und Zusammenhänge)
- Eventuelle Vorbereitung auf ein Musikstudium
Technisch
- Spezielle Effekte wie Glissandi (mehrstimmig), Quint-Flageolett
- Perfektionierung der Technik (Geläufigkeit, Tonkontrolle, Spezialeffekte,
Klangfarbe etc.)
- Weiterer Aufbau von Kraft und Ausdauer in den Fingern
- Vermeiden von Nebengeräuschen
- Exakte Pedaltechnik
- Hervorheben der Melodie in 2- und 3-stimmigen Sätzen
- Steigerung der koordinativen Fähigkeiten (Hände, Füße, Spezialeffekte)
- Erweiterte Verzierungstechnik (Triller, Bisbigliando etc.)
- Intensivieren eines kontrollierten und regelmäßigen Anschlages
Musikalisch
- Entwicklung abstrakten musikalischen Denkens
- Erzeugung von Klangfarben durch das Spiel mit verschiedenen Handstellungen
- Hinführen zu einer stilistisch sicheren und persönlichen Interpretation der Literatur
aller Epochen
5. Körper und Instrument, Technik
Allgemein
Technische Fertigkeiten sollen immer dem musikalischen Ausdruck dienen.
Es gilt eine Technik zu erwerben, welche auf natürlichen, physiologischen
Voraussetzungen beruht und zu differenzierten klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten
befähigt. Optimale Voraussetzungen dafür sind individuell auf die SchülerInnen
abgestimmte ergonomische Bedingungen (z.B. Instrumentengröße, Sitzhöhe,
Bodenkontakt), die wiederum einer permanenten individuellen Anpassung
unterliegen. Da die Einheit von Instrument und Körper ein zentrales Anliegen
darstellt, ist auf eine natürliche Haltung zu achten. Die Klangqualität sollte als
Kontrolle für gute Spieltechnik und Haltung herangezogen werden.
Die Funktion der Pedale bzw. Haken soll begreifbar (sichtbar) gemacht werden. Auf
eine saubere Pedal- und/oder Hakentechnik ist zu achten.
Das Körperbewusstsein unterstützende Übungen sollen in den Unterricht einbezogen
werden:
- Atemschulung
- Lockerung der Arme und der Schulterpartie
- Körperwahrnehmungs- und Entspannungstechniken (z.B. Alexandertechnik,
Feldenkrais, Novobalance)
- Bewusstseinsförderung für entspanntes Musizieren
- Richtiges Umgehen mit Nervosität (Auf- und Abbau von Spannungen, mentales
Training)
Es gilt eine fundierte Grundtechnik zu erwerben, mit der möglichst viele
unterschiedliche Stilrichtungen klanglich realisiert werden können.
Grundtechnik
- Von Beginn an beide Hände gleichwertig einsetzen
- Vorbereiten einer Tonfolge (gleichzeitiges Einlegen) – gebundenes Spiel
- Tonleitern- (Über- und Untersetzen) und Akkordspiel
- Akkordisches Üben (Akkordzerlegungen – Läufe, Arpeggio,
Unabhängigkeitsübungen)
- Pedal- bzw. Hakentechnik, Basisfingersätze (1-2 bis zur Quart, 1-3 Quint/Sext, 1-4
ab der Septime), ein- und mehrstimmiges Spiel, Dämpftechnik, elementare
Verzierungstechnik, Unterscheidung legato – non legato
Spezialeffekte
- Von Anfang an étouffé, près de la table, bas dans les cordes, Flageolett, Glissando,
sons xylophoniques, pincé, staccato, plaqué, secco, tremolo, bisbigliando, etc.
verwenden
- Spezialeffekte nach Salzedo
6. Kultur-, musikhistorisches und musikkundliches Wissen
Die gespielte Musik sollte stets im geschichtlichen, kulturellen und musikkundlichen
Zusammenhang betrachtet werden. Querverbindungen zu allgemeinen
musiktheoretischen Inhalten sollen hergestellt werden.
Die Geschichte der Harfe (wie etwa die Entwicklung von der Bogenharfe bis zu den
heutigen Instrumenten) und deren verschiedene Erscheinungsformen (Bauarten) sollen
in Grundzügen erlernt werden, um so eine praxisnahe Vermittlung anhand der
gespielten Literatur herstellen zu können.
Die LehrerInnen mögen die SchülerInnen dazu anregen, Musik zu hören und
Konzerte/Theater zu besuchen.
7. Lebendiger Unterricht und vielfältige Unterrichtsformen
Einzel-, Partner-, Gruppen-, Ensemble- und Klassenunterricht
Methodische Flexibilität bezieht sich auch auf Unterrichtsformen – diese sind weder
grundsätzlich gut noch schlecht, sondern lediglich danach zu beurteilen, ob sie in
Bezug auf die definierten Intentionen und die anstehenden Inhalte zielführend sind.
Auch wenn zunehmend neue Unterrichtsformen den traditionellen Einzelunterricht
ergänzen: Eine wichtige Quelle positiver persönlicher und musikalischer Entwicklung
der SchülerInnen an einer Musikschule ist eine persönliche, vertrauensvolle und
beständige Beziehung zu ihren LehrerInnen.
Mögliche Unterrichtsformen für Harfe sind:
- Einzel-, Partner-, Gruppen-, Ensembleunterricht
- Simultanunterricht bei Verfügbarkeit von zusätzlichen Unterrichtsräumen und
Instrumenten
- Technikarbeit in der Gruppe
- Teamteaching
Die Wahl der Unterrichtsform soll nach pädagogischen Gesichtspunkten (flexible
Unterrichtsformen, Kombination von Einzel- und Gruppenunterricht) erfolgen. Der
Einzelunterricht spielt bei begabten SchülerInnen, bei der Vorbereitung auf
Übertrittsprüfungen und Wettbewerbe eine wichtige Rolle.
Die gewählte Unterrichtsform sollte vorzugsweise erweitert werden durch:
- Fach- und klassenübergreifenden Unterricht
- Hausmusik
- Ensemble- und Kammermusik in allen Besetzungen
- Spielkurse für Kinder und Erwachsene, Austauschprojekte, Reisen
- Multidimensionalen Unterricht
- Vorspielstunden und Klassenabende
- Projekte
8. Übeformen/Übepraxis
- Üben als tägliches Ritual – die Notwendigkeit des regelmäßigen Übens muss
vermittelt werden.
- Schaffen eines idealen (positiven) Übeumfeldes (ruhiger, heller Ort, angenehme
Zeit, Gestaltung des Übeplatzes)
- Selbstständiges Üben von Anfang an (Übepläne erstellen, Zeitmanagement,
Übeprotokoll)
- Übestrategien und-techniken kennenlernen und im Unterricht erarbeiten
- Mentales Üben
- Entwicklung der „inneren Lehrerin“, bzw. des „inneren Lehrers“
- Üben als methodisches, ziel- und musikorientiertes Arbeiten erlernen
- Führen eines Hausaufgabenheftes (klare Aufgabenstellungen und
Übungsanleitung)
- Üben von Vorspielsituationen (Auftrittspraxis, nicht nur in der Musikschule)
- Ansprechen verschiedener Lernkanäle und Lerntypen (auditiv, visuell,
kinästhetisch)
- Lernen durch Zusehen, Zuhören und Nachspielen (Einbeziehen auditiver
Methoden)
- Spiel nach Gehör
- Unterstützung durch Medien und technische Hilfsmittel (CD, Play along,
Metronom)
- Wahrnehmen, Reflektieren, Verändern – Musik und Erfolg erleben
9. Einbeziehung und Mitarbeit der Eltern
Die LehrerInnen sollten den Kontakt mit den Eltern von Anfang an suchen und bei
Instrumentenkauf und Notenanschaffung hilfreich zur Seite stehen.
Von Seiten der Lehrkraft:
- Elternabende, Elternsprechtag, Elternstunden
- Information, Infoblätter
- Bewusstseinsbildung
- Hausübungen altersgemäß und auch für Eltern verständlich notieren
- Auftretende Probleme frühzeitig besprechen
Von Seiten der Eltern:
- Kauf eines guten Instrumentes (Sensibilisierung der Eltern für adäquate
Ausrüstung)
- Unterstützung der Unterrichtsarbeit
- Unterstützung bei organisatorischen Dingen
- Regelmäßiges Stimmen der Harfe
- Soziales Umfeld mit einbeziehen (Familie musikalisch integrieren; Familienmusik)
- Besuch von Vorspielstunden
- Unterstützung und Motivation beim Üben, besonders im frühinstrumentalen
Unterricht
- Interesse der Eltern am Spiel des Kindes (Zuhören können, Loben, Motivieren,
Nachfragen, Anerkennung bei Fortschritt)
10. Vorbereitung und Nachbereitung des Unterrichts
Vorbereitung
Planung der Lern- und Bildungsziele – kurz-, mittel- und langfristig in spieltechnischer
und musikalischer Hinsicht
- Unterrichtsmaterial auswählen, beschaffen und erstellen (z.B. Stück- und
Etüdenauswahl, Einbeziehung der Vorlieben der SchülerInnen)
- Arrangieren, Bearbeiten, Erstellen von ziel- und methodenorientiertem
Unterrichtsmaterial (besonders für das Ensemblespiel meist unumgänglich)
- Gestaltung der Unterrichtsräumlichkeiten
- Wartung des vorhandenen Instruments (Saitenkauf)
Individuelle künstlerische Vorbereitung der Lehrkraft
- Eigenes Üben, Noten- und Literaturstudium
- Arbeiten an der eigenen künstlerischen und pädagogischen Kompetenz
- Fortbildung in künstlerischer und pädagogischer Hinsicht zur Erweiterung des
eigenen Horizonts
Organisation in jeglicher Form
- Ensemblespiel, Proben, Projekte, Aufführungen, Konzerte, Elternabende,
Schüleraustausch, etc.
Nachbereitung
- Dokumentation der Entwicklung der SchülerInnen im
Klassenkatalog/Nachweisblatt
- Reflexion über den Unterrichtsverlauf
- Fachlicher Austausch mit KollegInnen
11. Lernziele/Bildungsziele (nach Entwicklungsstufen/Leistungsstufen)
Lernziele
Elementarstufe
Allgemein
- Notenlesen im Violin- und Bassschlüssel
- Erfassen einfacher Taktarten
- Wissen um die Bauteile der Harfe
Technisch
- Elementare Bindetechnik (gleichzeitiges Einsetzen von bis zu vier Fingern in jeweils
einer Hand)
- Grundspielformen (Zweiklänge, Dreiklänge)
- Elementarer Haken- oder Pedalgebrauch
- Bewusstsein für eine gute Haltung
Musikalisch
- Anwenden elementarer Dynamik (piano – forte)
- Einfache Liedformen in Verbindung mit Singen und elementaren Begleitformen
- Elementare Improvisation und Komposition (Gestalten von Klanggeschichten,
Einsatz graphischer Notation etc.)
- Gruppenmusizieren (aufeinander hören)
- Spielen nach Gehör
Unterstufe
Allgemein
- Eigenständiges Erfassen eines einfachen Notentextes – Noten, Rhythmus,
Fingersatz
- Gefestigte Kenntnisse in elementarer Musiklehre (z.B. Rhythmus)
- Gehörbildung (z.B. freies Begleiten von Volks- und Kinderliedern, Notation)
- Stimmen des Instruments
Technisch
- Spielen mit allen acht Fingern
- Grundspielformen (Dreiklänge, Vierklänge und Tonleitern mit Unter- und
Übersetzen in beiden Händen)
- Sicheres Binden und Einlegen der Finger
- Befolgen von Fingersätzen
- Gleichberechtigter Einsatz beider Hände
- Arpeggierte Akkorde (in beiden Händen)
- Spezielle Techniken wie Flageolett, Glissando oder près de la table
- Ausbau der Dämpftechnik (z.B. étouffé)
- Vermehrter Einsatz der Pedale bzw. Haken
- Gefestigtes Bewusstsein für eine gute Haltung
Musikalisch
Bewusstsein wecken für:
- Rhythmus und Takt
- Tempowahl
- Elementare Artikulation
- Unterschiedliche Klangfarben (Tonbildung)
- Dynamische und klangliche Differenzierung der Hände
- Elementares Stilempfinden bei der Interpretation
- Einfache Begleitung
Mittelstufe
Die SchülerInnen sollten über ein gewisses musikalisches Vorstellungsvermögen
verfügen und fähig sein, musikalische Zusammenhänge hörbar zu machen. Sie sollten
mit den wichtigsten musikalischen Parametern (z.B. Phrasierung, Agogik, Dynamik,
Artikulation, Klangfarben) und den Grundlagen stilgerechter Interpretation vertraut
sein.
Allgemein
- Erarbeitung mehrsätziger Formen (z.B. Sonatinen, Variationen, Suiten)
- Selbstständiges Erarbeiten eines Werkes
- Stilgerechte Interpretation
- Auswendigspiel
- Blattspiel
Technisch
- Differenzierte Melodieführung in beiden Händen
- Geläufigkeit und Unabhängigkeit der Hände
- Gewisse Selbstständigkeit im Erarbeiten von Fingersätzen
- Ausgewogenheit und Regelmäßigkeit (Bewusstsein für Tonkontrolle und
Klangfarben)
- Sichere Pedaltechnik
- Erweiterung der Dämpftechnik
- Elementare Verzierungstechnik (z.B. Pralltriller, Mordent, kurzer und langer
Vorschlag)
- Verschiedene Artikulationsarten (legato, staccato, bàs dans les cordes, près de la
table)
- Zweistimmiges Spiel in einer Hand (Polyphonie)
Musikalisch
- Spielen nach Gehör
- Begleitung
- Harmonische Zusammenhänge
- Improvisation unter Einbeziehung verschiedener Skalen (Dur, Moll,
Kirchentonarten, Pentatonik, Blues)
Oberstufe
Die SchülerInnen sollten die in der Mittelstufe erworbenen technischen Fertigkeiten
und die musikalische Ausdrucksfähigkeit bis zur Grenze ihrer momentanen
individuellen Entwicklungsmöglichkeiten erweitert und in qualitativer Hinsicht
vertieft und gesteigert haben.
Allgemein
- Eigenständige Klangvorstellung – individuelle künstlerische Persönlichkeit
- Stilistisch sichere und persönliche Interpretation der Literatur aller Epochen
- Erfassen des formalen Aufbaus der Stücke
- Lesen und Umsetzen neuer Notationsformen
- Orchesterspiel (wenn möglich)
Technisch
- Spezielle Effekte wie Glissandi (mehrstimmig) oder Quintflageolett
- Ausgereifte Technik (Geläufigkeit, Tonkontrolle, Spezialeffekte, Klangfarben etc.)
- Eigenständiges Erarbeiten von Fingersätzen bei einfacher Literatur
- Kraft und Ausdauer in den Fingern – kontrollierter und regelmäßiger Anschlag
- Exakte Pedaltechnik
- Erweiterte Verzierungstechnik (Triller, Bisbigliando etc.)
Musikalisch
Die SchülerInnen sollten in der Lage sein, die Möglichkeiten des Instruments hörbar
auszuschöpfen und gemäß ihrer Begabung mit den erlernten technischen und
musikalischen Mitteln überzeugend umzugehen. Die Klangvielfalt und die vielseitige
Verwendbarkeit des Instrumentes sollen präsentiert werden können. Im Umgang der
SchülerInnen mit Musik zeigt sich Selbstständigkeit und eine ihrer Persönlichkeit
entsprechende künstlerische Reife.
Bildungsziele
Allgemeine musikalische Aspekte für alle Stufen
- Theoretisches Wissen situationsbedingt in den Unterricht einbauen (harmonisches
Verständnis, Kadenzen, Funktionen, Formverständnis etc.)
- Ausgehend von erarbeiteten Stücken Querverbindungen herstellen (geschichtlicher
Hintergrund, Aufführungspraxis, Formenlehre etc.)
- Hörerziehung
- Erkennen von Musik als Ausdrucksmittel (Kreativität wecken)
- Freude am Musizieren
- Musik als lebenslanger Begleiter
- Hinführen zur Selbstständigkeit
- Persönlichkeitsentwicklung
- Musik als Kommunikationsmittel
- Vielfältige Konzertformen, gemeinsames Musizieren, Bühnenerfahrung
- Mitwirken der SchülerInnen in bestehenden kulturellen Einrichtungen (z.B.
Orchestern, Kirchenchören, Volksmusikgruppen)
- Teilnahme am kulturellen Leben, Konzertbesuche
12. Empfehlungen für Übertrittsprüfungen
Übertrittsprüfungen geben Auskunft über die Erreichung der Bildungsziele. Vor jeder
Übertrittsprüfung wird der Besuch des entsprechenden Musikkundekurses empfohlen,
in einigen Bundesländern ist er verpflichtend vorgeschrieben.
Mögliche formale Abläufe:
- Kommissionelle Prüfung
- Vorspiel, Konzert oder Klassenabend
- Projekt mit Dokumentation
- Kombination der drei oben genannten Präsentationsformen
Beurteilung:
- Motivierende und konstruktive Beratungsgespräche
- „Belohnung“ durch Abzeichen, Urkunden, Konzerte, Feiern oder gesellschaftliche Ereignisse, bei denen die Leistungen gewürdigt werden.
Beurteilungskriterien sind:
- Schwierigkeitsgrad des Spielprogramms unter Berücksichtigung der besuchten Unterrichtsform
- Fertigkeiten am Instrument und allgemeine musikalische Fähigkeiten
- Künstlerisch-musikalische Gestaltung
Elementarprüfung
(von der Elementar- in die Unterstufe)
Die Elementarprüfung kann in Form eines Vorspiels von 2 bis 3 kleinen Stücken
unterschiedlichen Charakters im Rahmen eines Vortrags- oder Klassenabends
stattfinden.
1. Übertrittsprüfung
(von der Unter- in die Mittelstufe)
- Prüfungszeit ca. 10 bis 15 Minuten
- Das Programm soll drei Stücke aus verschiedenen Stilbereichen und unterschiedlichen musikalischen Charakters enthalten.
Im Vorspielprogramm sollen ein schnelles Stück (Geläufigkeit), ein langsames Stück
(Ausdruck, Phrasierung) und – nach Möglichkeit – ein Ensemblestück enthalten sein,
wobei ein Stück auswendig vorgetragen werden soll.
2. Übertrittsprüfung
(von der Mittel- in die Oberstufe)
- Prüfungszeit ca. 15 bis 20 Minuten
- Das Programm soll drei Stücke aus verschiedenen Stilbereichen und unterschiedlichen musikalischen Charakters enthalten.
Im Vorspielprogramm sollen ein schnelles Stück (Geläufigkeit), ein langsames Stück
(Ausdruck, Phrasierung) und – nach Möglichkeit – ein Ensemblestück enthalten sein,
wobei ein Stück auswendig vorgetragen werden soll.
Abschlussprüfung
(am Ende der Oberstufe)
- Prüfungszeit ca. 30 Minuten
- Das Programm soll mindestens 4 Stücke aus verschiedenen Stilbereichen und
unterschiedlichen musikalischen Charakters in einem angemessenen
Schwierigkeitsgrad enthalten.
Im Vorspielprogramm sollen ein schnelles Stück (Geläufigkeit), ein langsames Stück
(Ausdruck, Phrasierung) und ein Ensemblestück enthalten sein. Ein Teil des
Programms ist auswendig vorzutragen.
Das Niveau der Oberstufenabschlussprüfung sollte ungefähr dem einer
Aufnahmeprüfung an einer Musikuniversität entsprechen.
13. Besondere Hinweise zum „frühinstrumentalen Unterricht“ und zum Unterricht mit
„jugendlichen und erwachsenen AnfängerInnen“
Frühinstrumentaler Unterricht
Das Erlernen der Harfe im Vorschulalter ist aufgrund der Unbefangenheit, der
Offenheit und des Entwicklungspotentials der Kinder möglich, diese sollten jedoch
bestimmte Voraussetzungen mitbringen (z.B. Eignung, Konzentrationsfähigkeit).
Wichtige Voraussetzungen sind zudem einerseits die Bereitschaft und Befähigung der
Lehrkraft, andererseits die Bereitschaft der Eltern zu Kommunikation, Unterstützung
und Mithilfe bei der Arbeit der Lehrkraft, wobei Erwartungshaltung und Ziele
abgeklärt werden sollten.
Es sollten kindgerechte Unterrichtsmethoden verwendet werden, die auf die geistige
und körperliche Entwicklung der SchülerInnen abgestimmt sind.
Zusätzlich kann Unterrichtsmaterial aus der musikalischen Früherziehung mit
einbezogen werden. Der Unterricht ohne Noten und die Verwendung kreativer
Schulen ist von Vorteil.
- Instrument spielerisch „begreifbar“ machen
- Spielerischer Zugang: singen, spielen, bewegen
- Geeignete Instrumente verwenden und adäquate Rahmenbedingungen schaffen
- Einbeziehung anderer Ausdrucksformen (z.B. tanzen, malen)
Unterricht mit jugendlichen AnfängerInnen
- Vorstellungen und Ziele klären und abstimmen
- Auf die speziellen Wünsche der Jugendlichen eingehen (geeignete
Literaturauswahl, Neugier hinsichtlich der Literaturvielfalt wecken)
- Auftrittsmöglichkeiten bieten (solistisch wie auch in verschiedenen Ensembles)
- Aktuelle Jugendkultur nach Möglichkeit einbinden
- Einbindung jugendlicher SchülerInnen in den Musikschulalltag ermöglichen
Erwachsene AnfängerInnen
- Vorstellungen und Ziele klären und abstimmen
- Erwachsene aus dem Alltag „abholen“
- Generationen übergreifendes Mit- und Nebeneinander
- Spezielle Angebote für Erwachsene (z.B. Wochenend- oder Wochenseminare
veranstalten)
- Einbindung erwachsener SchülerInnen in den Musikschulalltag ermöglichen
- Erwachsenenvortragsabende
- Toleranz bezüglich Übertrittsprüfungen für Erwachsene
14. Hinweise zum Unterricht mit „Menschen mit Behinderungen“
Sonderpädagogik ist in der Musikschule grundsätzlich möglich und begrüßenswert.
Jedenfalls sollte dem Unterricht eine umfassende wechselseitige Information
vorausgehen.
Die Bereitschaft und Befähigung der Lehrkraft ist eine Voraussetzung. Bei Bedarf sollte
den LehrerInnen eine zusätzliche Aus- bzw. Fortbildung und/oder eine zusätzliche
fachliche Hilfestellung in Zusammenarbeit mit TherapeutInnen und
SonderpädagogInnen angeboten werden.
- Individuelle, realistische Ziele formulieren bzw. bewusst machen
- Zeit, um den Unterricht individuell für die SchülerInnen vorzubereiten und auf die
Persönlichkeit einzugehen
- Mitarbeit der Eltern und betreuenden Personen abklären
- Ausnahmeregelungen wie z.B. Befreiung von Übertrittsprüfungen
15. Instrumentenkundliches (Sonderformen, Pflege, Kauf, ...)
Zu den Harfentypen, die im Musikschulbereich vorwiegend zum Einsatz kommen
gehören:
- Hakenharfe
- Kleine Einfachpedalharfe („Schulharfe“, 2 oder 5 Pedale)
- Einfachpedalharfe
- Doppelpedalharfe
Pflege:
- Rechtzeitige Erneuerung der Saiten
- Regelmäßige Regulierung der Mechanik (Überprüfen der Intonation)
- Auf den Standort des Instruments achten:
- Heizungs- oder Sonneneinstrahlung
- Die Luftfeuchtigkeit muss mindestens 40% betragen
Kauf
Eine Beratung der Eltern ist besonders beim Kauf von gebrauchten Instrumenten
notwendig.
16. Fachspezifische Besonderheiten