Fachspezifischer Teil - Steirische Harmonika
1. Repertoire – inhaltliche Breite
Die Steirische Harmonika ist ein in der alpenländischen Volksmusik zutiefst
verwurzeltes Instrument. Das Repertoire umfasst alle volksmusikalischen Gattungen,
wobei es in erster Linie um die Vermittlung des Kulturgutes der alpenländischen
Volksmusik geht.
Ein wesentliches Merkmal der Volksmusik liegt in der Unterscheidung der
verschiedenen regionalen Stile und die Förderung des jeweiligen regionalen
Volksmusikstils soll daher bei der Repertoireauswahl einen besonderen Schwerpunkt
einnehmen.
Ein offener Zugang und eine Beschäftigung mit der Musik anderer Länder wären
wünschenswert. Die SchülerInnen sollten mit der vielfältigen und unterschiedlichen
Musik für die Steirische Harmonika vertraut gemacht werden.
Formen und Gattungen:
- Volkstänze, Weisen, Walzer, Ländler, Boarischer, Mazurka, Schnellpolka, Polka-Franze, Tramplan, Plattler, Volkslieder, Jodler, Steirer, Böhmische, Polka, Oberkrainer, (Konzert-) Märsche, Hirtenlieder etc.
- Sakrale Musik
- Experimente mit dem Jazz- und Popularmusik
Die Steirische Harmonika kommt als Begleit- und Melodieinstrument zum Einsatz.
Es gibt eine große Zahl an Originalkompositionen, aber auch zahlreiche Bearbeitungen:
- Diese werden in den Bundesländern unterschiedlich vorgetragen.
- Jedes Land hat musikalische, auf die Volkstänze bezogene Eigenheiten, d.h.
unterschiedliche Auffassungen bezüglich Tempo und Tanzvariationen.
Länder
Verbreitet sind Folklore aus Irland, Italien, Tschechien, Slowenien, Bayern, Südtirol,
der Schweiz und allen österreichischen Bundesländern.
Das Musiziergut aus dem alpenländischen Raum hat sich im Laufe der Jahre regional
entwickelt, verbreitet und vermischt.
Es sind Bearbeitungen für alle oben angeführten Formen des in mündlicher oder
schriftlicher Form überlieferten Musizierguts vorhanden. Notiert ist die Musik in
Normalnotation und/oder Griffschrift. Bearbeitet wurde ursprünglich für das
solistische Vorspiel, heute auch für zwei Instrumente (zweistimmig oder dreistimmig)
mit aufgeteilter Melodie oder mit Begleitung (Nachschlag oder Improvisation).
Lehrwerke, Literatur
Die Vermittlung erfolgt über das Gehör (Vor- und Nachspiel), über eine spezielle
Tabulatur (Griffschrift) oder über Normalnotation.
Es gibt Notenausgaben aus wissenschaftlichen Arbeiten und Feldforschungen.
Ausgaben in Griffschrift sind verbreitet, vor allem zahlreiche Lehrwerke mit
unterschiedlichen Systemen für Melodie- und Bassseite. Im Unterricht kommen
verschiedene Notationen zum Einsatz.
2. Musizierformen
Die Steirische Harmonika ist ein typisches Soloinstrument. Das Instrument kommt in
den unterschiedlichen Besetzungen der Volksmusik vor. Es gibt regionale
Unterschiede in den einzelnen Bundesländern.
- Der Unterricht erfolgt meist im Einzel- oder Partnerunterricht.
- Die gleiche Stimmung der Instrumente ist eine Voraussetzung für den
Gruppenunterricht.
- Das Instrument ist sehr geeignet für den Ensembleunterricht, als Melodie- und
Begleitinstrument.
- Fachübergreifende Ensembles (Kammermusikbesetzungen) sind in vielen
Instrumentenkombinationen möglich:
- Harmonika und Gitarre
- Edler-Trio (Klarinette, Harmonika, Posaune)
- Altsteirertrio (Harmonika, steirisches Hackbrett, Bass)
- Stubenmusik und Saitenmusikbesetzungen (z.B. Harfe, Hackbrett, Harmonika, Gitarre, Bass)
- Bläser- und Tanzlmusikbesetzungen (mit Blech- oder Holzblasinstrumenten)
- Gemischte Besetzung
- Saitenmusik
- Geigenmusik
Das Solo-Spiel ist eine wichtige Erfahrung, mit dem Ensemblespiel sollte aber so früh
wie möglich begonnen werden. Den SchülerInnen muss vermittelt werden, dass ihr
Instrument keineswegs nur stimmführend sein kann, sondern auch als
Begleitinstrument eine wichtige Funktion übernimmt. In Ensembles und
Kammermusikbesetzungen sollen nicht mehr als zwei Harmonikas eingesetzt werden.
3. Eignung, Lernvoraussetzungen
Musikalische Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Der Besuch einer musikalischen
Früherziehung vor dem Beginn des Harmonikaunterrichts ist vorteilhaft. Wichtig ist,
dass die SchülerInnen aus eigenem Antrieb das Instrument erlernen wollen.
Für das Erlernen des Instruments gibt es keine generelle Altersober- oder Untergrenze.
Ein Unterrichtsbeginn mit ca. 7 Jahren hat sich aber als sinnvoll erwiesen. Die
Entscheidung sollte individuell, eventuell im Rahmen eines Beratungsgesprächs,
getroffen werden.
4. Ganzheitliche Pädagogik
Bewegung zur Musik – Körperübungen
- Für das Erlernen von Rhythmen empfehlen sich Klatsch-, Sprech- und
Schrittübungen (z.B. mit den Händen auf Tisch oder Oberschenkel klopfen)
- Schritt- und Hüpfspiele (z.B. Hüp-fe-schritt für die punktierte Note)
- Das Mitsingen von Liedern und Melodien erleichtert das rhythmische Verständnis.
Es soll das Lied zuerst gesungen und dann auf das Instrument übertragen werden.
Klangspieles
- Improvisation
- Frage-Antwort-Spiele (LehrerIn spielt vor – SchülerIn spielt nach und umgekehrt)
Sprechspiele
- Punktierte Note („Hüp-fe-schritt“, „Ams-ter-dam“).
- Triolen („Tri-o-la“, „But-ter-brot“)
- Notenwerte mit Silben, die den Schlägen entsprechen (ganze Note = „Vier-schlagno-te“ oder „Os-ter-hase“).
Rhythmusübungen in Form von:
- Klatschen
- Klopfen
- Tanzen
- Schritt- und Hüpfspiele
Bei rhythmischen Problemen wird der Einsatz des ganzen Körpers empfohlen
(Klatschen, Gehen oder Sprechen von Texten zu schwierigen Passagen). Die gespielte
Musik (z.B. Volkstänze) sollte auch praktisch im eigenen Tanz erprobt werden.
Gehörbildung und Musiktheorie
- Töne Vor- und Nachsingen, Intonationsübungen, Intervalle erkennen (z.B. Quart mit dem Feuerwehrsignal erkennen)
Mit allen Sinnen
- Erlernen nach Gehör (auch mit CD oder Video)
- Lernen nach Noten (visuell)
- Nachahmen der Lehrkraft („Abschauen“)
- Verschiedene Varianten abwechseln und kombinieren
Trainieren aller Sinne, welche für das Musizieren notwendig sind (Auge, Ohr,
Tastsinn) und Förderung und Entwicklung des Gefühls für musikalische Bewegung
und Tanz.
Ganzheitliches Musizieren zum Kennenlernen verschiedener musikalischer Details:
- Musikkunde (allgemeine Musikkunde, Griffschrift , Normalnotation; Tonleitern,
Kadenzen, Dreiklänge, Stufendenken, Rhythmusschulung)
- Die erlernte Musikkunde am Instrument umsetzen
- Unterscheiden zwischen Melodie und Harmonie (harmonisch denken!!)
- Analyse der Stücke (Entwicklung des eigenen Musizierstils)
Die Theorie sollte anhand der erarbeiteten Literatur vermittelt werden in den regulären
Unterricht einfließen.
Vermittlungsformen:
- Gehör
- Griffschrift
- Normalnotation
Gehörbildung und Intonation:
Die Vermittlung von Dreiklängen und deren Umkehrungen mittels Dreiklangsmelodik
ist z.B. mit einfachen Jodlern und Weisen gut möglich, im Gruppenunterricht auch
durch zwei- und dreistimmiges Singen.
Das Singen von Melodien und Liedern ist ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts.
Die Atmung sollte in das Spiel einbezogen und bewusst gemacht werden.
Auch das Zuhören (Konzerte, Tonträger, Vorbilder etc.) ist ein wichtiger Zugang zur
Volksmusik.
Bei der Wahl der Unterrichtsmethoden und in der Vermittlung der Stücke müssen die
LehrerInnen die verschiedenen Lerntypen (motorisch, auditiv, visuell, kognitiv)
berücksichtigen. Das Eingehen auf besondere Probleme wie z.B. Nervosität ist wichtig.
Der Begriff „musikantisches Spiel“ spielt eine große Rolle und muss erklärt werden.
Der ganze Körper soll ein Teil der gespielten Musik werden.
5. Körper und Instrument, Technik
Auf eine gute und gerade Körperhaltung muss ganz besonders geachtet werden, um
Haltungsschäden zu vermeiden.
- Es gibt Schulwerke und Lernmethoden für das Vier- und das Fünffingersystem.
- Bei Kleinkindern kann ein Bein auf einen Fußschemel gestellt oder über das andere
Bein geschlagen werden.
- Die Größe und das Gewicht des Instruments muss an die physischen
Voraussetzungen der SchülerInnen angepasst werden.
- Auf die Qualität des Instrumentes soll geachtet werden, da sowohl Lernerfolg als
auch Motivation der SchülerInnen davon abhängen.
- Der linke Handriemen soll so eng wie möglich sein, um eine gleichmäßige
Balgführung zu gewährleisten.
Technische Schwierigkeiten können direkt anhand von Stücken bewältigt und geübt
werden, spezielle Fingerübungen fördern die Beweglichkeit. Das Spielen von
Tonleitern auf der Steirischen Harmonika ist für das Improvisieren und das „sich zu
Hause fühlen“ auf dem Griffbrett wichtig.
Es soll von Anfang an auch nach Gehör gespielt werden und die nach Noten
erarbeiteten Stücke auswendig gelernt werden. Das Einbeziehen von Artikulation und
Dynamik sollte schon am Beginn des Erlernens eines neuen Stückes erfolgen.
Die gespielten Töne und Griffe müssen gedacht werden („Fingergedächtnis“). Durch
das Bewusstmachen, wo ein Ton liegt, ist ein Einstieg in die Improvisation wesentlich
leichter möglich.
Die SchülerInnen sollten schon von Anfang an zur Selbstständigkeit angehalten
werden:
- Welchen Fingersatz setze ich am besten ein?
- Versuchen, zu einer einfachen Melodie gleich eine zweite Stimme zu finden (hier ist
wieder das Singen wichtig)
- Welche Stimmung hat meine Harmonika?
Selbstständiges Einzählen ist vor allem beim Ensemble- und Kammermusikspiel
wichtig. Das Instrument ist durch den diatonischen Aufbau besonders geeignet für
Dreiklangsmelodik.
Empfehlenswerte Übungen:
- Um das Instrument und dessen Aufbau besser kennenzulernen, ist das Spielen von
Tonleitern bzw. Terz- und Sextintervallen sehr hilfreich:
- Tonleitern, ein- und mehrstimmig
- Terz- und Sextfortschreitungen auf allen Reihen, auf Druck und Zug
- Dreiklangszerlegungen, ein- und mehrstimmig
- Melodien transponieren (Oktaven, Terzen, Sexten, Umkehrungen)
Körperhaltung:
- Aufrechte Sitzposition
- Handhaltung/Fingerstellung: Rund und locker – Finger sollten nicht flach aufsetzen
Haltung des Instrumentes:
- Riemen: Ein oder zwei Riemen (unterschiedliche Handhabung)
Fingersatz:
- Variabel einsetzbar, je nach Lehrkraft und anatomischen Voraussetzungen der SchülerInnen
- Von 1 bis 5 gezählt, kann im Notenbild notiert werden.
- Ein melodiöses, technisch versiertes Spiel erfordert genau überlegte Fingersätze.s
6. Kultur-, musikhistorisches und musikkundliches Wissen
Die Steirische Harmonika wurde ab der Mitte des 19. Jahrhunderts durch reisende
Künstler im alpenländischen Raum verbreitet (damals Tanz- und Gebrauchsmusik).
Die Steirische Harmonika kann im weltlichen und kirchlichen Jahreskreislauf für alle
musikalisch umrahmten Bräuche, Feierlichkeiten und Anlässe verwendet werden!
Entwicklungsgeschichte der Steirischen Harmonika – siehe Literaturverzeichnis.
7. Lebendiger Unterricht und vielfältige Unterrichtsformen
Einzel-, Partner-, Gruppen-, Ensemble- und Klassenunterricht
Methodische Flexibilität bezieht sich auch auf die Unterrichtsformen – diese sind
weder grundsätzlich gut noch schlecht, sondern lediglich danach zu beurteilen, ob sie
in Bezug auf die definierten Intentionen und die anstehenden Inhalte zielführend sind.
Auch wenn zunehmend neue Unterrichtsformen den traditionellen Einzelunterricht
ergänzen: Eine wichtige Quelle positiver persönlicher und musikalischer Entwicklung
der SchülerInnen an einer Musikschule ist eine persönliche, vertrauensvolle und
beständige Beziehung zu ihren LehrerInnen.
Einzelunterricht
Der Vorteil des Einzelunterrichts liegt darin, dass genügend Zeit zur Verfügung steht,
um auf die SchülerInnen persönlich einzugehen, was zu einem schnelleren Lernerfolg
führt. Der Einzelunterricht wird daher als beste Unterrichtsform zur individuellen
Förderung der SchülerInnen empfohlen. Die Kombination mit dem Partnerunterricht
ist ideal.
Partnerunterricht (2er-Formation)
Die wichtigste Voraussetzung ist, dass die beiden SchülerInnen auf gleich gestimmten
Harmonikas spielen. Grundsätzlich ist der Partnerunterricht durchführbar und auch
der Unterrichtserfolg ist positiv, da ein gruppendynamisches Denken gefördert wird
(Harmonikaduo).
- Taktvolles „Miteinander-umgehen“, Mitspielen, Zusammenspielen, aufeinander
Hören, jede/jeder hat eine wichtige „Rolle“.
Gruppenunterricht
Der Gruppenunterricht ist grundsätzlich möglich, jedoch auf längere Sicht schwer
durchführbar, da sich die SchülerInnen unterschiedlich schnell entwickeln. Ein
Problem stellen mitunter die unterschiedlichen Stimmungen der Instrumente dar.
Ensembleunterricht
Die Steirische Harmonika ist sehr gut einsetzbar für das Melodie- und Begleitspiel und
in verschiedenen Ensembles in unterschiedlichsten Besetzungen (siehe Punkt 2). Der
Unterricht soll auch für die Praxis in verschiedenen Volksmusikgruppen vorbereiten.
Der Gruppen- und Ensembleunterricht ist grundsätzlich in allen Stufen möglich,
besonders zur Gestaltung von Vorspielstunden, aber auch für Teilnahmen an
Wettbewerben. SchülerInnen unterschiedlicher Stufen werden so bewusst in Gruppen
und Ensembles integriert, was den Teamgeist fördert.
Die Wahl der Vermittlungsform (Gehör, Griffschrift, Normalnotation) hängt von der
Unterrichtsform ebenso ab wie vom jeweiligen Lerntyp bzw. Ausbildungsstand der
SchülerInnen.
Ein Beispiel für die sinnvolle Anwendung verschiedener Unterrichtsformen:
Für den Anfangsunterricht:
- Multidimensionaler Unterricht oder Partnerunterricht
In der Unterstufe:
- Je nach Lernfortschritt: Partnerunterricht in verschiedenen Kombinationen (mit
Stundenüberlappung) sowie Einzelunterricht
Ab der Mittelstufe:
- Einzelunterricht und zusätzlicher Ensembleunterricht
Eine flexible Gestaltung der Unterrichtszeit sollte möglich sein, da z.B. durch
überlappenden Unterricht das gemeinsame Spiel zweier SchülerInnen leicht
ermöglicht werden kann.
Klassenunterricht mit der Steirischen Harmonika ist aufgrund der verschiedenen
Stimmungen nicht durchführbar.
8. Übeformen/Übepraxis
- Vermittlung von sinnvollem und regelmäßigem Üben je nach Leistungsstufe:
- Jeden Tag eine oder mehrere Einheiten („mehrmals kurz ist besser als einmal lang“)
- Wenn möglich in kleineren Einheiten üben (z.B. Übeeinheiten auf den Tag
verteilt, Länge dem Alter angepasst)
- Analytisches Denken schulen
- Ursache für Probleme finden („Üben wollen“ und nicht „Üben müssen“)
- Mentales Üben, Konzentrationsübungen, Atmung, Grundlagen der Kinesiologie
- Was und wie soll geübt werden:
- Üben im Unterricht verständlich „üben“
- Ständig prüfen, ob die SchülerInnen die Aufgaben auch verstehen und zu Hause richtig damit umgehen können
- Hausaufgabenheft mit Übungstabelle führen (vorteilhaft)
- Kurzes konzentriertes „Lernen“ und „Üben“ als Arbeit erkennen
- Trotzdem auch die Freude am Spielen des bereits Erlernten und die Möglichkeit
des Vorspiels vor Eltern und Publikum nützen
- Rollentausch (SchülerIn ist LehrerIn, SchülerInnen unterrichten SchülerInnen –
unter Aufsicht der Lehrkraft)
- Wichtig ist auch ein geeigneter Überaum mit der notwendigen Ruhe!
- Es kann von Vorteil sein, wenn die Eltern – vor allem bei jungen SchülerInnen –
gewisse Lernabschnitte im Unterricht mitverfolgen.
Der Druck im Unterricht darf nicht zu groß sein. Zu großer Ehrgeiz der Eltern muss
gebremst werden. Hier ist die Kommunikation zwischen LehrerInnen und Eltern sehr
wichtig. Was das Übungspensum anbelangt, muss auch auf etwaige Probleme (z.B.
Schulwechsel, private Probleme etc.) Rücksicht genommen werden.
Das Herausschreiben von schwierigen Passagen (als Fingerübung) aus einem Stück
kann sehr hilfreich sein. Erübtes muss oft in einer Ruhepause „heranreifen“. Es kann
ruhig einmal eine „Übungsstunde“ eingeschoben werden.
Die SchülerInnen sollten eine Repertoireliste anlegen, aus der auch in der Musikstunde
immer wieder Stücke wiederholt werden, nach Möglichkeit auswendig. Auch der
öffentliche Auftritt ist eine Art des Übens. Die LehrerInnen sollten die SchülerInnen
motivieren, diverse Familienfeste oder sonstige Gelegenheiten als
Auftrittsmöglichkeiten zu nützen. Die Harmonika eignet sich als publikumwirksames
Instrument besonders gut dafür.
9. Einbeziehung und Mitarbeit der Eltern
Die Eltern sind für die notwendigen Rahmenbedingungen zuhause verantwortlich:
- Für einen angenehmen Übungsplatz (ruhiger Ort, gutes Licht, geeigneter
Notenständer – ein Platz, an dem das Instrument stehen gelassen werden kann)
- Für ein funktionsfähiges, ordentliches Instrument (z.B. rasche Erledigung bei
Instrumentenschäden)
- Für die Anschaffung der notwendigen Literatur
Eltern sollen zum Üben animieren und motivieren und positiv bestärken:
- Eltern üben eventuell auch mit, vor allem im Anfangsstadium
- Aufmerksames Zuhören der Eltern steigert die Motivation und das Interesse der
Eltern führt zu einem stärkeren Interesse der Kinder (siehe auch Punkt 8)
- Aktive Einbindung der Eltern in den Übeprozess (Eltern könnten in
Zusammenarbeit mit den LehrerInnen eine Übe-Tabelle führen – z.B. tägliche
Übezeit eintragen)
Unterstützung und Mitwirkung bei musikalischen Aktivitäten:
- Wenn die Möglichkeit zur Gründung einer Familienmusik besteht, ist dies auf
jeden Fall von Vorteil, da man sich gegenseitig motivieren kann.
- Aktive Integration der Eltern in den Unterricht (Familienmusik, Familienanlässe für
Vorspiel der Kinder nutzen etc.)
- Bereitschaft und Unterstützung der Eltern für zusätzliche Aktivitäten während der
musikalischen Ausbildung (z.B. Konzerte, zusätzlicher Unterricht, Vorspielstunden, Buffet etc.)
- Den Eltern soll die Wichtigkeit ihres Interesses am Fortschritt ihres Kindes bewusst
gemacht werden (z.B. die Anwesenheit bei Konzerten).
Kommunikation LehrerInnen – Eltern:
- Informationsblätter eignen sich gut für die regelmäßige Information der Eltern.
- Bei Elternsprechtagen oder Elternabenden können die Eltern über die musikalische
Entwicklung ihres Kindes informiert werden.
- In Einzelgespräche können gemeinsam Lösungen gefunden werden, wenn es
Probleme im Unterricht gibt oder die SchülerInnen schwer motivierbar sind.s
10. Vorbereitung und Nachbereitung des Unterrichts
Vorbereitung
Trotz einer guten Vorbereitung sollte die Spontaneität im Unterricht erhalten bleiben.
Auf besondere Wünsche der SchülerInnen soll eingegangen werden und im Unterricht
kann auch einmal etwas Unvorbereitetes erarbeitet werden.
- Stückauswahl entsprechend dem Leistungsstand der SchülerInnen (auch
Bearbeitungen und verschiedene Interpretationsmöglichkeiten bzw. Aufnahmen
miteinander vergleichen, Arrangieren, Komponieren)
- Strukturierung der Unterrichtseinheit: Einspiel-, Lern-, Spiel-, Übe- und
Wiederholphasen
- Zeitmanagement für Unterrichtseinheiten, Konzerte und Vortragsabende
- Organisation der Infrastruktur (der Unterrichtform entsprechende Räumlichkeiten)
- Kurzfristige (wöchentliche) und langfristige (Semester) Ziele planen und
dokumentieren (Katalog)
- Organisation und Zusammenarbeit mit LehrerInnen anderer Instrumentengruppen,
um vielfältige Ensembles gestalten zu können (Instrumentenspezifisches muss im
Einzelunterricht mit den entsprechenden FachlehrerInnen vor dem gemeinsamen
Ensembleunterricht vorbereitet werden, weshalb die Kommunikation wichtig ist.)
Nachbereitung
- Dokumentation (Eintragen in den Katalog)
- Hausübungen ins Heft eintragen
- Mit den SchülerInnen Proben und Unterrichtseinheiten nachbesprechen
- Reflexion der eigenen Unterrichtstätigkeit
- Konzerte und Seminare besuchen
11. Lernziele/Bildungsziele (nach Entwicklungsstufen/Leistungsstufen)
Musik hat die Aufgabe, dem Menschen Entspannung und Freude zu bereiten. Vor
allem das Musizieren im privaten Bereich bringt Freude, Ruhe und Gelassenheit. In
musikalische Welten einzutauchen, ist ein besonderes Erlebnis und soll unabhängig
vom technischen und musikalischen Können ein Gefühl der Freude bereiten.
Das Streben nach mehr liegt in der Natur des Menschen, wobei verschiedene
Umstände (wie z.B. Talent, Zeit zum Musik lernen, Üben) das Lerntempo beeinflussen.
Vor allem erwachsene SchülerInnen müssen sich dieselbe Zeit nehmen können wie
Kinder oder Jugendliche. Spätberufene machen Musik vorwiegend zur eigenen
Freude. Kinder und Jugendliche sollen sich in der musikalischen Ausbildung selbst
kennenlernen und zum eigenständigen Musizieren hingeführt werden. Die
persönlichen Charakterzüge sollen sich in der Interpretation der Stücke widerspiegeln.
Dazu müssen die LehrerInnen bereit sein, den SchülerInnen eine freie Entwicklung zu
ermöglichen.
Bei SchülerInnen, bzw. Jugendlichen mit Berufsabsichten werden die Lern- und
Bildungsziele von den Aufnahmebedingungen der Universitäten und Konservatorien
vorgegeben. Aber auch hier sollte die Musik – trotz des professionellen Anspruchs –
„Freude machen“.
Lernziele
- SchülerInnen den Aufbau des Instruments erklären, d.h. Möglichkeiten und
Umfang des Instruments den Leistungsstufen entsprechend zeigen
- Praktisches und theoretisches Grundwissen in den einzelnen Leistungsstufen
- Kontinuierlicher Aufbau von einfachen, periodischen Melodien bis hin zu allen
Volksmusik-Gattungen (Polka, Walzer, Ländler, Boarischer etc.), sowie
Konzertmärschen und konzertanten Vortragsstücken für weltliche und geistliche
Anlässe
- Stücke nach Gehör erarbeiten
- Auseinandersetzung mit Griffschrift und Normalnotation
- In gewissen Zeitabständen theoretische und praktische Prüfungen ablegen
- Teilnahme an Wettbewerben
Bildungsziele
- SchülerInnen sollen ihren eigenen musikalischen Geschmack entwickeln und auch
geschult werden, die Stile voneinander zu unterscheiden
- Kennenlernen der vielfältigen Literatur
- In verschiedenen Ensembles mitwirken
- Allgemeines theoretisches, musikkundliches Wissen erwerben (Musikgeschichte,
Entstehungsgeschichte des Instruments)
- Erkennen der Möglichkeiten des Instruments, da das Instrument auf wenige
Tonarten (Quintenzirkel) beschränkt ist und Chromatik nur zum Teil möglich ist
- Bestärken zum Aufrecht-Erhalten und zur Pflege der traditionellen Spielweise und
Literatur
- Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl stärken
- Zum eigenständigen Auftreten und Vorspielen animieren und motivieren
- Die SchülerInnen sollen am Ende ihrer Ausbildung selbstständig agieren können.
(Stücke sollen selbst nach Gehör und Griffschrift erarbeitet, Aufgaben in einer
Volkstanzgruppe selbstständig bewältigen werden können.)
Ziele allgemein:
- Mit dem Spiel des Nachschlages als wichtigem Instrument für das „Stufenhören“
ist möglichst bald zu beginnen.
- Transponieren einer Melodie nach Gehör (entsprechend den Leistungsstufen)
- Auf ruhige Balgführung ist zu achten. (Erlernen spezieller Balgtechniken)s
Elementarstufe
- Grundlagen am Instrument
- Allgemeinmusikalische Grundlagen
Unterstufe
- Ensemblefähigkeit
- Eigene Auftritte
- Volkstänze und Lieder
- Grundlegende Begleitfähigkeit (I, IV, V)
- Hören von Hauptstufen
- Repertoire (solistisch, breit gefächert)
Mittelstufe
- Fortführung und Ausbau der Themen aus der Unterstufe
- 3. Stimme spielen
- Einfache Lieder nachspielen
- Einfache Vor- und Zwischenspiele improvisieren
- Zu eigenen Auftritten motivieren und zur Selbstständigkeit erziehen
- Einstimmige Melodien finden
- Besuch von Seminaren und Veranstaltungen
Oberstufe
- Normalnotation lesen
- Leichte Stücke selbst arrangieren
- Volksmusik anderer Länder
- Improvisation (freies Musizieren)
In allen Ausbildungsstufen sollen Tonleitern, Terzen und Sexten dem
Schwierigkeitsgrad entsprechend und nach den Möglichkeiten des Instrumentes in den
Unterricht einfließen.
12. Empfehlungen für Übertrittsprüfungen
Es gibt in den Bundesländern unterschiedliche Modelle zum Lernerfolgsnachweis.
Die hier angegebenen Vorgaben sollen nur als mögliche Rahmenbedingungen
verstanden werden. Bezüglich des Schwierigkeitsgrads der Prüfungsstücke in den
einzelnen Stufen sind in der Literaturliste Empfehlungen angegeben.
Für alle Prüfungen gilt:
Ausschlaggebend für die Bewertung ist die musikantische Spielweise und
Sicherheit des Bühnenauftrittes.
Elementarprüfung
(von der Elementar- in die Unterstufe)
Diese kann – eventuell in Form eines Vorspiels – am Ende der Elementarstufe stehen.
1. Übertrittsprüfung
(von der Unter- in die Mittelstufe)
- Dauer: ca. 10 Minuten
- Mindestens 4 Stücke unterschiedlichen Charakters
- 1 Ensemblestück (zumindest ein Duo)
- Schwierigkeitsgrad – siehe Literaturliste
2. Übertrittsprüfung
(von der Mittel- in die Oberstufe)
- Dauer: ca. 15 Minuten
- 5 verschiedene Stücke unterschiedlichen Charakters
- 1 Ensemblestück (zumindest ein Duo)
- Schwierigkeitsgrad – siehe Literaturliste
Abschlussprüfung
(am Ende der Oberstufe)
- Dauer: ca. 20 Minuten
- 6 verschiedene Stücke unterschiedlichen Charakters
- 1 Ensemblestück (zumindest ein Duo)
- Schwierigkeitsgrad – siehe Literaturliste
Vor allem bei SchülerInnen, die ein Studium anstreben, sollen Schwierigkeitsgrad und
Niveau den Aufnahmekriterien an einer Musikuniversität oder einem Konservatorium
entsprechen.
13. Besondere Hinweise zum „frühinstrumentalen Unterricht“ und zum Unterricht mit
„jugendlichen und erwachsenen AnfängerInnen“
Frühinstrumentaler Unterricht
- Schul- bzw. Kinderinstrumente werden von den meisten InstrumentenbauerInnen angeboten, es handelt sich dabei um zweichörige, dreireihige Instrumente mit geringem Gewicht.
- Es ist von Vorteil, wenn die Kinder beim Unterrichtsbeginn bereits lesen können. Der Besuch einer Musikalischen Früherziehung ist empfehlenswert.
- Optimales Einstiegsalter: 2. Volksschulklasse, wobei auch ein früherer Beginn möglich ist – abhängig von den körperlichen Voraussetzungen und der geistigen Reife des Kindes.
- Bei einem Beginn im Kindergartenalter: nur behutsame Vorgangsweise unter Einbeziehung der musikalischen Früherziehung, spielerischer Übergang zum Instrument.
- Es ist von Vorteil, wenn Eltern beim Anfangsunterricht gelegentlich anwesend sind, um das Kind zu Hause beim Spielen und Üben zu unterstützen.
- Die Zusammenarbeit mit der Elementaren Musikpädagogik ist sinnvoll. (Vorstellen von volkskulturellen Inhalten und Werbung für die Steirische Harmonika.)
Unterricht mit jugendlichen und erwachsenen AnfängerInnen
- Im Anfangsunterricht mit Jugendlichen und Erwachsenen sind dreireihige und vierreihige Instrumente möglich.
- Die Vorstellungen, Erwartungen und Ziele von SchülerInnen und LehrerInnen sollen besprochen werden.
- Auf die Vorlieben und Vorstellungen der jugendlichen und erwachsenen AnfängerInnen soll bei der Stückeauswahl besondere Rücksicht genommen werden.
- Sorgfältige Auswahl der Schulwerke – Verwendung von regional überlieferten Melodien, um den AnfängerInnen durch bekannte Melodien den Zugang zum Instrument und zur Literatur zu erleichtern.
Grundsätzliches:
- Generell gilt es, individuelle Lehrmodelle zu entwickeln (links-rechts, rechts-links,
gleichzeitig)
- Unterrichtsmethoden sind an Bedürfnisse und Möglichkeiten der SchülerInnen
anzupassen.
- Ensembleunterricht soll möglichst früh angeboten werden.
14. Hinweise zum Unterricht mit „Menschen mit Behinderung“
Die Entscheidung, ob ein Kind mit Behinderung unterrichtet werden kann, sollte bei
den LehrerInnen liegen. Der Besuch einer Fortbildung auf diesem Gebiet ist
empfehlenswert. LehrerInnen und SchülerInnen müssen bereit sein, sich dieser
Herausforderung zu stellen, eine aktive Beteiligung der Eltern ist dabei
hilfreich.
Im Vordergrund steht das kreative Musizieren ohne Lehrplanbindung.
- Menschen mit Behinderung können je nach Art der Behinderung durch langsames Begreifen und Verstehen das Instrument erlernen, eine Schnupperphase wird empfohlen.
- Hilfsmittel wie z.B. Aufkleber, Farben oder großes Notenbild sind sehr hilfreich
- Musik kann therapeutisch wirken – eine klare Abgrenzung zur (Musik)Therapie ist nötig.
- Sehbehinderungen stellen kein Problem dar, da durch die Dreiklangsmelodik das Erlernen über das Gehör sehr gut möglich ist – Blickkontakt zum Instrument ist nicht notwendig. Die Orientierung erfolgt über den Tastsinn und das Gehör.
- Das Instrument ist auch beim Fehlen eines Fingers oder Fingerglieds erlernbar. Auch Prüfungen können bis zu einem gewissen Grad absolviert werden.
- Hyperaktive Kinder können durch das „schnelle Klangerlebnis der Mehrstimmigkeit“ fasziniert und begeistert werden. Es besteht die Möglichkeit, die Konzentration und Aufnahmefähigkeit zu fördern.
- Unterricht mit LegasthenikerInnen ist möglich.
15. Instrumentenkundliches (Sonderformen, Pflege, Kauf, ...)
Die Steirische Harmonika gehört zur Familie der diatonischen Instrumente.
Die Standardausführung verfügt über dreieinhalb Oktaven auf der Melodieseite,
Grundbässe, Terzbässe und entsprechende Akkorde.
Sonderformen
Es gibt unterschiedliche Basssysteme und auch auf der Melodieseite gibt es zusätzliche
Halbtöne, die den Tonumfang und das spielbare Repertoire erweitern.
Pflege und Kauf
- Die Instrumente sollten keinen extremen Temperatur- und
Luftfeuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt werden.
- Vor dem Instrumentenankauf sollten die LehrerInnen beraten:
- Welche Anforderungen muss das Instrument erfüllen?
- Welche Anforderungen haben wir als LehrerInnen an das Instrument im Unterricht?
- Beim Kauf sollte auf Folgendes geachtet werden:
- Das Instrument soll gut gestimmt sein.
- Die Mechanik muss funktionieren (der Tastenhub ist richtig eingestellt).
- Vor- und Nachteile der Bauart einer Mechanik
- Geeignete Stimmung (z.B. zum Musizieren mit Saiteninstrumenten eher
(Kreuztonarten, zum Musizieren mit Blasinstrumenten eher B-Tonarten)
- Verschiedene Tremoli der Stimmzungen beachten (je nach Einsatz, ob
(Saitenmusik oder Blasmusik)
- Verschiedene Basssysteme
- Mehr Möglichkeiten und zusätzliches Repertoire bei vierreihigen Instrumenten
(im Vergleich zu dreireihigen Instrumenten)
Die Stimmung sollte nach einigen Jahren überprüft und das Instrument gewartet
werden.
16. Fachspezifische Besonderheiten
Die Steirische Harmonika ist das Volksmusikinstrument der alpenländischen
Volksmusik und als Solo- und Ensembleinstrument gleichermaßen geeignet.
Es gibt individuelle und regionale Unterschiede bezüglich der Spielweise
(„Interpretation“) der Musikstücke. Die Eigenschaft, sich ein Musikstück
„zurecht-zu-richten“, spielt in der volksmusikalischen Tradition und Spielpraxis
eine bedeutende Rolle.
Funktion und Aufbau des Instruments:
- Steirische Stimmung (eine Reihe entspricht einer Tonart)
- Wechseltönig (Zug und Druck ergeben verschiedene Töne)
- Helikonbässe
Haltung des Instrumentes:
- Aufrechte Sitzposition
- Ein oder zwei Riemen
Stimmungen des Instrumentes:
- Dreireihige Instrumente in:
C – F - B / B – Es - As / G – C - F / A – D - G / Cis – Fis - H / H – E - A
- Vierreihige Instrumente in:
G – C – F - B / F – B – Es - As / B - Es – As - Des / A – D – G - C / Gis – Fis – Cis - H / C– F – B - Es