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Lehrplan
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Über diesen Lehrplan
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Fachspezifischer Teil - Komposition
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 Lehrplan Komposition – Kurze Übersicht und Wer hat mitgearbeitet
1. Musikrepertoire – inhaltliche Breite
Musik ist allgegenwärtig: komponiert, improvisiert, überliefert, produziert – in allen Zeiten und Kulturen. Komposition bewegt sich an der Schnittstelle zwischen dem flüchtigen musikalischen Gedanken und dessen Festhalten bzw. weiterer Ausgestaltung.
Der daraus abgeleitete Kompositionsbegriff beinhaltet Musik verschiedenster stilistischer und kultureller Herkunft und den damit verbundenen Traditionen. Gegenstand des Unterrichts ist die von der Schülerin/vom Schüler komponierte Musik.
2. Kompositionsformen
Komponieren umfasst unterschiedlichste situative und kontextabhängige Formen, die sich in genretypischen Settings widerspiegeln.
Die Bandbreite der Produktionsformen reicht vom Komponieren als Herstellung eines Notenmaterials für adäquate Interpretationen bis zum Fixieren improvisatorischer Prozesse.
Das stilistische Spektrum umfasst z.B. Werke aus den Bereichen: klassische/experimentelle Besetzung, Elektronik, Singer-/Songwriting, Musiktheater, Instant Composing, E-Composing, Jazz/Pop/Rock-Komposition, Filmmusik, Tanzmusik, ...
In den verschiedenen Genres kann Musik sowohl von Einzelpersonen als auch von Gruppen komponiert werden.
3. Eignung, Lernvoraussetzung
Für einen gelingenden Kompositionsunterricht ist Neugierde und Motivation zum Erfinden von Musik der grundlegende Impuls.
Weitere Voraussetzungen können sein:
4. Ganzheitliche Pädagogik
Kompositionsunterricht als Ausdruck umfassender Entfaltung kreativen Potentials ist unabdingbar mit dem Einsatz unterschiedlicher Sinne (auditiv, visuell, taktil) und Emotionen verbunden. Ausgehend vom Hören (als Entwicklung einer inneren Klangvorstellung auf der Basis äußerer Höreindrücke) erfasst der Kompositionsunterricht den ganzen Menschen.
Diese Ganzheitlichkeit spiegelt sich im Kompositionsunterricht in Tätigkeiten wie Zuhören, Improvisieren, Schreiben (Komponieren, Arrangieren, …), Musizieren, sich zu Musik bewegen, Konzerte besuchen/organisieren/programmieren, … wider. In diesem Sinne ist auch die Herstellung von Bezügen zu verwandten Künsten wie Literatur, bildender Kunst, Theater, Tanz, ... im Rahmen des Kompositionsunterrichts anzustreben. Ein ganzheitlich orientierter Musikkunde-Unterricht als Vorkenntnis bzw. Begleitung unterstützt diesen Zugang optimal.
5. Körper und Instrument, Technik
6. Kultur-, musikhistorisches und musikkundliches Wissen
Kompositionsunterricht an Musikschulen bewegt sich in einer Balance zwischen der Entwicklung und Förderung kompositorischer Anliegen der Schülerinnen und Schüler und der Erschließung der dafür notwendigen handwerklichen Werkzeuge (bezogen auf die Musik- bzw. Kompositionshistorie sowie auf unterschiedliche (Musik-)Kulturen).
Gegenstand des Unterrichts sind daher neben dem eigenen Schaffen auch Analysen von Musikstücken anhand genrerelevanter Parameter, das Herstellen von musikgeschichtlichen und musikkundlichen Kontexten, die Beschäftigung mit Musik anderer Kulturkreise, ... – bevorzugt in praxisbezogener Form. Der flexible Umgang mit und das kreative Verbinden von unterschiedlichen Stilen und/oder Epochen können den kompositorischen Prozess bereichern.
7. Lebendiger Unterricht und vielfältige Unterrichtsformen
Im Kompositionsunterricht ist eine Verknüpfung von Einzel- und Gruppenunterrichtsformen mit ihren jeweils spezifischen Vorteilen bzw. Schwerpunkten anzustreben.
Konkrete Unterrichtsmodelle können sein:
Eine Öffnung des Kompositionsunterrichts zu anderen Fachbereichen der Musikschule ist nicht nur erwünscht, sondern essentiell. Diese kann beispielsweise erreicht werden durch:
Darüber hinaus sind Kooperationen mit der kommunalen Bildungslandschaft (Regelschulen, Kindergärten, …), Vereinen (Chöre, Musikkapellen, …), Konzertveranstaltern sowie mit Konservatorien und Musikuniversitäten in Form von Projekten, Workshops, Austauschkonzerten, … bereichernder Bestandteil eines lebendigen und praxisorientierten Unterrichts.
8. Übeformen/Übepraxis
Kompositorisches Üben bedeutet: den Prozess von der ersten Idee bis zur Realisierung eines Musikstücks immer wieder zu durchlaufen und dabei Erfahrungen zu sammeln. Die Persönlichkeit der Lehrerin/des Lehrers fördert dabei einerseits die selbständige Entscheidungsfindung der Schülerinnen und Schüler und bereichert andererseits den Unterricht durch Übungen mit genreadäquatem Material.
Die Übepraxis unterscheidet sich nicht grundlegend von jener im instrumentalen/vokalen Bereich. Daher sind auch die Empfehlungen zur praktischen Durchführung des Übens analog zu sehen (Räumlichkeiten, Zeitfenster, Ungestörtheit, …). Eine regelmäßige und intensive Beschäftigung mit der Materie führt zu Fortschritt und Erfolgserlebnissen. Auch eventuelles Scheitern und Neuanfänge können dabei als Fortschritt gewertet werden.
9. Einbeziehung und Mitarbeit der Eltern
Die Einbeziehung und Mitarbeit der Eltern in den Unterricht ist wünschenswert und gerade im jüngeren Alter der Schülerinnen und Schüler oft entscheidend.
Mögliche Formen der Einbeziehung bzw. Mitarbeit sind:
Eine regelmäßige Elternarbeit (Information über den aktuellen Stand des Unterrichts bzw. aktuelle Projekte, Abstimmung von Zielen und Erwartungshaltungen, Austausch über Übepraxis, Einladung zur Anwesenheit im Unterricht, …) unterstützt diese Einbindung und wirkt sich positiv aus.
10. Vorbereitung und Nachbereitung des Unterrichts
Die Vorbereitung umfasst insbesondere:
Die Nachbereitung umfasst insbesondere:
Natürlich ist (bei aller Stringenz der Planung) das im Blick behalten wechselnder Interessen oder Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler sowie die flexible Reaktion darauf von großer Bedeutung.
11. Lernziele/Bildungsziele (nach Entwicklungsstufen/Leistungsstufen)
Die Bildungsziele des Lehrplans Komposition orientieren sich unter anderem an den fünf vom Internationalen Musikrat beschlossenen Musikrechten (Five Music Rights, International Music Council, 2001).
Für den Lehrplan Komposition bedeutet dies: Das Prinzip der Freiheit und der Vielfalt von musikalischen Ausdrucksformen sowie das Recht der Bevölkerung auf Zugang zum musikalischen Schaffen möglich zu machen. Weiters sollen das Bewusstsein bezüglich der Nutzung von Medien sowie das Recht auf Anerkennung und Vergütung kreativer Arbeit Gegenstand des Unterrichts sein.
Die konkreten Lernziele orientieren sich an folgenden acht Kernkompetenzen:
Ziel des Unterrichts ist es, diese Kompetenzen zu erkennen, altersadäquat zu fördern und zu entwickeln sowie dabei den Horizont zu erweitern und Grenzen zu öffnen.
12. Empfehlungen für Übertrittsprüfungen
Für die Durchführung der Übertrittsprüfungen wird auf die spezifischen Regelungen in den Bundesländern verwiesen. Die folgenden Ausführungen sind Rahmenbedingungen für Übertrittsprüfungen im Fach Komposition.
Elementarprüfung
Erste Übertrittsprüfung (kommissionell)
Durchführung:
Ziel ist es, die Stücke im Musikschulkontext aufzuführen. Die Stücke können (abhängig vom Schwierigkeitsgrad) von Schülerinnen oder Schülern der Musikschule gespielt werden. Die Komponistin/der Komponist kann auch selbst Ausführende/Ausführender sein.
Zweite Übertrittsprüfung (kommissionell)
Durchführung:
Ziel ist es, die Stücke im Musikschulkontext aufzuführen. Die Stücke können (abhängig vom Schwierigkeitsgrad) von Schülerinnen oder Schülern der Musikschule gespielt werden. Die Komponistin/der Komponist darf zumindest bei einem Stück nicht selbst Ausführende/Ausführender sein.
Abschlussprüfung (kommissionell)
Durchführung:
Ziel ist es, die Stücke im Musikschulkontext aufzuführen. Die Stücke können (abhängig vom Schwierigkeitsgrad) von Schülerinnen oder Schülern der Musikschule gespielt werden. Die Komponistin/der Komponist darf zumindest bei einem Stück nicht selbst Ausführende/Ausführender sein.
Vorschlag für die Kommissionsbesetzung bei Prüfungen:
  1. Vorsitz: Musikschulleiterin/Musikschulleiter oder Stellvertretung
  2. Hauptfachlehrerin/Hauptfachlehrer
  3. Fachkundiger Beisitz
Empfehlung für die zweite Übertrittsprüfung und die Abschlussprüfung: eine Lehrkraft für Komposition, eine Komponistin/ein Komponist oder eine Lehrkraft, die durch ihr praktisches Tun an der Musikschule das Erfinden von Musik gezielt fördert
13. Besondere Hinweise zum „frühinstrumentalen Unterricht“ und zum Unterricht mit „jugendlichen und erwachsenen AnfängerInnen“
Die Methoden der Elementaren Musikpädagogik sind für Menschen jeden Alters und Könnens geeignet, um in einen Prozess des Auseinandersetzens mit bzw. Erfindens von Musik zu kommen.
Kompositionspädagogische Angebote für Vorschulkinder sollten deshalb Ansätzen der EMP folgen und diese individuell zur Entfaltung bringen (zum Beispiel in Modellen der „Musikwerkstatt“ im Teamteaching von Komponistin/Komponist und EMP-Pädagogin/EMP-Pädagoge).
14. Hinweise zum Unterricht mit „Menschen mit Behinderungen“
Beeinträchtigungen sind kein Ausschließungsgrund. Ebenso wie der Instrumental-/ Gesangs-/Tanzunterricht ist der Kompositionsunterricht geeignet, auch Menschen mit Behinderungen einen Zugang zur schöpferischen Auseinandersetzung mit Musik zu schaffen (z.B. kann der Einsatz von Notationssoftware für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung eine Möglichkeit sein, Musik schaffende Fähigkeiten zu entwickeln und auszuüben).
15. Instrumentenkundliches
Bereits das Anfangsinstrument muss von guter Qualität sein!
Für eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit Komposition bedarf es eines umfassenden instrumentenkundlichen Wissens wie zum Beispiel Funktionsweisen, Tonumfänge, Einsatzmöglichkeiten, Spieltechniken, ... .
Anzustreben ist in daher eine Verknüpfung mit den Instrumental-/Gesangs-/Tanzklassen der Musikschule: Wissenserwerb bzw. -verknüpfung durch gegenseitige Besuche, praktisches Erleben durch gemeinsame Projekte.
16. Fachspezifische Besonderheiten
a) Um eine Komposition von der ersten Idee bis zur Realisierung (Aufführung, Studioproduktion) begleiten zu können, braucht es u.a. folgende Fähigkeiten, die im Unterricht altersadäquat vermittelt werden sollen:
b) Sowohl die Breiten- als auch die Begabtenförderung sollen überregional durch geeignete Veranstaltungen unterstützt werden:
c) Die österreichweite Vernetzung kompositionspädagogischer Initiativen wird angeregt.
 KOMU - Konferenz der österreichischen Musikschulwerke
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