Fachspezifischer Teil - Orgel
1. Repertoire – inhaltliche Breite
Auf der Orgel ist eine große Bandbreite an Repertoire – auch in der Unterstufe –
problemlos realisierbar. Dazu kommt die faszinierende Welt der Improvisation.
Ausgangspunkt sollte eine gute Orgelschule sein, die durch andere Schulen und auf
die SchülerInnen abgestimmte Literatur ergänzt wird.
- Traditionelles Orgelrepertoire
- Liturgisches Orgelspiel
- Choralsätze (Gotteslob und Evangelisches Gesangsbuch)
- Improvisation (frei und choralgebunden)
- Randbereiche
- Arrangements
- Transkriptionen
- Volksmusik (sakrales Liedgut)
Anmerkung zum liturgischen Orgelspiel:
Das liturgische Orgelspiel war im bisherigen Lehrplan nur in der Mittelstufe als
Unterrichtsinhalt explizit vorgesehen. Da davon auszugehen ist, dass viele
OrgelschülerInnen in Gottesdiensten spielen oder spielen werden, sollte das liturgische
Orgelspiel in allen Stufen berücksichtigt werden.
2. Musizierformen
Den größten und bedeutendsten Teil nimmt im Musikschulbereich das
solistische
Orgelspiel ein, das stilistisch nicht eingeschränkt werden soll. Dieses kann und soll
durch die unten angeführten Bereiche ergänzt werden.
- Orgel vierhändig
- Orgel-Kammermusik:
- Orgel mit einem oder mehreren anderen Instrumenten in unterschiedlicher Besetzung
- Orgel mit Gesang
- Orgel als Continuo-Instrument
- Liturgie/Gemeindegesang/Messgestaltung:
Eine typische Musizierform ist die Begleitung des Gemeindegesanges
(Volksgesanges). Hier muss das „akustische Dirigieren“ intensiv geübt werden, um
der singenden Gemeinde rein akustisch klare Einsätze, Atemmöglichkeiten und
Pausen anzugeben. Ebenso wichtig ist das Musizieren mit KantorInnen, meist über
größere Entfernungen hinweg.
3. Eignung, Lernvoraussetzungen
Die SchülerInnen sollten vom Klang der Orgel berührt sein.
Das Orgelspiel erfordert eine entsprechende Körpergröße, da sonst die
Anforderungen des Lehrplans nur bedingt erfüllbar sind. Das Pedal sollte erreicht
werden können, da ein Unterricht ohne Pedal nur bedingt sinnvoll erscheint.
Das gleichzeitige Spiel auf 2 Manualen und Pedal (Trio) – die Koordination von
Händen und Füßen – und das Lesen von drei Systemen stellen große Anforderungen
an die SchülerInnen, Vorkenntnisse sind daher wünschenswert.
Der größte Teil der traditionellen Orgelschulen setzt als technische Basis für den
Orgelunterricht Klavierkenntnisse (Literatur im Schwierigkeitsgrad leichter
klassischer Sonaten und Zweistimmiger Inventionen von J. S. Bach) voraus. Es ist
möglich, den Orgelunterricht auch ohne oder mit geringeren Klavierkenntnissen zu
beginnen – ein Weg, der allerdings sehr mühsam sein kann und nur von wenigen
SchülerInnen mit entsprechenden Fähigkeiten und großer Motivation beschritten
werden sollte.
Ein Teil der PädagogInnen sieht auch im Cembalo eine optimale Vorbereitung
und/oder Ergänzung für den Orgelunterricht.
Das alleine Üben in – meist kalten – Kirchen ist besonders für jüngere SchülerInnen
manchmal ein Problem.
4. Ganzheitliche Pädagogik
Der Orgelunterricht – der Instrumentalunterricht im Allgemeinen – vermittelt nicht
nur Fertigkeiten, sondern sollte durch den Kontakt mit dem Instrument, seiner
Literatur und seiner Geschichte die Persönlichkeitsentwicklung fördern.
Die Bedeutung des Singens – z.B. der bearbeiteten Choralmelodien – ist nicht hoch
genug einzuschätzen. Die SchülerInnen sollten die Lieder oder Kirchenlieder, die sie
begleiten, auch selbst singen können. Nicht selten muss zuerst die Singfähigkeit der
SchülerInnen hergestellt werden, da wenig Erfahrung mit dem Singen und der eigenen
Stimme vorhanden ist. Das Singen sollte im Idealfall in den Angeboten der
Elementaren Musikpädagogik und in Ergänzungsfächern (Stimmbildung, Atemtechnik
etc.) ausgebildet werden.
Die Vorbildfunktion der Lehrkraft und eine gute Kommunikation mit den
SchülerInnen sind Voraussetzungen für einen gelungenen Unterricht.
Musikalisches Lernen findet auf verschiedenen Ebenen statt: emotional, sinnlichmotorisch,
visuell, auditiv und musikalisch-analytisch. Die LehrerInnen sollten auf die
unterschiedlichen Wahrnehmungstypen eingehen.
- Die Körperwahrnehmung, die Körperarbeit und die Körperschulung der
SchülerInnen sind zu berücksichtigen. Unterstützende Übungen sind zum Beispiel:
- Mentales Training, Entspannungsübungen
- Ausgleichende Haltungsübungen
- Atmungsübungen
- Gehörbildung
- Sprechen, Singen
- Bewegung zur Musik, Rhythmusempfinden
- Die fachspezifischen Lern- und Lehrinhalte sollten auf einem breiten musikalischen
Verständnis aufbauen:
- „Praktische“ Musiktheorie: Notenlesen, Rhythmus, Gehörbildung
- Blattsspiel
- Improvisation
- Aufführungspraxis, Stilkunde
- Musikgeschichte
Der Einsatz neuer Medien (CD, Video, Computer, etc.) kann den Unterricht und die
Beschäftigung mit „Orgelthemen“ zu Hause unterstützen, Konzertbesuche sind
besonders zu empfehlen.
5. Körper und Instrument, Technik
Im Orgelunterricht ist von Anfang an unbedingt auf eine haltungstechnische
Sensibilisierung zu achten!
Das Orgelspiel beansprucht den Körper sehr, daher sind Ausgleichsübungen
besonders wichtig, um massiven körperlichen Beschwerden vorzubeugen. Dies betrifft
vor allem die Rücken- und Becken(boden)muskulatur, wobei auf
geschlechtsspezifische Unterschiede zu achten ist.
Das gleichzeitige Spiel auf 2 Manualen und Pedal in extremen Lagen macht das Finden
einer Gleichgewichtsposition schwer. Das längere Spiel auf einem weit entfernten
Manual kann unangenehm sein und zu Fehlhaltungen (z.B. hochgezogenen Schultern)
führen. Besonders bei Erwachsenen ist darauf zu achten, dass – ausgelöst durch
übergroße willentliche Anstrengung – nicht mit übergroßer Muskelanspannung und
Krafteinsatz „gearbeitet“ (starke Trakturgeräusche) statt gespielt wird und die
Muskulatur entspannt bleibt („Aktive Passivität“).
Zwischen Klangvorstellung und Körperbewegungen besteht ein Zusammenhang. Ein
gutes Gespür für pianistische Technik ist von Vorteil.
6. Kultur-, musikhistorisches und musikkundliches Wissen
Im Instrumentalunterricht sollen immer wieder Querbezüge hergestellt werden. Das
aus der Musikkunde – oder der allgemeinbildenden Schule – bekannte kultur-,
musikhistorische und musikkundliche Wissens (über KomponistInnen, Epochen,
Dichtung, Malerei etc.) kann durch den Bezug zu den erarbeiteten Stücken vertieft und
ausgebaut werden.
Die Geschichte der Orgel und die Vielfalt an Instrumenten unterschiedlicher Bauart
sollte im Unterricht vermittelt und eventuell durch Orgelfahrten (Vielfalt der
„Orgellandschaften“) vertieft werden.
(siehe Punkt 15)
Besonders für SchülerInnen, die auch in Gottesdiensten spielen, sind liturgische
Grundkenntnisse empfehlenswert.
7. Lebendiger Unterricht und vielfältige Unterrichtsformen
Einzel-, Partner-, Gruppen-, Ensemble- und Klassenunterricht
Einzel-, Partner-, Gruppen-, Ensemble- und Klassenunterricht
Methodische Flexibilität bezieht sich auch auf Unterrichtsformen – diese sind weder
grundsätzlich gut noch schlecht, sondern lediglich danach zu beurteilen, ob sie in
Bezug auf die definierten Intentionen und die anstehenden Inhalte zielführend sind.
Auch wenn zunehmend neue Unterrichtsformen den traditionellen Einzelunterricht
ergänzen: Eine wichtige Quelle positiver persönlicher und musikalischer Entwicklung
der SchülerInnen an einer Musikschule ist eine persönliche, vertrauensvolle und
beständige Beziehung zu ihren LehrerInnen.
Orgel wird hauptsächlich im Einzelunterricht unterrichtet. Dieser kann und soll durch
weitere Unterrichtsformen ergänzt, aber nicht ersetzt werden. Möglichkeiten dazu
bieten:
- Themenbezogener Projektunterricht
- Zusammenwirken mit anderen Klassen (Ensemblespiel, Kammermusik), welches
durch schuleigene Instrumente erleichtert wird.
- Besonders wertvoll für die Gemeinschaftsbildung und die Motivation sind
Exkursionen zu (historisch) interessanten Orgeln.
- Das liturgische Orgelspiel kann mit mehreren SchülerInnen gemeinsam geübt
werden (Klassenstunden).
- Partner- und Gruppenformen sind zum Beispiel bei Improvisation gut einsetzbar.
8. Übeformen/Übepraxis
„Der Übeprozess führt vom bewussten Tun zum unbewussten Geschehenlassen“.
(Jon Laukvik – sein Text zum Thema Üben aus der „Orgelschule zur historischen
Aufführungspraxis“ ist grundsätzlich sehr empfehlenswert.)
Gute
Übetechniken, die zu einem sicheren Spiel in der Öffentlichkeit führen, sind
gerade bei OrgelschülerInnen sehr wichtig. Ebenso wichtig ist auch die Erziehung zum
Selbstzuhören. Die Erstellung eines
Übeplans für regelmäßiges Üben und die
Erarbeitung der Stücke kann hilfreich sein.
- Klassische mechanische Orgeln mit einer direkt aufgehängten einarmigen Traktur
stellen die Grundvoraussetzung für das Erlernen einer „kontrollierten“ natürlichen
Spielweise dar.
- Technische Übungen und Etüden sind für die Orgel nur in beschränktem Maß
vorhanden, technische Probleme werden hauptsächlich am jeweiligen Stück
erarbeitet. Dabei ist auf gleichmäßiges Spiel und saubere Artikulation ebenso zu
achten wie auf das Mitsingen und Mitatmen der Melodie, das Verdeutlichen und
Empfinden von Bewegungsabläufen und das genaue Hineinhören in den
akustischen Raum „Kirche“.
- Das Üben im öffentlichen Raum „Kirche“ soll die Übequalität fördern.
- Das Üben mit Pleno-Registrierungen soll aus Gründen des „Gehörschutzes“ auf ein
sinnvolles Maß beschränkt bleiben.
- Typisch ist das alleine Üben in (kalten) Kirchen; hier brauchen jüngere
SchülerInnen oft die Unterstützung durch die Eltern (z.B. Mitfahren zur Kirche,
Anwesenheit beim Üben)
- Das Üben und/oder Vorbereiten der Stücke (Erarbeitung der Manualpartie) auf
dem Klavier ist möglich und empfehlenswert.
- Die Verwendung von elektronischen Instrumenten (Digitalorgeln) wird
mehrheitlich kritisch gesehen.
9. Einbeziehung und Mitarbeit der Eltern
Die Unterstützung durch die Eltern ist vor allem bei jüngeren SchülerInnen sehr
wichtig (z.B. beim Üben, Autofahrten zu Übungsorgeln). Bei Jugendlichen ist sie nur
mehr in Problemsituationen nötig.
Zur Information und Einbindung der Eltern stehen verschiedene Möglichkeiten zur
Verfügung:
- Elterngespräche
- Elternstunden
- Elternabende
- Elternbriefe und Informationsblätter
- Unterrichtsbesuche und „Mitmachstunden“
Eltern und SchülerInnen sollten zu Konzertbesuchen angeregt werden.
10. Vorbereitung und Nachbereitung des Unterrichts
Gute Unterrichtsplanung hilft wertvolle Unterrichtszeit sparen.
Bei der Konkretisierung der Bildungsziele sollen die Wünsche der SchülerInnen
beachtet und berücksichtigt werden. Die Zielsetzungen und das Erreichen der Ziele
sollten einer regelmäßigen Selbstkontrolle (Reflexion) unterliegen, wobei auch der
Erfahrungsaustausch mit KollegInnen eine Rolle spielt.
Das eigene Musizieren und Üben der Lehrkraft ist Teil der Vorbereitung und wegen
der Vorbildwirkung wichtig.
Das Schaffen adäquater Rahmenbedingungen für den Unterricht und das Üben (!) ist
gerade im Bereich Orgel manchmal aufwändig und schwierig.
Allgemeine Unterrichtsvorbereitung:
- Schülereinteilung, Administration
- Raumsituation- und Instrumenten-Check für den Unterricht
- Hilfe beim Finden von adäquaten Übemöglichkeiten für die SchülerInnen
(Kooperation mit Pfarreien etc.)
- Organisation und Vorbereitung der Unterrichtsmaterialien
Spezielle Unterrichtsvorbereitung:
- Entwicklung eines individuellen Unterrichtskonzepts für alle SchülerInnen
(Lerninhalte, Lernziele, Lernschwerpunkte)
- Elternkontakte und -gespräche (Instrument, Üben etc.)
- Gespräche mit KollegInnen zwecks Abstimmung von Ergänzungsfächern (z.B.
Theorieunterricht, Ensemble, Kammermusik)
- Schülerauftritte, Klassenabende, Vorspiele und Konzerte (auch fachübergreifend)
- Wettbewerbsteilnahmen
- Planung von künstlerischen Projekten
- Prüfungsvorbereitung – Planung, Konzeption und Durchführung von
begleitenden, pädagogischen Maßnahmen wie Vorspiele für Kandidaten, spezielle
Förderungen
11. Lernziele/Bildungsziele (nach Entwicklungsstufen/Leistungsstufen)
Elementarstufe
Die Elementarstufe spielt im Orgelbereich aus den in Punkt 3 angeführten Gründen
eine sehr geringe Rolle. Die SchülerInnen haben entweder Vorkenntnisse oder
beginnen in einem Alter, in dem der Einstieg direkt in die Unterstufe möglich ist.
Unterstufe
In der Unterstufe werden die allgemein-musikalischen und orgeltechnischen
Fähigkeiten und Fertigkeiten grundgelegt und gefestigt sowie ein grober Überblick
über verschiedene Spieltechniken, Stile und Epochen erarbeitet.
- Auf- und Ausbau der Grundtechniken
- Blattspiel, Improvisation, nach Gehör spielen
- Kleines Repertoire
- Ensemblespiel und gemeinsames Musizieren, Begleiten
- Grundlagen des Pedalspiels
- Grundbegriffe des Registrierens
Die folgenden Bereiche werden in der Unterstufe begonnen und dann in der Mittelstufe ausgebaut:
- Liturgisches Orgelspiel
- Grundkenntnisse über Orgelbau und verschiedene Traktursysteme
- Kennenlernen des unterschiedlichen Klangcharakters der verschiedenen
Pfeifenarten, der Bedeutung der Registernamen und Bezeichnungen (z.B.
Prinzipale, Flöten, Streicher, Zungen), der Gliederung der einzelnen Werke und
ihrer Kopplungsmöglichkeiten
- Musikkunde 1 (Theoriekurs „Bronze“) parallel zum Instrumentalunterricht
Mittelstufe
In der Mittelstufe werden die erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgeformt
und erweitert. Der Gestaltung größerer Werke sowie einem tieferen Einblick in die
Orgelmusik wird große Bedeutung zugemessen.
- Selbstständiges Erarbeiten eines Werkes mit überlegten Übetechniken, Fingersätzen
und Körperbewusstsein
- Offenheit für die individuelle Entwicklung
- Differenzierte Klangvorstellung, sicheres Stilempfinden
- Erweitertes Repertoire, spezifische Kenntnisse des Orgelrepertoires
- Erlangen einer größeren Stilsicherheit
- Schulung im Auftrittsverhalten und in der Selbstreflexion
- Wünschenswert wäre die Auseinandersetzung mit den Themenkreisen „Alte
Musik“ und „Zeitgenössische Musik“
- Kennenlernen der wichtigen europäischen Orgellandschaften
- Festigung und Erweiterung des kirchlichen Liedrepertoires
- Musikkunde 2 (Theoriekurs „Silber“) parallel zum Instrumentalunterricht
Oberstufe
In der Oberstufe wird exemplarisch an wichtigen Werken aus allen Epochen gearbeitet.
Sie dient den besonders Talentierten auch als Vorbereitung auf eine musikalische
Berufsausbildung, wie z.B. einem künstlerischen oder pädagogischen Studium an einer
Musikuniversität oder einem Konservatorium, einer Ausbildung als OrgelbauerIn oder
MusiktherapeutIn.
Das Niveau einer Aufnahmsprüfung für Universität oder Konservatorium sollte
prinzipiell erreichbar sein.
- Großes Repertoire
- Hoher Grad an Selbstständigkeit
- Stilistische Kenntnisse und Stilsicherheit
- Musikkunde 3 (Theoriekurs „Gold“) parallel zum Instrumentalunterricht
12. Empfehlungen für Übertrittsprüfungen
Elementarprüfung
(von der Elementar- in die Unterstufe)
Die Elementarprüfung spielt im Orgelbereich aus den in Punkt 3 angeführten Gründen
keine Rolle.
1. Übertrittsprüfung
(von der Unter- in die Mittelstufe)
- Stücke aus 3 verschiedenen Stilepochen
- Mindestens 3 Werke unterschiedlicher KomponistInnen
- 2 Choräle aus dem Gotteslob oder Evangelischen Gesangsbuch mit 2
unterschiedlich improvisierten Vorspielen sind erwünscht
- Ein Continuo- oder Kammermusikstück ist erwünscht
- Einfache Kadenzen
2. Übertrittsprüfung
(von der Mittel- in die Oberstufe)
- Stücke aus 3 verschiedenen Stilepochen
- Mindestens 3 Werke unterschiedlicher KomponistInnen, davon ein zeitgenössisches
Werk, beispielsweise
- Eine Fuge oder ein Trio
- Ein freies Werk
- Ein choralgebundenes Werk
- 2 Choräle aus dem Gotteslob oder Evangelisches Gesangsbuch mit 2
unterschiedlich improvisierten Vorspielen
- Ein Continuo- oder Kammermusikstück ist erwünscht
- Improvisation, Kompositionen
- Erweiterte Kadenzen
Abschlussprüfung
(am Ende der Oberstufe)
Die Abschlussprüfung sollte vom Schwierigkeitsgrad, vom Niveau und von der
Literaturauswahl einer Aufnahmsprüfung an eine Musikuniversität entsprechen.
- Ein größeres Werk von J. S. Bach
- Zwei Werke aus anderen Stilepochen mit unterschiedlicher formaler Struktur
- Teile der Prüfung können auch im Rahmen einer liturgischen Feier stattfinden
13. Besondere Hinweise zum „frühinstrumentalen Unterricht“ und zum Unterricht mit
„jugendlichen und erwachsenen AnfängerInnen“
Frühinstrumentaler Unterricht ist instrumentenbedingt wie in den Punkten 3 und 5
beschrieben nur schwer möglich.
Jugendliche und erwachsene AnfängerInnen spielen eine größere Rolle. Diese sind oft
gute KlavierspielerInnen, weshalb am Beginn ein besonderes Gewicht auf das
Pedalspiel gelegt wird. Bei AnfängerInnen, die schon ein anderes Instrument, aber
nicht Klavier spielen, steht die Erarbeitung der grundlegenden (Manual)Spieltechnik
im Vordergrund.
14. Hinweise zum Unterricht mit „Menschen mit Behinderungen“
Die Kirchenorgel ist für Menschen mit Behinderungen wenig geeignet. In
Ausnahmefällen (als sonderpädagogische Maßnahme) ist ein Unterricht möglich.
Möglichkeit und Ausgestaltung des Unterrichts sollten individuell entschieden
werden. Eine entsprechende Zusatzausbildung der Lehrkraft wäre wünschenswert.
Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch die Übesituation – das Instrument
steht nicht unmittelbar und jederzeit zur Verfügung.
15. Instrumentenkundliches (Sonderformen, Pflege, Kauf, ...)
Im Unterricht sollen nach Möglichkeit auch folgende Themen behandelt werden:
- Orgelbaukunde
- Grundkenntnisse des Stimmens der Zungenregister und für das Beheben kleinerer
Mängel
- Umgang mit verschiedenen Dispositionen, verschiedenen Manual- und
Pedalumfängen sowie verschiedenen Bauarten (historische und moderne Klaviatur)
- Umgang mit verschiedenen Stimmsystemen und kurzer Oktave, die eine
Einschränkungen der Literatur zur Folge haben
- Instrumentenpflege
- Entwicklung eines sicheren Stilempfindens
16. Fachspezifische Besonderheiten
Unter dem Begriff Orgel sind die verschiedenartigsten Instrumente subsumiert.
Wesentliche Merkmale einer Pfeifenorgel sind:
- Mechanik
- Anschlag
- Artikulation
- Öffnen und Schließen der Ventile = An- und Absprache
- Obertöne und Kombinationstöne
- Natürliche Lautstärke eines Registers
Diese Merkmale sind auf elektronischen Instrumenten nicht reproduzierbar und
können dort auch nicht vermittelt werden! Hammond-Orgeln, Keyboards etc. fallen in
den gesonderten Bereich der elektronischen Tasteninstrumente!
Die Literaturempfehlungen beziehen sich auf das Spiel mit Pfeifen- bzw.
Kirchenorgeln. Arrangements für Elektronik-Orgeln werden als Unterrichtsmaterial
nicht empfohlen.
Die Orgel-Didaktik ist im Anfangsbereich schlecht aufgearbeitet, es gibt wenige
Sammelbände mit systematischen Schwierigkeitsgraden, generell zu wenige
Orgelschulen. Die Lehrkraft ist in diesem Bereich besonders gefordert, die
vorhandenen Schulen durch entsprechende didaktisch wertvolle Literatur zu
ergänzen.
Da der Unterricht und das Üben meist in Kirchen stattfinden, ist eine gute
Kommunikation zwischen Lehrkraft, Direktion der Musikschule und Pfarramt zur
Organisation des Unterrichts und des Übens und zur Lösung praktischer Probleme
(Kirche besetzt etc.) erforderlich.
Ziel sollte sein, für alle SchülerInnen Übungs- und Unterrichtsmöglichkeiten an
mechanischen Instrumenten mit 2 Manualen und Pedal zu schaffen. Wo dies nicht
möglich ist, kann versucht werden, den Lern- und Lehrinhalt an die zur Verfügung
stehenden Instrumente anzupassen.