Fachspezifischer Teil - Viola
1. Repertoire – inhaltliche Breite
Die SchülerInnen sollen im Laufe der Ausbildung mit verschiedenen Stilepochen,
Strömungen und Gattungen vertraut gemacht werden (stilistische Vielfalt), wobei auf
eine Ausgewogenheit zwischen der inhaltlichen Breite und einer den SchülerInnen
entgegenkommenden Schwerpunktsetzung zu achten ist.
- Mittelalterliche Musik
- Renaissance (Kunstmusik)
- Barock
- Klassik
- Romantik
- Musik des 20. und 21. Jahrhunderts
- Eigenkompositionen
- Experimentelle Musik
- Pop, Rock
- Jazz
- Volksmusik
- Regionale Stile: Volksmusik, Kinderlieder
- Musik aus anderen Kulturen, Ethnologische Musik
- Musik mit elektronisch verfremdeten (verstärkten) Instrumenten
2. Musizierformen
- Solistisch
- Solistisch mit Begleitung
- Zwei oder mehrere Bratschen (Duo, Trio, Quartett etc.)
- Streichduo, Streichtrio, Streichquartett etc.
- Größere, gemischte und variable Besetzung
- Interaktionen mit anderen Instrumental- und Vokalgruppen sowie TänzerInnen
und SchauspielerInnen
- Kammerorchester
- Jugendorchester
- Streichorchester
- Symphonieorchester
- Popularmusik-Ensemble
- Volksmusik-Ensemble
- Klassenmusizieren
Das Musizieren im Ensemble und das kammermusikalische Musizieren sollen in
unterschiedlichen Besetzungsvarianten von Beginn an in den Unterricht integriert
werden. Dadurch werden insbesondere das Hörvermögen und das Rhythmusgefühl
geschult, aber auch die soziale Integration gefördert.
Hilfsmittel:
- Elektronische Medien
- Play alongs
- Improvisation
3. Eignung, Lernvoraussetzungen
Das frühe Erlernen der Viola ist aufgrund der Unbefangenheit und Unbeschwertheit
im Vor- bzw. Volksschulalter vorteilhaft. Durch die Entwicklungen der letzten Jahre
im Instrumentenbau (Kinderbratschen ab der Größe 1/16 – entspricht einer 1/4
Violingröße) sowie einer großen Literaturerweiterung ist der Beginn grundsätzlich ab
dem 5. Lebensjahr möglich.
Es wird empfohlen, dass die Lehrkraft die Eignung im Rahmen eines
Beratungsgespräches mit den Eltern feststellt und die notwendigen
Rahmenbedingungen für den Lernprozess erläutert.
Durch den geringeren Bekanntheitsgrad ist eine gezielte Hinführung zu diesem
Instrument notwendig. Ideal ist ein wiederholtes Vorstellen der Viola in Kindergärten
und Volksschulen sowie im gesamten Bereich der elementaren Musikpädagogik.
Erfahrungen zeigen, dass sich Kinder durchaus zur speziellen Klangfarbe der Viola
hingezogen fühlen. Entgegen weitverbreiteter Meinungen ist das vorherige Erlernen
der Violine nicht notwendig!
Die Bedeutung der Viola muss dem Kind besonders dargestellt werden:
- Unentbehrlich in Kammermusik, Ensemble und Orchester
- Soloinstrument
- Solistisch mit Begleitinstrumenten
In einigen Bundesländern gibt es ein Aufnahmeverfahren. Entwicklungspotentiale
können meist während des Probejahres festgestellt werden.
Anhaltspunkte für die Eignung können sein:
- Empfehlung in der Elementaren Musikpädagogik
- Schnupperunterricht
- Probezeit (1. Lernjahr)
- Familiäre Unterstützung
- Einschätzung der Situation für Eltern und Kinder (Elterngespräche)
- Konzentrationsfähigkeit (dem Alter entsprechend)
- Reife
- Feinmotorik
- Koordinationsfähigkeit
- Durchhaltevermögen
- Motivation, eigener Wille
- Übebereitschaft/Übemöglichkeit
- Zeitaufwand
- Regelmäßiger Unterrichtsbesuch
4. Ganzheitliche Pädagogik
- Musikalische Allgemeinbildung
- Notenlesen
- Rhythmustraining
- Gehörbildung (Sensibilisierung intervallspezifischen Hörens)
- Harmonielehre
- Geschichte des Instruments
- Stilkunde
- Aufführungspraxis
- Literaturkenntnisse
- Körperbewusstsein, Körperarbeit, Körperschulung
- Atmen
- Singen
- Bewegung und Tanz
- Rhythmusempfinden
- Haltung
- Entspannungsübungen
- Mentales Training
- Umgang mit Auftrittsängsten
- Instrumentenspezifische Bewegungsabläufe
- SchülerInnen dort „abholen“, wo sie stehen
- Prozessorientiertes Lernen findet auf verschiedenen Ebenen statt: musikalisch,
emotional, visuell, auditiv, analytisch, sinnlich, motorisch
- Förderung der Eigenwahrnehmung
- Förderung der sozialen Empfindsamkeit
- Polyästhetische Inhalte
- Vorbildfunktion der Lehrkraft: Partnerschaft SchülerIn – LehrerIn
- Erweiterung der fachspezifischen Lern- und Lehrinhalte durch:
- Ensemblespiel
- Kammermusik
- Orchester
5. Körper und Instrument, Technik
Hervorheben der Wichtigkeit eines entwickelten Körperbewusstseins
- Körper, Technik und Instrument sollen ein Ganzes werden:
- Körpergerechte Haltung und Spieltechnik
- Gestaltung der Körperbewegung mit dem Instrument
- Permanente individuelle Anpassung der Haltung, speziell in der Wachstumsphase
- Intensive Wahrnehmung von Spannung und Entspannung, Atemschulung
- Ökonomische Spielweise (motorische Fähigkeiten und richtige Bewegungsabläufe)
- Bewegungen aus dem Alltag auf das Instrument beziehen
- Schulung der Unabhängigkeit von linker und rechter Hand
- Angemessene Instrumentengröße, geeignete Kinnhalter, Schulterstützen
- Trockenübungen (ohne Bogen, mit geschlossenen Augen etc.)
- Überbelastungen sowie Haltungs- und Spielschäden kann durch verschiedene
Körpertechniken vorgebeugt werden:
- Alexander-Technik
- Feldenkrais
- Yoga
- Tai Chi
- Kinesiologie
Zeitgemäße Ausstattung der Unterrichtsräume in der Musikschule
- Ergonomisch geformte Sitzmöbel
- Leihinstrumente in verschiedenen Größen
- Gestimmtes Klavier in den Unterrichtsräumen
- Elektronisch verstärkte Instrumente
- CD-Player
6. Kultur-, musikhistorisches und musikkundliches Wissen
Das umfassende Ausbildungsangebot an Musikschulen beinhaltet auch die
Vermittlung von musikhistorischem und musikkundlichem Wissen sowie eines
allgemeinen Kulturwissens. Der musikalische Ausdruck, die Fähigkeit künstlerisch zu
gestalten und das Werkverständnis werden durch den geschichtlichen Kontext
bereichert.
Musikhistorisches Wissen:
- Entwicklungsgeschichte der Streichinstrumente
- Kennenlernen epochenspezifischer Instrumente (Museumsbesuche)
Musikkundliches Wissen
- Aufführungspraxis und Stilkunde, Bewusstmachen der Vielfalt möglicher
Interpretationen eines Werkes
- Fachspezifischer Theorieunterricht (eingebaut in den Instrumentalunterricht)
- Instrumentenkunde
- Zusammenarbeit mit begleitendem Musiktheorieunterricht
Kulturelles Wissen
- Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen
- Konzert- und Theaterbesuche
- Vermittlung des kulturgeschichtlichen Hintergrundes (Bildende Kunst, Dichtung
ect.)
- Einbezug verschiedener Medien
7. Lebendiger Unterricht und vielfältige Unterrichtsformen
Einzel-, Partner-, Gruppen-, Ensemble- und Klassenunterricht
Methodische Flexibilität bezieht sich auch auf Unterrichtsformen – diese sind weder
grundsätzlich gut noch schlecht, sondern lediglich danach zu beurteilen, ob sie in
Bezug auf die definierten Intentionen und die anstehenden Inhalte zielführend sind.
Auch wenn zunehmend neue Unterrichtsformen den traditionellen Einzelunterricht
ergänzen: Eine wichtige Quelle positiver persönlicher und musikalischer Entwicklung
der SchülerInnen an einer Musikschule ist eine persönliche, vertrauensvolle und
beständige Beziehung zu ihren LehrerInnen.
Um eine optimale Förderung der SchülerInnen zu gewährleisten, ist bei der Wahl der
Unterrichtsform sowohl auf die personellen und räumlichen Möglichkeiten der
Musikschule als auch auf die Fähigkeiten und Möglichkeiten der SchülerInnen zu
achten.
- Die Stärken des Einzelunterrichts liegen in der bestmöglichen individuellen
Förderung der SchülerInnen.
- Der Partner bzw. Gruppenunterricht ist im Anfangsunterricht eine sinnvolle
Ergänzung zum Einzelunterricht und eine gewünschte Unterrichtsform, da viele
Inhalte wie z.B. Notenlesen, Singen, Rhythmusübungen usw. gemeinsam erarbeitet
werden können. Die Motivation kann zudem durch die Gruppendynamik positiv
beeinflusst werden.
- Musizieren im Ensemble und kammermusikalisches Musizieren ist von Beginn
an wichtig: im Gruppenunterricht, in Duos und Ensembles, im Streichorchester, in
der fachübergreifenden Kammermusik.
- Multidimensionaler Unterricht
- Methoden wie z.B. Colourstrings, Suzuki
- Einsatz von Play along-CDs
- Klassenmusizieren nach Yamaha, Roland, Essential Elements
Klassenmusizieren ist eine gesondert zu betrachtende Unterrichtsform, die auch in
der Prüfungsordnung anders bewertet werden muss.
- Fachübergreifender Begleitunterricht (Korrepetition, SchülerInnen begleiten
SchülerInnen, Popularmusik, Kammermusik)
- Teamteaching
- Gemeinsame Klassenaktionen (fachübergreifende Klassenabende und Projekte,
Austauschprojekte, Reisen)
- Fachspezifische Wettbewerbe
8. Übeformen/Übepraxis
Grundvoraussetzung zum selbstständigen Üben zuhause ist die Freude am Spiel.
Diese kann durch einen lebendigen Unterricht (gemeinsames Musizieren, Einbeziehen
von musikalischen „Lieblingsthemen“ der SchülerInnen, Vorbereitung auf einen
Auftritt usw.), durch die Unterstützung der Eltern und durch positives Feedback
gefördert werden.
- Bewusstmachen der verschiedenen Lernfelder:
- Rhythmus
- Hören, Intonation
- Klangvorstellung
- Eigene Interpretation
- Bewegungsabläufe
- Bogentechnik
- Violatechnik – besondere Ausbildung der linken Hand/Kraftaufwand
- Vibrato
- Auswendigspiel
- Improvisation/Komposition
- Mentales Training
- Regelmäßigkeit des Trainings ist für ein Weiterkommen unerlässlich
- Konkrete Aufgabenstellung (die für die SchülerInnen im Rahmen ihrer
Möglichkeiten realisierbar sein müssen)
- Zielorientiertheit: (z.B. Konzerte, Wettbewerbsteilnahme, Prüfungen, technische
Anforderungen, Dokumentationen auf Tonträgern)
- Zielvereinbarung
- Anleitung zum effizienten Üben durch die LehrerInnen
- Sinn des Übens vermitteln
- Analyse der Aufgabenstellung
- Hinführen zum selbständigen Lösen von Schwierigkeiten
- Unterstützung durch Medien (Play along-CD, CD, Videoanalyse)
- Übestrategien
- Erlernen verschiedener Übetechniken
- Eigene Übungen erfinden
- Erarbeitung ohne Noten (z.B. durch Singen, Improvisation)
- Mentales Üben
- Üben mit dem Metronom
9. Einbeziehung und Mitarbeit der Eltern
Die Eltern sollen grundsätzlich in das Musikschulgeschehen aktiv eingebunden
werden. Beim Unterricht stehen die SchülerInnen im Mittelpunkt. Die Mitarbeit der
Eltern ist den individuellen Bedürfnissen anzupassen, wobei auf eine ausgewogene
Balance zwischen zu wenig Elterninteresse und zu viel Elternaktivität zu achten ist.
Je nach Möglichkeit und Bereitschaft seitens des Elternhauses gibt es einige
Hilfestellungen zur Förderung eines positiven Bildungswegs:
- Das gegenseitige Interesse (Eltern – LehrerIn – SchülerIn)
- Erwartungen, Zielvorstellungen (realistische Erwartungshaltung fördern)
- Elterninformation (Rundschreiben, Elternabende, Gespräche)
- Zeitweise Anwesenheit eines Elternteiles – nicht nur im Anfangsunterricht
- Vermittlung der Grundbegriffe an die Eltern
- Unterstützung, Motivation, Freude am Fortschritt und Erfolg – es hängt auch von
den Eltern ab, ob und wie ein Kind übt
- Übeanleitung für Eltern
- Erwerb eines adäquaten Instrumentes
- Pflege des Instruments
- Äußerliche und organisatorische Hilfen zuhause
- Vorspielstunden, Konzerte, diverse von der Musikschule angebotene
Veranstaltungen
- Musizieren mit Eltern, Hausmusik
10. Vorbereitung und Nachbereitung des Unterrichts
Eine gezielte Unterrichtsplanung ermöglicht es, alle SchülerInnen individuell zu
betreuen und zu fördern. Die Bildungsziele sind von der Lehrkraft aktiv in den
Unterricht einzubringen, wobei die Wünsche der SchülerInnen beachtet und
berücksichtigt werden sollen.
- Allgemeine Unterrichtsvorbereitung
- Zielsetzung, Zielvereinbarung
- Administration, Organisation, Vorbereitung der Unterrichtsmaterialien
- Konferenzen, Fachgruppenbesprechungen, Zusammenarbeit mit KollegInnen
(fach- und klassenübergreifender Unterricht)
- Raumsituation, Instrumenten-Check für den Unterricht
- Individuelle Vorbereitung der Lehrkraft – Vorbildfunktion, Supervision und
- Selbstreflexion, fachlicher Austausch
- Methodisch- didaktische Vorbereitung
- Spezielle Unterrichtsvorbereitung
- Konzepterstellung: lang- und mittelfristige Stundenkonzepte
- Literaturauswahl
- Ensemblearbeit
- Planung, Konzeption und Vorbereitung für Konzertmitwirkungen und
Wettbewerbsteilnahmen, spezielle Förderung für PrüfungskandidatInnen
- Elterngespräche
- Wöchentliche bzw. längerfristige Vorbereitung des Unterrichts
- Organisation und Vorbereitung der Unterrichtsmaterialien
- Literaturauswahl entsprechend der Lernziele
- Erstellung von individuellen Lernzielen mit allen SchülerInnen
- Wöchentliche bzw. längerfristige Nachbereitung des Unterrichts
- Aufzeichnungen und Dokumentationen
- Unterrichtsreflexion (auch in methodischer und didaktischer Hinsicht)
- Überprüfung der Zielsetzungen
11. Lernziele/Bildungsziele (nach Entwicklungsstufen/Leistungsstufen)
Als Grundstruktur wird von vier Entwicklungsstufen ausgegangen:
Elementar-, Unter-, Mittel- und Oberstufe.
Die Verweildauer in den einzelnen Stufen liegt zwischen zwei (bei der Elementarstufe)
und mehreren Jahren und richtet sich im Wesentlichen nach dem Anfangsalter, der
Vorbildung, der Unterrichtsform und der Unterrichtsdauer. Ebenso müssen Faktoren
wie das psychologische und soziale Umfeld der SchülerInnen, etwaige Erkrankungen
oder ein Wechsel der Lehrkraft beachtet werden.
In allen Stufen sollen neben der Technik am Instrument und der Musikalität folgende
Punkte gefördert werden:
- Liebe zur Musik und zum eigenen Instrument
- Interesse am Kulturgeschehen
- Allgemeine musikalische Fertigkeiten und Fähigkeiten
- Gehörbildung und Rhythmus
- Förderung der Aufmerksamkeit und Konzentration
- Förderung der Phantasie
- Ausdrucksvolles Musizieren
- Selbstständige Interpretation
- Förderung des gemeinsamen Musizierens
- Auswendig- und Blattspiel
- Improvisation
- Auftrittsverhalten – Präsentation
Elementarstufe
In der Elementarstufe werden grundlegende Fertigkeiten am Instrument und ein
musikalisches Basiswissen erworben.
Anhaltspunkte:
- Kennenlernen des Instruments
- Bogenhaltung, Haltung der linken Hand
- Getrennte Übungen für die rechte und linke Hand – Kombinieren beider Hände
- Klangvorstellung, Tongebung
- Auswendigspiel
- Spiel nach Gehör
- Spiel in der Gruppe
Nach Möglichkeit soll der Instrumentalunterricht bereits in der Elementarstufe durch
einen elementaren Musiklehrekurs ergänzt werden.
Unterstufe
In der Unterstufe werden die allgemeinen musikalischen und technischen Fähigkeiten
und Fertigkeiten am Instrument erweitert und ein erster Einblick in verschiedene
Epochen und Stile vermittelt.
- Verbesserung des Saitenwechsels
- Beginn des Lagenwechsels
- Beginn des Vibrato
- Selbstständiges Stimmen des Instruments
- Grundlagen der Stricharten
- Entwicklung der Stricharten
- Funktionelle Bogenführung
Mittelstufe
In der Mittelstufe werden die erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten
weiterentwickelt und ausgebaut. Es wird bereits auf größere Werke der Violinliteratur
(solistisch und kammermusikalisch) eingegangen und die Selbstständigkeit der
SchülerInnen noch mehr gefördert.
- Ausbau des Repertoires
- Schulung des Auftrittsverhaltens und der Selbstreflexion
- Festigung und Ausbau der in der Unterstufe erlernten Bogen- und Violintechnik
- Selbstständiges Erarbeiten eines Werkes
- Übetechniken, Fingersatz, Körperbewusstsein
- Differenzierungen in Dynamik und Klangfarbe
- Kammermusik
Oberstufe
In der Oberstufe wird exemplarisch an wichtigen Werken aller Epochen gearbeitet.
Besonders talentierten SchülerInnen dient sie auch als Vorbereitung auf musikalische
Berufsausbildungen (Musikstudien an Konservatorien und Universitäten,
Instrumentenbau etc.).
- Großes Repertoire
- Eigeninitiative und hoher Grad an Selbstständigkeit
- Weiterentwicklung der bisher erworbenen Fähigkeiten
12. Empfehlungen für Übertrittsprüfungen
Übertrittsprüfungen sind Qualifikationen, die ein erreichtes Lernziel dokumentieren.
Es gibt unterschiedliche und bewährte Regelungen in den einzelnen Bundesländern,
das hier Angeführte kann als Leitfaden dienen. In der Regel ist in jeder Stufe der
entsprechende Theorieunterricht zu besuchen.
Studienabschnitte:
- Elementarstufe: Lernziele der Elementarstufe
- Unterstufe: Lernziele der Unterstufe, 1. Übertrittsprüfung
- Mittelstufe: Lernziele der Mittelstufe, 2. Übertrittsprüfung
- Oberstufe: Lernziele der Oberstufe, Abschlussprüfung
Allgemeine Bewertungskriterien:
- Künstlerisch-musikalische Gestaltung
- Schwierigkeitsgrad des gespielten Programms unter Berücksichtigung der
besuchten Unterrichtsform
Allgemeine Empfehlungen für die Programmauswahl:
- Ein kammermusikalisches Werk
- Ein Werk des 20. oder 21. Jahrhunderts bzw. eine Eigenkomposition
Mögliche Formen:
- Prüfung
- Vorspiel und Klassenabend
- Projekt mit Dokumentation
- Sammelpass (Konzertbesuche, Orchesterbesuch, Ensemblearbeit, Musiktheorie,
Vortragsabende etc.)
Motivierende „Feed back“-Gespräche zwischen Lehrkraft, SchülerInnen und Eltern
werden angeregt.
Die Wertschätzung über die abgelegte Prüfung soll in einer dem Anlass
entsprechenden Feier zum Ausdruck gebracht werden, z.B. durch Überreichung einer
Urkunde (Abzeichen oder Ähnliches) durch Persönlichkeiten aus dem Kulturleben.
Elementarprüfung
(von der Elementar in die Unterstufe)
Eignungsfeststellung (Überprüfung der Lernziele der Elementarstufe) in kindgerechter
Form.
1. Übertrittsprüfung
(von der Unter- in die Mittelstufe)
Es wird empfohlen, die 1. Übertrittsprüfung nicht vor dem 12. Lebensjahr anzusetzen.
Dauer des Vorspiels: ca. 10 Minuten
- Drei Stücke freier Wahl, aber unterschiedlichen Stils, davon ein
kammermusikalisches Werk
Technische Anforderungen:
- Beherrschung der Grundstricharten
- Anwendung des Vibrato
- Lagenspiel
2. Übertrittsprüfung
(von der Mittel- in die Oberstufe)
Dauer des Vorspiels: ca. 15 bis 20 Minuten
- Vier Stücke freier Wahl, aber unterschiedlichen Stils, davon ein
kammermusikalisches Werk
Technische Anforderungen:
- Ausbau und Vertiefung der Violin- und Bogentechnik
Abschlussprüfung
(am Ende der Oberstufe)
Dauer des Vorspiels: ca. 25 bis 30 Minuten
Repräsentativer Querschnitt des bisherigen musikalischen Werdegangs.
StudienanwärterInnen orientieren sich an den Anforderungen einer Aufnahmeprüfung
der weiterführenden Institutionen.
13. Besondere Hinweise zum „frühinstrumentalen Unterricht“ und zum Unterricht mit
„jugendlichen und erwachsenen AnfängerInnen“
Aspekte beim frühinstrumentalen Unterricht:
- Kindgerechte Methoden, Spielfreude des Kindes nutzen
- Berücksichtigung der geistigen und körperlichen Entwicklung
- Entwicklungspsychologie
- Spielerische Herangehensweise, kindgerechte Sprache
- Besondere Unterstützung durch die Eltern
Jugendliche AnfängerInnen:
- Vorbildwirkung anderer Jugendlicher nutzen
- Einbeziehung aktueller Musiktrends
- Körperliches und emotionales Wachstum berücksichtigen
- Altersgerechte Unterrichts- und Prüfungsgestaltung
- Vorlieben der SchülerInnen mit einbeziehen
- Betreuung ehemaliger MusikschülerInnen (Ensemble, Orchester, Hausmusik,
Volksmusik)
- Förderung des Gemeinschaftsmusizierens
Erwachsene AnfängerInnen:
- Körperarbeit
- Elementare Musikpädagogik auch für Erwachsene
- Umgang mit Auftrittsängsten
- Umgang mit fremd gesteuertem Leistungsdruck
- Aktivieren von Emotionen
- Eine dem Berufsleben angepasste Unterrichtsplanung
14. Hinweise zum Unterricht mit „Menschen mit Behinderungen“
Sonderpädagogik soll grundsätzlich in der Musikschule möglich sein, die Bereitschaft
und Fähigkeit der Lehrkraft ist jedoch Voraussetzung. Bei Bedarf muss eine Aus- oder
Fortbildung und/oder zusätzliche fachliche Hilfestellung möglich sein.
- Herauslösung von Leistungsstandards
- Keine Lehrplanbindung
- Integration
- Austausch mit einer psychologischen Fachkraft (Supervision)
15. Instrumentenkundliches (Sonderformen, Pflege, Kauf, ...)
Informationen zu Kauf, Pflege und Wartung:
- Beratung beim Erwerb eines Instrumentes durch GeigenbauerInnen und/oder
LehrerInnen
- Regelmäßige Kontrolle der Instrumente der SchülerInnen (Steg, Saiten, Wirbel,
Feinstimmer, Bogenbehaarung, allgemeiner Zustand) durch die Lehrkraft
- Überprüfung der Instrumentengröße
- Saiten- und Kinnhalterauswahl
- Transportproblem: Das Instrument reagiert empfindlich auf Hitze und Kälte
- Bewusstseinsbildung für den Wert des Instrumentes
- Achten auf sorgfältigen Umgang und Pflege (von Anfang an)
- Fachgerechte Wartung und Reparatur durch GeigenbauerInnen
- Aufgeschlossenheit gegenüber modernen (E-Geige) wie alten Instrumenten
(Barockviola, Gambe)
Es sollten genügend Leihinstrumente – sowohl Anfänger- als auch
Präsentationsinstrumente – in der Musikschule vorhanden sein.
Eltern sollten auf Leasing-Systeme für Leihinstrumente in allen Größen hingewiesen
werden.
16. Fachspezifische Besonderheiten
Die Viola ist ein „Mangelinstrument“, daher ist ein gezieltes Hinführen z.B. durch
Instrumentenpräsentationen in Kindergärten und Volksschulen wichtig. Kinderviolen
sind bereits ab der Größe 1/16 erhältlich und ein früher Beginn ist möglich (siehe auch
Punkt 3).
Die Viola ist ein unentbehrliches Orchester- bzw. Ensembleinstrument und vielfältige
einsetzbar.
- Der Stellenwert der Intonation ist beim Violaspiel besonders hoch, daher wird eine
aufbauende Gehörbildung (Solmisation etc.) empfohlen.
- Ensembles und Orchester haben für StreicherInnen große Bedeutung und sollten
allen interessierten SchülerInnen offen stehen.
- Die eigene künstlerische Tätigkeit der Lehrkraft ist von großer Wichtigkeit. Dafür
ist die Möglichkeit einer flexiblen Gestaltung der Unterrichtszeit von Vorteil.
Gleiches gilt für regelmäßige Fortbildungen.
- Barocke und alte Meisterinstrumente können z.B. bei GeigenbauerInnen
kennengelernt werden.
- Für die Aufnahme und Verstärkung von Streichinstrumenten ist eine hochwertige
technische Ausstattung (Mikrofone, Tonabnehmer, Verstärker etc.) erforderlich.